Tourismus Erholung für den Walchensee

Der immense Freizeitdruck auf das Gewässer in den Sommermonaten überlastet Menschen und Natur. Ein moderierter Prozess mit den Ufergemeinden soll nun Lösungen für eine Entlastung bringen.

Von Petra Schneider

Trügerische Idylle: Von oben (hier der Blick vom Jochberg) wirkt der Walchensee wie ein unberührtes Stück paradiesische Natur. An schönen Sommerwochenenden aber herrscht am Ufer unten oft Betrieb wie am Stachus. Ändern soll das ein mehrstufiger Prozess, der am Freitag seinen Auftakt nahm.

(Foto: Manfred Neubauer)

An schönen Sommerwochenenden herrscht am Walchensee ein Betrieb wie am Stachus: Staus schon vor Kochel, der Kesselberg überlastet, das Südufer zugeparkt. Erholsam ist das nicht mehr - und nicht nur für die Anwohner eine Belastung, sondern auch für Natur und Umwelt. In den vergangenen zwölf Jahren habe es etliche Konferenzen und Runde Tische gegeben, die eine bessere Steuerung des Verkehrs und ein Konzept für eine künftige Entwicklung der Walchenseeregion erarbeite wollten, sagte der Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU) am Freitag. Gelungen ist das nicht, der Freizeitdruck ist eher noch gestiegen.

Walchensee und Süduferstraße sind im Eigentum des Freistaats, bewirtschaftet wird das Gebiet von den Bayerischen Staatsforsten. Der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch und sein Kochler Amtskollege Holz haben im vergangenen Jahr bei der Regierung von Oberbayern Alarm geschlagen, weil die kleinen Gemeinden mit dem Problem überfordert sind, und vor allem für den Verkehr eine großräumige Lösung nötig ist. Der erste Schritt ist nun gemacht: Am Freitag hat im Jachenauer Schützenhaus die Auftaktveranstaltung eines mehrstufigen Prozesses stattgefunden, der noch im ersten Quartal 2019 Lösungen bringen soll.

Dass dies nun gelingen könnte, darüber herrschte beim Auftakt Optimismus: "Ich bin zuversichtlich, dass der Prozess Fahrt aufnimmt", sagte Holz. 60 Teilnehmer, die von den beiden Gemeinden und vom Landratsamt benannt worden waren, sowie Vertreter aus verschiedenen Ministerien der Regierung von Oberbayern, hätten drei Stunden "konzentriert und konstruktiv gearbeitet."

Moderiert wird der dreistufige Zielfindungsprozess von Tourismus-Berater Christian Oberleiter. Die erste Veranstaltung am Freitag hat der Innsbrucker unter das Motto "Wo drückt der Schuh?" gestellt; Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven sollte aufgebaut, Probleme klar definiert und nicht vorschnell Lösungen präsentiert werden. Die Teilnehmer - Vertreter von Landratsamt und Ministerien, Wasserwacht, Bergwacht, Fischerei, Surfer, Taucher, Anwohner und Grundstückseigentümer - wurden willkürlich in acht Arbeitsgruppen aufgeteilt, sollten Probleme definieren und Indikatoren finden, um sie zu messen. Aus den subjektiven Bewertungen der Teilnehmer wurden Mittelwerte und eine Rangfolge gebildet.

Badespaß mit viel Blech: An den Ufergrundstücken des Sees reihen sich an warmen Tagen die Autos aneinander, die Straße ist verstopft.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

So hätten sich zwölf Themenfelder heraus kristallisiert, sagte Oberleiter. Die vier mit der höchsten Priorität, die der Moderator als "Big Four" bezeichnete, seien Verkehr, (rücksichtsloses) Freizeitverhalten, Parken und Rettungswege/Sicherheit. Des Weiteren wurden etwa Sanitäranlagen oder wildes Campieren genannt. Anders als bei früheren Walchenseeworkshop gebe es nun ein neues Format, bei dem nicht nur Behördenvertreter, sondern unterschiedliche Interessensgruppen eingeladen seien, lobte der Vertreter der Bayerischen Staatsforsten, Rudolf Plochmann. Jede Meinung zähle gleich viel, und nicht die, "die am lautesten" vorgetragen werde. Plochmann erhofft sich dadurch breitere Akzeptanz für die gefundenen Lösungen. Diese sollen in einer zweiten Veranstaltung bereits am 11./12. Januar mit den selben Teilnehmen in Kleingruppen erarbeitet werden. Der Lösungspool werde dann den beiden Bürgermeistern, dem Landratsamt sowie den Staatsforsten zur Bewertung vorgelegt und anschließend der Öffentlichkeit präsentiert. Dann gehe es an die Umsetzung, "und dann wird es erst richtig spannend", sagte Holz.

Die Walchenseeregion steht laut Oberleiter nicht alleine mit diesem Problem; "Overtourism" sei inzwischen ein Begriff in allen bekannten Touristenregionen. Als Beispiel nannte der Moderator Venedig: Die Stadt kämpfe seit 20 Jahren mit Touristenmassen, "die sind völlig überfordert." Gleiches soll am Walchensee nicht passieren, eine "Patentlösung" werde es aber nicht geben. Man müsse jedoch alles daran setzen, dieses attraktive Naherholungsgebiet zu erhalten, betonte Oberleiter. "Das ist ein Juwel, das ihr hier habt."

Das sehen die beiden Bürgermeister ähnlich. Man habe Verständnis, wenn Münchner am Wochenende ins Grüne wollten, sagte Holz. Dies wolle man auch niemand verbieten, ergänzte Riesch, "wir sind eine Tourismusregion". Aber man müsse die Besucherströme lenken, damit die Schönheit des Walchenseegebiets erhalten bleibe.