Zwei Jahre und drei Monate ist es her, dass die McDonald’s-Filiale aus dem S-Bahnhof in Wolfratshausen ausgezogen ist – und damit auch die öffentliche WC-Anlage nebenan geschlossen wurde. Seither hat Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) immer wieder versucht, die Deutsche Bahn zu einer Öffnung der Toiletten zu bewegen – bislang vergebens. Mittlerweile bekomme er von der DB nicht mal mehr eine Antwort auf seine Mails, sagte er entnervt in der Bürgerversammlung im Dezember vorigen Jahres. Ulrike Krischke, Fraktionschefin der BVW und Seniorenreferentin des Stadtrats, hat jetzt zusammen mit Ines Lobenstein von der Caritas einen neuen Vorstoß unternommen. Und ihr Protestbrief ging nicht bloß an den Vorstand der Deutschen Bahn.
Das Schreiben haben die beiden Frauen überdies an Adressaten in der Politik gesandt: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die bayerische Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf (CSU), und den Behindertenbeauftragten der bayerischen Regierung, Holger Kiesel. „Nicht, dass es uns nicht albern erschiene“, formulieren Krischke und Lobenstein, sich in einer solch vermeintlich kleinen Angelegenheit an die große Politik wenden zu müssen. Dann lassen sie ein unmissverständliches Aber folgen: „Der Zugang zu Toiletten ist keine Bagatelle. Es ist ein Menschenrecht.“


Beide verweisen darauf, dass es in Wolfratshausen täglich etwa 14 500 Pendelbewegungen gibt. Viele Pendlerinnen und Pendler nutzten den Nahverkehr, täglich erreichten circa 6200 Fahrgäste die Loisachstadt mit der S7. Hinzu kämen noch all jene, die mit Regionalbussen aus dem Landkreis zum Bahnhof fahren.
In den Waggons der S-Bahn, die von München-Hauptbahnhof bis Wolfratshausen eine Dreiviertelstunde braucht, gibt es jedoch keine sanitären Einrichtungen. „Die Reisenden haben also keine Möglichkeit, ihre Notdurft zu verrichten, und nur 18 Prozent der Haushalte befinden sich dann in einer Entfernung von höchstens einem Kilometer vom Bahnhof“, heißt es in dem Protestbrief. Dies bedeute, dass die meisten Fahrgäste, die in Wolfratshausen ankommen, je nach Reiseziel bis zu zwei Stunden unterwegs sein könnten, ehe sie eine Toilette finden.
Dies sei für Seniorinnen und Senioren, Familien mit Kindern und Menschen mit körperlichen Handicaps ein großes Problem. „Zum Teil ist die Not so groß, dass Bürgerinnen und Bürger – nach eigener Aussage – in angrenzende Gärten gehen mussten, weil sie es nicht mehr aushielten“, berichten Krischke und Lobenstein. Zwar gebe es bundesweit keine einheitliche gesetzliche Pflicht, den Zugang zu einem WC zu gewährleisten. Doch gehe es hier „um Menschenwürde und Gesundheit“. Ohnedies seien die Pendlerinnen und Pendler in Wolfratshausen genug geplagt: Die S-Bahn sei nur zu 71 Prozent pünktlich, die Planungen für die S7-Strecke nach Geretsried hätten „ein fortgeschrittenes mittleres Lebensalter“ erreicht.

Dem Stadtrat sind die Hände gebunden. Das Grundstück mit dem Bahnhof gehört der Deutschen Bahn, wegen der S7-Planungen mussten Veränderungssperren im Umfeld erlassen werden. Das Angebot von Heilinglechner an die DB, die Stadt könne die Toiletten pachten, wurde abgelehnt. Die Verhandlungen des Bürgermeisters mit potenziellen Pächtern für die Gastronomie blieben bisher ohne Ergebnis. „Nicht nachvollziehbar ist die Aussage der Bahn, man könne die Räume mangels Licht nicht besichtigen“, heißt es im Protestbrief. Dies sollte im Zeitalter von Satelliten und Tiefseekabeln in Ozeanen zu bewerkstelligen sein.
Krischke und Lobenstein schreiben nicht für sich alleine. Die Unterstützerliste ist lang. Sie umfasst neben Bürgermeister Heilinglechner auch seine Vorgänger Helmut Forster (Wolfratshauser Liste) und Rainer Berchtold (SPD), sämtliche Parteien und Gruppierungen im Stadtrat, sowie 13 Vereine und Verbände – von der Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal und der Nachbarschaftshilfe „Bürger für Bürger“ über die Caritas und die Loisachtaler Bauernbühne bis hin zur Unternehmervereinigung UWW. Sie alle fordern die Deutsche Bahn nachdrücklich auf, die Wiedereröffnung der WC-Anlage am Bahnhof „unverzüglich prüfen zu lassen und in die Wege zu leiten“.

