bedeckt München -2°

Trendpsort in Wolfratshausen:Weniger Geld für die Surfwelle

München: FRÜHLINGSGEFÜHLE am EISBACH / Eisbach-Surfer

Ob es in Wolfratshausen auch Fluss-Surfer geben wird wie am Eisbach in München, hängt von der Entscheidung des Stadtrats ab.

(Foto: Johannes Simon)

Das Projekt kommt wieder in den Stadtrat, weil die Förderung aus dem "Leader"-Programm gekürzt wurde. Um es zu verwirklichen, müsste die Kommune 64.000 Euro mehr zahlen als beschlossen.

Von Konstantin Kaip

Die Wolfratshauser Surfwelle steht erneut zur Disposition. Denn die Förderung des Leader-Programms fällt geringer aus als versprochen. Statt der in Aussicht gestellten 334 000 Euro gibt es nur noch 270 000 Euro aus dem EU-Förderprogramm für die Konstruktion an der Weidachmühle, die laut Baukostenberechnung insgesamt 800 000 Euro kosten soll. Das würde nach aktueller Beschlusslage das Aus für das ambitionierte Prestigeprojekt bedeuten. Schließlich hatte der Stadtrat den Eigenanteil der Stadt zuletzt auf 400 000 Euro gedeckelt und die Unterstützung zudem an die Bedingung geknüpft, dass Leader die Welle mit mindestens 282 000 Euro fördert. In der letzten Sitzung des Jahres am kommenden Dienstag, 10. Dezember, steht das Projekt abermals auf der Tagesordnung: Die Stadträte müssen entscheiden, ob die Kommune das Defizit von 64 000 Euro ausgleicht oder ob das Projekt endgültig begraben wird.

Wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) sagt, wurde die geringere Förderung erstmals am 11. Oktober im Hinweis zur Verbescheidung des Leader-Antrags vom zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim deutlich. In einer E-Mail sei kurz darauf erklärt worden, welche Positionen nicht förderfähig seien: Vor allem die Beratungsleistung (mit insgesamt 52 000 Euro veranschlagt) und die freihändige Vergabe der Objekt- und Tragwerksplanung (insgesamt 62 000 Euro) könne nicht zur Hälfte gefördert werden. Wie Heilinglechner sagt, hätte laut Leader-Richtlinien eigentlich eine Ausschreibung erfolgen und drei Angebote eingeholt werden müssen. Die Planer der "Fichtner Water & Transportation", die von der Stadt auch mit der Betreuung des Leader-Antrags beauftragt sind, hätten allerdings nach mündlicher Rücksprache mit den Rosenheimer Betreuern abgestimmt, dass man davon absehen könne, wenn die Leistung nur von einem Auftragnehmer erbracht werden und man das gut begründen könne. Heilinglechner sagt, er habe die schriftliche Begründung selbst unterzeichnen müssen. Der Förderstelle sei sie aber schließlich "zu wenig aussagekräftig" gewesen. Die Beratungskosten wiederum seien auf Empfehlung der Leader-Aktionsgruppe im Landratsamt in den Antrag aufgenommen worden. Nachdem auch ein Krisentermin mit der Kreisgruppe in Rosenheim nicht gefruchtet habe, habe er am 17. November alle Stadträte und auch den Verein "Surfing Wolfratshausen", der die Welle betreiben will, über die geänderten Verhältnisse informiert.

Verfahrensfehler seitens der Stadt sieht der Bürgermeister nicht. Man habe ein Beratungsbüro beauftragt und regelmäßig mit der Aktionsgruppe Rücksprache gehalten, sagt er. Die gekürzte Leader-Förderung sei bedauerlich, aber: "Die Kommune kann definitiv nichts dafür."

Um an der Welle festzuhalten, müsste der Stadtrat den bestehenden Beschluss aufheben und den städtischen Anteil auf 464 000 Euro erhöhen. Mindestens neun Stadträte werden das wohl nicht tun: Die CSU werde geschlossen dagegen stimmen, erklärt Fraktionssprecher Günther Eibl. "Wir haben gesagt, dass 400 000 Euro das Limit sind und kein Cent darüber hinaus." Auch Helmut Forster, der noch in der BVW-Fraktion sitzt, steht in seiner neuen "Wolfratshauser Liste" für ein Wahlprogramm, das die Surfwelle als zu teuer ablehnt.

Er stehe nach wie vor hinter dem Projekt, erklärt indes Heilinglechner - und appelliert an alle Stadträte, intensiv darüber nachzudenken, ob man es nun "in die Tonne tritt". Die Stadt habe bereits 175 000 Euro für Beratungen und Gutachten ausgegeben, gibt er zu bedenken. "Wenn wir sagen, wir geben nicht mehr, ist das Geld passé." Zudem liege auch die aktuell in Aussicht gestellte Förderung noch über der eigentlichen Leader-Obergrenze von 200 000 Euro. Das zeige - wie die durchweg hohen Bewertungen bei Leader - die "große Bedeutung des Projekts über die Region hinaus". Laut Ministerium müsse der Stadtrat die Entscheidung so schnell wie möglich treffen, sagt der Bürgermeister. Werde die Gesamtdeckung der Kosten nicht garantiert, würden die Fördermittel an andere Projekte weitergegeben.

© SZ vom 05.12.2019/aip
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema