Der Tourismus im Tölzer Land ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er schafft Arbeitsplätze, generiert Umsätze in Hotel-, Gastgewerbe und Einzelhandel und schafft eine Infrastruktur mit Radwegen, Loipen, Bergbahnen oder Gaststätten, von denen auch Einheimische profitieren. Gleichwohl ist die Tourismus-Akzeptanz in der Region so niedrig wie nirgends sonst in Deutschland.
Nicht nur dieses Spannungsfeld stellt die Touristiker vor eine Herausforderung. Auch Themen wie Nachhaltigkeit, Fach- und Arbeitskräftemangel, Energiekrise, Digitalisierung, "Overcrowding". Oder die Auswirkungen des Klimawandels, der die Winter wärmer und schneeärmer macht und etwa im vergangenen Jahr dazu geführt hat, dass der Wasserspiegel des Gardasees so niedrig war, wie seit 15 Jahren nicht mehr. Wo also soll die Reise hingehen? Als Möglichkeit zum Austausch, Netzwerken und Informieren, hat der Tölzer Land Tourismus unter Federführung von Andreas Wüstefeld den ersten "Tölzer Land Tourismustag" im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) des Klosters Benediktbeuern organisiert.

Diverse Anbieter und Verbände präsentierten sich mit Infoständen, es gab Vorträge zu den Themen Zukunftsfähiger Tourismus, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die Resonanz war erfreulich: Etwa 100 Teilnehmende hatten sich laut Wüstefeld zu den Vorträgen angemeldet, an den Ständen gab es lebhaften Austausch. Ziel der Veranstaltung sei es, "einen positiven Schub für den Tourismus in der Region zu geben", sagte der stellvertretende Landrat und Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU).
335 Millionen Euro Bruttoumsatz würden jährlich im Landkreis durch den Tourismus generiert, 51 Prozent davon durch die knapp 7,5 Millionen Tagestouristen. Dass auch die Einheimischen von einer touristischen Infrastruktur profitierten, zeigten Beispiele aus anderen Regionen in Bayern. "Da gibt es oft keine Wirtshäuser mehr", sagte Holz. Ein attraktives Freizeitangebot sei zudem ein weicher Standortfaktor im Werben um Arbeits- und Fachkräfte. "Lassen Sie uns positiv in die Zukunft schauen", appellierte Holz. Die Zeichen stünden auf Optimismus. Denn nach den schwierigen Corona-Jahren hätten die Übernachtungszahlen 2022 mit 97 Prozent fast das "Vor-Pandemische-Niveau" erreicht".
"Ich bin beeindruckt über die Ausstellerliste", sagt Professor Pillmayer
Lob für das Engagement der Touristiker in der Region gab es von Markus Pillmayer, Professor an der touristischen Fakultät der Hochschule München. "Ich bin beeindruckt über die Ausstellerliste", sagte er in seinem Impulsvortrag. Eine derartige Vielfalt habe er nicht erwartet. Es sei wichtig, den Einheimischen viel stärker zu vermitteln, dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor "verdammt wichtig" für die Region sei. Pillmayer verdeutlichte das an einigen Zahlen: Der Bruttoumsatz durch den Tourismus habe im Landkreis laut einer Analyse des dwif 2020 bei 335 Millionen Euro gelegen. Am meisten profitiert habe das Gastgewerbe mit knapp 53 Prozent, gefolgt vom Einzelhandel mit knapp 25 Prozent und den Dienstleistern (22,3 Prozent). Bei den nur von Tagesgästen generierten Umsätzen, habe der Einzelhandel sogar 34 Prozent abgeschöpft.
"Die Einheimischen sehen gern Stau, Müll, Lärm oder Touristen, die sich nicht anständig benehmen und nachts mit Stirnlampen auf den Berg gehen", sagte Pillmayer. Kampagnen wie "Naturschutz beginnt mit dir" seien deshalb wichtig. Ebenso eine "Versachlichung der Debatte". Als wichtige Themen für die Zukunft nannte Pillmayer den "Trend zu autarken Unterkunftsformen". Der Boom bei Camping und Ferienwohnungen sei ungebrochen. Gleiches gelte für den "Outdoor-Hype". Auch über Migration im Zusammenhang mit dem Tourismus "müssen wir sprechen", sagte Pillmayer. Denn touristische Unterkünfte gingen teilweise für die Unterbringung von Flüchtlingen verloren. Eine Anpassung des Preis-Leistungs-Verhältnisses sei unumgänglich. "Das muss sein, um Dumping zu vermeiden."
"Wir sollten unsere Zukunftsbewusstsein zurückerobern."
Unterstützung erhofft sich Pillmayer von der Politik. Im Hinblick auf die Landtagswahl im Herbst erwarte er, dass "eine zukunftsfähige Tourismusfinanzierung" thematisiert werde, etwa in Bezug auf die Bettensteuer. Auch er forderte mehr Optimismus. "Wir sollten unser Zukunftsbewusstsein zurückerobern, statt ein Bedenkenträgertum zu kultivieren." In diesem Sinne sei das Technologie- und Transferzentrum Tizio, das im Sommer 2024 in Bad Tölz eröffnet wird, eine Chance. Denn auch Tourismus, Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind Themen des neuen Hightech-Campus.
