Trassenverlängerung nach Geretsried S 7-Anhörung noch nicht terminiert

Noch fährt die S 7 nur bis Wolfratshausen. Der Bau der geplanten Gleisverlängerung nach Geretsried mit Trog in der Loisachstadt ist nur auf dem Papier geregelt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Projektleiter der Bahn erläutert Planung und verweist auf ausstehende Entscheidung der Bundesbehörde

Von Felicitas Amler

Der Satz, den Michael Hatzel, Projektleiter Netz der Deutschen Bahn, am Dienstag im Geretsrieder Stadtrat am häufigsten gesagt hat, lautet: "Wann das sein wird, weiß ich nicht." Hatzel, der dem Stadtrat einen Zwischenbericht zu den Planungen für die Verlängerung der S-Bahn-Linie 7 bis Geretsried gab, meinte damit das ausstehende Planfeststellungsverfahren. Dafür ist das Eisenbahn-Bundesamt zuständig. Von der Bahn aus lägen alle Unterlagen "seit Juli genehmigungsfähig" bei der Bundesbehörde, sagte Hatzel. Demnach könnte die erste Anhörung im vierten Quartal 2019 stattfinden. Doch eben dazu gebe es "leider keine Aussage" des Eisenbahn-Bundesamts.

Hatzel erklärte den Geretsriedern, dass die schwierigsten Fragen im Zusammenhang mit der Planung Wolfratshausen beträfen. Am dortigen Bahnhof ist der Bau eines sogenannten Trogs mit Deckel (Hatzel: "Das ist kein Tunnel") vorgesehen. Dies war vor vier Jahren der entscheidende Punkt für die Wolfratshauser, die einer Lösung mit Schranke mitten in ihrer Stadt nie zugestimmt hätten. Seit dem grundsätzlichen Ja des Freistaats, diese Variante finanziell zu unterstützen, wenn Geretsried, Wolfratshausen und der Kreis sich die Zusatzkosten teilen, wird an der Tektur, also der Planänderung, gearbeitet.

Der Geweh muss weg

Hatzel sagte, auch hinsichtlich des Geretsrieder Streckenteils sei "viel passiert - aber nicht viel, was Sie sehen werden". Mit einer gravierenden Ausnahme: Der direkte Fuß- und Radweg, der die Bewohner des südlichen Stadtteils Stein ursprünglich zum Bahnhof führen sollte, wurde gestrichen. Er sei mit europäischen Naturschutzanforderungen nicht vereinbar, erklärte Hatzel. Die Folge sei für alle Steiner ein Umweg von 80 Metern. In der Umgebung des südlichen der drei geplanten Geretsrieder S-Bahnhöfe gibt es zwei nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützte Lebensraumtypen: Waldmeisterbuchenwald und Magerrasen. Mit dem Radweg käme man dort vor europäischem Recht "niemals durch", betonte Hatzel. Detlef Ringer (Grüne) wandte ein, wenn an dieser Stelle kein offizieller Geh- und Radweg eingerichtet werde, entstünde sicher "bald ein inoffizieller Trampelpfad". Auch Bürgermeister Michael Müller (CSU) fragte, ob es nicht sinnvoller wäre, einen geordneten Weg zu schaffen. Es sei ihm zudem "schwer verständlich", warum der weitaus gravierendere Eingriff der S-Bahn-Trasse zulässig sei, der relativ kleine Weg aber nicht.

Hatzel sagte, er teile all dies "hundertprozentig", man komme aber an den europäischen Richtlinien nicht vorbei: "Es geht hier wirklich um Quadratmeter." Laut Gutachter wäre mit dem Weg eine "Erheblichkeitsschwelle" überschritten: "Aus der Geschichte kommen wir leider nicht mehr raus." Das sah der Bürgermeister anders. Er schlug kurzerhand eine andere Wegführung vor - und Hatzel sagte zu, diese prüfen zu lassen.

Hans Ketelhut (CSU) fragte, ob die Bahn derzeit nicht alle Kapazitäten für die zweite Stammstrecke in München brauche. Hatzel sagte, tatsächlich hätten alle Projekte, die jetzt neu dazukämen "ein echtes Problem" - dies treffe aber nicht auf die S 7 zu, die ja schon lange in Planung sei.

Auf Müllers Bitte skizzierte der Projektleiter den Geretsrieder Räten noch die Situation in Wolfratshausen, die er dem dortigen Stadtrat bereits im Oktober dargelegt hatte. Er sprach von umfassenden Boden-, Grundwasser und Lärmgutachten, die dort erforderlich gewesen seien, von einer "Optimierung der Platzierung" und davon, dass alle umliegenden Häuser vermessen worden seien, um festzustellen, wie tief sie in den Boden reichten und wo Tiefgaragen seien. Die technische Planung der "Tieflage" der S-Bahn sei vor allem hinsichtlich der Statik sehr aufwendig, sagte Hatzel und scherzte: "Nicht dass Wolfratshausen dann in ein tiefes Loch fällt." Ein Riesenthema sei auch der Baulärm, erklärte er und fasste schließlich zusammen: "Das ganze Bauwerk ist hochkomplex."

Stadtbaurat Rainer Goldstein hatte zu Beginn dieses Tagesordnungspunkte erklärt, er habe als Datum der ersten S-Bahn-Fahrt nach Geretsried immer noch den 24. Dezember 2028 in seinem Kalender stehen. Die Frage, ob es bei diesem Wunschtermin bleibt respektive bleiben kann, wurde dann in der Sitzung nicht weiter erörtert.