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Tölzer Tourismus:Die Saison fällt aus

Reha-Klinik Frisia

Die Reha-Klinik Frisia hat bereits Kurzarbeit angemeldet.

In Bad Tölz müssen sich Reha- und Kurbetriebe als Notfallkliniken bereithalten. Hotels stehen ohnedies weitgehend leer. Kurdirektorin Brita Hohenreiter nennt die Situation "sehr bitter"

Die Corona-Krise macht Reha-Kliniken, privaten Sanatorien und Hotels in Bad Tölz schwer zu schaffen. Ihre Häuser stehen derzeit so gut wie leer. Sie mussten Reservierungen absagen und dürfen nahezu keine Gäste mehr aufnehmen, jedenfalls keine Touristen. Außerdem hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege vor knapp einer Woche angeordnet, dass Reha-Betriebe und private Kliniken "umfangreiche Kapazitäten zur Versorgung von Covid-19-Patienten" zur Verfügung stellen müssen. Die Buchbergklinik zur Rehabilitation von Patienten der Neurologie, Orthopädie und Kardiologie im Kurviertel hat momentan noch 15 Patienten, die allerdings unter Quarantäne stehen, nachdem sich eine Ärztin mit dem Virus infiziert hatte. Alle anderen mussten abreisen. Die Reha-Klinik Frisia hält 150 Betten frei, ohne dass Geschäftsführer Andreas Munkert weiß, wie es weitergeht. Er hat seine etwa 50 Angestellten in Kurzarbeit geschickt.

"Reha-Kliniken müssen sich jetzt als Notfallkliniken bereithalten und dem Landratsamt täglich die Anzahl der zur Verfügung stehen Betten melden", sagt die Tölzer Kurdirektorin Brita Hohenreiter. Die Betreiber hätten den Gästen, die bis 15. Mai ein Zimmer gebucht haben, absagen müssen. Die dadurch entstehenden Umsatzeinbußen seien für die ansonsten gut belegten Häuser "natürlich sehr bitter". Völlig unklar ist bisher, ob die Kurkliniken für ihre Notfall-Leistung entschädigt werden.

Kurzarbeit bedeutet Gehaltskürzung

Geschäftsführer Munkert hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Reha-Klinik Frisia am Montag erst einmal in Kurzarbeit geschickt. Sie verdienen Hohenreiter zufolge derzeit zwischen 60 und 67 Prozent ihres letzten Gehalts. Auch für seine Gäste sei das bitter gewesen, sagt die Kurdirektorin: "Einige haben jahrelang auf die Genehmigung einer Kur gewartet, nun müssen sie diese abbrechen."

Nicht viel besser sieht es in den Hotels und Pensionen der ehemaligen Kurstadt aus. Sie dürfen in diesen Tagen zwar in Ausnahmefällen noch Gäste beherbergen, allerdings nicht "zu touristischen Zwecken". So ist es beispielsweise erlaubt, die Zimmer an Handwerker zu vermieten. Aber deren Zahl ist sehr überschaubar. Ansonsten ist die Ostersaison für die Gastgeber in Bad Tölz schon vorbei, ehe sie begonnen hat. Nicht auszuschließen, dass auch die Sommersaison mehr oder weniger ausfällt.

In der Tourist-Information hat Kurdirektorin Hohenreiter selbst alle Hände voll zu tun. Vor allem wegen der "Kommunikationsaufgaben", die ihr von Seiten des Gesetzgebers aufgetragen worden seien, wie sie mitteilt. "Mein Schreibtisch ist voll wie nie. Ich berate Betriebe derzeit telefonisch. Es gibt zum Beispiel Anfragen, welche Veranstaltungen wir derzeit absagen und welche noch stattfinden", sagt sie. Darauf könne sie leider nur antworten, dass bis 19. April alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Die "Vegane Auszeit" möchte Hohenreiter jedoch noch nicht verloren geben. Die Veranstaltung mit Vorträgen und Kursen zu veganen Ernährungskonzepten und einem gesunden Lebensstil sollen von 20. April bis 17. Mai in Bad Tölz stattfinden und Gäste anlocken. Ob dieser Wunsch noch in Erfüllung gehen kann, ist ungewiss. Die beiden Dependancen der Tourist-Information (TI) am Max-Hoefler-Platz und in der Marktstraße sind geschlossen, ebenso Anlaufstellen für Gäste wie beispielsweise das Vitalzentrum. Die Mitarbeiter der TI sind allerdings nach wie vor im Dienst.

Wegen der Corona-Krise gibt es in Bad Tölz einige Hilfsangebote. So steht die neue Citymanagerin Sandra Kern Unternehmen für Rückfragen und Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen zur Verfügung, Telefon 08041/78 67 29. Alle, die helfen möchten oder Hilfe suchen, können sich auf der Website www.unser-toelz.de melden. Auf dem Instagram-Account "Liebe Deine Stadt Bad Tölz" entsteht überdies eine Plattform für Gastronomen, Veranstalter und Künstler, die sich zu einem Solidaritätsbündnis zusammenschließen wollen

© SZ vom 25.03.2020
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