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Tourismus in Bad Tölz:Hotel im Wald - Wald im Hotel

Auf dieser Wiese an der Wackersberger Höhe soll ein neues Wellness-Hotel entstehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Johannes und Andrea Tien planen ein Vier-Sterne-Haus auf der Wackersberger Höhe

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das sich Johannes und Andrea Tien vorgenommen haben: Die Eheleute wollen ein naturnahes Hotel zwischen Wald und Bergpanorama auf der Wackersberger Höhe errichten. Dazu haben sie von der Stadt das 8400 Quadratmeter große Grundstück zwischen der Wackersberger Straße und dem Stadtwald gekauft. Auf dem Areal, das derzeit aus einer großen Wiese und einem kleinen Wanderparkplatz besteht, planen sie in einem ersten Bauabschnitt rund 40 Doppelzimmer und Suiten, dazu noch 20 Business-Zimmer. "Wir wollen etwas schaffen, das nicht nur für heute und morgen, sondern für übermorgen Bestand haben kann", sagte Johannes Tien bei der Präsentation im Sitzungssaal des Rathauses. Die Stadt, die seit Jahren vergebens um die Ansiedlung eines neuen Hotels kämpft, begrüßt das Vorhaben ausdrücklich. "Ich denke, es ist ein Glücksfall, wenn das realisiert wird", sagte Kämmerer Hermann Forster.

Das Ehepaar Tien führt seit 2011 das Ferienhaus "BergeBlick" in Wackersberg. Was eher als Hobby begann, führte rasch zum Erfolg, wie Andrea Tien erzählte: "Wir haben steigende Belegungszahlen, wir sind fast das ganze Jahr ausgebucht." Nachdem man nun achte Jahre lang geübt habe, traue sich die Familie zu, "das wir uns vergrößern". Vorgesehen ist jedoch nicht ein austauschbares Hotel im Alpenlandstil mit Geranienbalkonen, ebenso wenig ein Gebäude aus dem Einheitsbrei moderner Architektur, wie man ihn mitunter im Tölzer Kurviertel sieht. Architekt Sebastian Beham aus Dietramszell will einen ganz anderen Weg gehen und die Topografie in das neue Haus eingliedern, sprich: den benachbarten Stadtwald. "Wir integrieren den Wald gewissermaßen in das Hotel, wie wir das Hotel in der Landschaft auflösen."

Nach einer ersten Skizze könnte der ganz aus Holz errichtete Neubau aus variablen Würfeln bestehen, durch die Außen- und Innenräume verschmelzen. So wäre es möglich, dass Bäume durch der Fassade vorgelagerte Holzgerippe gleichsam in das Hotel aufgenommen werden, einzelne Teile des Gebäudes wiederum so durchlässig gestaltet sind, dass sie mit dem Wald vernetzt sind. Gedacht ist auch an ein Erdatrium, ein von einer Glaswand umhüllter Innenhof mit Bäumen und Büschen. Solche Naturelemente könne sogar die Klimaanlage ersetzen und ein Gebäude auf natürliche Weise lüften. Beham hat dies nach eigenem Bekunden schon in einem neuen Kindergarten bewiesen. Seine Fachkollegen hätten das erst nicht glauben wolle, aber es funktioniere, sagte er.

"Komm rauf, um runter zu kommen": Unter dieses Motto stellt Johannes Tien sein Projekt auf der Wackersberger Höhe. Das Hotel soll im Vier-Sterne-Segment angesiedelt sein, aus zwei Vollgeschossen und einem Laternengeschoss bestehen, außerdem eine Tiefgarage bekommen. Neben Zimmern und Suiten sind Frühstücksraum, Kaminzimmer, Stub'n, Seminarräume fürs mittlere Führungsmanagement und eine Roof-top-Bar geplant. Überdies schweben Tien kleine Oasen vor, etwa Alpenkörbe, eine Blumenwiese, Holzsaunen, Wohlfühlecken. "Für uns ist es wichtig, dass wir den Gast mit unserem Haus berühren und einen Mehrwert kreiere", betonte er. Die Schwerpunkte lägen auf "Nature-ness", Ruhe und Einfachheit, damit die Hotelbesucher vom Stress des Alltags entschleunigen können. Auch das Hotel soll - wie das Ferienhaus - den Namen "BergeBlick" tragen. Schließlich öffnet sich auf der Wackersberger Höhe das Gebirgspanorama nach Süden hin.

Das Grundstück ist im Flächennutzungsplan schon seit 1999 für touristische Belange ausgewiesen. "Es ist also nicht so überraschend, dass da mal was passiert", sagte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Das Areal geriet in den fruchtlosen Debatten über die "Neue Tölzer Hotelkultur" jedoch ein wenig aus dem Blickfeld. Zwar gab es einige Interessenten, deren Pläne vom Hüttendorf bis zum Sterne-Hotel reichten, allerdings habe man das "nicht zu aktiv verfolgt", sagte Kämmerer Forster. Das Grundstück habe die Stadt nun zu einem marktüblichen Preis verkauft, "wir haben da nichts hergeschenkt".

Für die Tölzer Kurdirektorin Brita Hohenreiter, die seit vielen Jahren immer nur die Schließung von Hotels verkündete, ist das ungewöhnliche Projekt fast wie ein Geschenk. "Für mich persönlich ist das ein ganz glücklicher Tag", sagte sie. Allerdings ist der Weg noch weit, bis das Hotel wirklich einmal steht. Alleine das Bebauungsplanverfahren dürfte bis Ende 2020 dauern.