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Trendsport:Surfwelle bewegt Wolfratshausen

Zum Infoabend vor der Stadtratsentscheidung kommen 100 Besucher. Der Betreiberverein wirbt für das Projekt und erhält viel Zuspruch.

Von Konstantin Kaip

Die Surfwelle an der Weidachmühle, die der Verein "Surfing Wolfratshausen" von der Stadt errichten lassen und betreiben will, steht wegen ihrer hohen Kosten auf der Kippe: Am 12. Februar muss der Stadtrat entscheiden, ob das Projekt weiterverfolgt wird oder nicht. Um zu zeigen, dass sich die Mehrausgaben lohnen, hat der Verein am Mittwochabend noch einmal das Projekt und das Betriebskonzept vorgestellt. Dass die Welle die Bürger bewegt, zeigte die beeindruckend rege Teilnahme: Der rote Raum in der Flößerei war mit gut 100 Zuhörern, darunter viele Stadträte, wohl so voll wie nie.

Die Vereinsvorsitzende Stefanie Kastner zeigte sich "überwältigt" vom regen Interesse. Vor einem Dutzend Vereinsmitgliedern, das sich mit Logo und Surfbrettern dem Publikum gegenüber postiert hatte, legte sie "unsere Sicht der Dinge" dar, wie sie sagte. Die Berechnung, die der Wasserbauingenieur Roland Hoepfner im Dezember vorgestellt hat, habe auch den Verein "erschreckt": 674 000 Euro soll die Welle demnach kosten, zuvor war von 410 000 Euro die Rede gewesen. "Das ist ein großer Brocken, der das Projekt auch zum Scheitern bringen kann", sagte Kastner. Allerdings habe das EU-Förderprogramm Leader in Aussicht gestellt, den bereits bewilligten Zuschuss von 172 000 auf 282 000 Euro zu erhöhen. Zusammen mit den vom Verein gesammelten 60 000 Euro Spenden kämen so 342 000 Euro Drittmittel zustande, mehr als die Hälfte der Kosten. Für die Stadt zahle es sich aus, den Rest zu übernehmen: Die Welle werde eine "unheimliche Bereicherung" für Wolfratshausen, versprach Kastner.

Schließlich habe die Stadt das Glück, am Kraftwerkskanal die ideale Stelle für das Bauwerk bieten zu können, das die erste eigens für Surfer geschaffene künstliche Flusswelle Deutschlands werden könnte. Andere Kommunen mit ähnlichen Vorhaben hätten deutlich schlechtere Voraussetzungen. Die geplante bewegliche Stahlbaukonstruktion erfordere zwar Aushub und Betonierung des Kanals, garantiere aber eine konstant gute Qualität der Welle: "Man wird immer surfen können."

Infoabend des Vereins River Surfing Wolfratshausen im Wirtshaus Flößerei. Die Veranstalter und Vorsitzenden des Vereins Stefanie und Marcus Kastner stellten vor zahlreicher Kulisse die Argumente für die Surfwelle dar.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Betrieben werden soll die acht Meter breite Welle aber nur an vier Tagen pro Woche, von Donnerstag bis Sonntag für je zehn Stunden mit Aufsicht. Mit 50 000 Euro Betriebskosten rechnet der Verein im Jahr, inklusive Versicherungen, Strom und Ausgleichszahlungen an den Kraftwerksbetreiber. Das Geld soll laut Kastner aus Beiträgen kommen: Surfen darf nur, wer Mitglied ist, pro Jahr soll das 120 Euro kosten, eine Tagesmitgliedschaft soll es für 15 Euro geben. Bedenken, dass das zu teuer ist, habe der Verein nicht. Auch Parkplatz- und Müllprobleme seien nicht zu befürchten: Surfer seien in der Regel umweltbewusst, und hinterließen keinen Dreck.

Dass sie kommen, ist Kastner überzeugt: Die Faszination, den exotischen Wassersport in der Heimat erleben zu können, werde Wellenreiter und Zuschauer gleichermaßen anziehen, den Loisachspitz zum Ort der Begegnung machen und Handel und Tourismus beleben. Der Stadtrat habe keine leichte Entscheidung zu treffen, sagte Kastner. "Wir hoffen aber, dass Sie sich für ein innovatives Projekt entscheiden, dass eben nicht jede Stadt hat." Zuspruch bekam sie vom grünen Landtagsabgeordneten Hans Urban. "Es wäre schade, wenn das Projekt hinten runterfällt", sagte er und ermunterte die Stadträte, bei der Finanzierung auch "interkommunal zu denken". Die Welle werde ein "Hot Spot" für die ganze Region, prophezeite Urban. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) wollte sich zwar "nicht positionieren", lobte dann die Surfwelle aber erneut als "tolles Projekt". Dass das auch die meisten Gäste im Saal so sahen, zeigte der tosende Applaus, den Kastner und ihre Mitstreiter bekamen.

© SZ vom 01.02.2019

Kommentar
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