Michaela Hager könnte es leicht fallen, sich als Köchin in den Mittelpunkt zu rücken. Im Bayerischen Fernsehen steht die Mittfünfzigerin seit 16 Jahren regelmäßig für die Live-Sendungen von „Wir in Bayern“ am Herd und ist also einem größeren Publikum bekannt. Gleichzeitig pflegt sie in der Tölzer Schießstätte ein herzliches Verhältnis zu ihren Stammgästen. Das kann jeder erleben, der in das Restaurant am Buchberg bei Wackersberg kommt. Etwa an einem Frühlingswerktag, als sie sich persönlich von dem Inhaber eines Sportgeschäfts aus der Region verabschiedet, der Gäste aus den Vereinigten Staaten zum Mittagessen mitgebracht hatte.
Trotz ihres Ruhms beschreibt sie sich selbst konsequent immer nur als „Beikoch“ ihres Mannes Andreas Hager, mit dem sie den Betrieb seit 1992 führt. Mit seiner ruhigen Art sei er die „tragende Säule“ der Tölzer Schießstätte, sagt sie. Gemeinsam entschieden sie alles, was mit der Gastronomie zusammenhänge. Auf den Gästekontakt wurde Michaela Hager allerdings bereits von klein auf intensiv vorbereitet. Ihr Vater führte einen Zimmereibetrieb. „Kunden und Parteienverkehr haben in unserem Zuhause immer eine Rolle gespielt“, so die Köchin.
Schon mit vier Jahren wollte Michaela Hager Köchin werden
Dass für sie nur dieser Beruf infrage kommen sollte, schien früh vorgezeichnet. Bereits im Alter von vier Jahren kündigte Michaela Hager ihrer Großmutter an, einmal Köchin zu werden und dafür viel Butter und Sahne zu verwenden. Denn ihr schmeckten die mit ordentlich Butter zubereiteten Pfannkuchen der Oma einer Freundin so gut, wie sie erzählt. Als Hager ihre eigene Großmutter fragte, warum sie das nicht auch so mache, antwortete die nur, dass sie das nie tun würde. Schließlich werde man nur dick davon.
Abgeschreckt hat das Michaela Hager kaum. „Wichtig ist, hochwertige Fette zu verwenden“, beschreibt sie einen der Leitgedanken für die Rezepte in der Tölzer Schießstätte, die für ihre verfeinerten bayerischen Spezialitäten bekannt ist. Dafür klären Michaela und Andreas Hager die zum Backen und Braten verwendete Butter selbst. So werde der Geschmack viel intensiver.

Auf die Basis kommt es also an in der Küche von Michaela und Andreas Hager. So ist etwa das intensive Aroma der verwendeten frischen Nüsse für das hausgemachte Pistazieneis deutlich zu schmecken. Auch wenn die Hausherrin beschreibt, wie sie und ihr Mann schonmal zwei Tage brauchen, bis ein Saucenfonds perfekt ist – dauerndes Angießen inklusive – wird ihre Küchenphilosophie verständlich. Sorgfalt ist auch beim Wirsing gefragt, den sie mehrmals waschen, blanchieren und mit Eiswasser abschrecken.
Mit Rahm verfeinert das Paar das Gemüse, um es samt Biokartoffeln zum Tafelspitz vom Simmentaler Fleckvieh zu servieren. Der steht immer auf der Speisekarte, die aus Qualitätsgründen bewusst klein ausfällt. Auch gibt es stets ein Fischgericht – Ende März beispielsweise Wallerfilet im Wurzelsud auf feinen Gemüsestreifen mit grober Senfsoße und Petersilienkartoffeln – sowie etwas Vegetarisches. Alle zwei Wochen wechselt die Karte, auf der auch immer wieder Innereien stehen und von heimischen Jägern geliefertes Wild. Zum Ausdruck kommt auch regelmäßig die Liebe zur italienischen Küche, etwa in Form einer Parmigiana oder von Ravioli mit Kürbisfüllung.

Essen spielt im Leben des Paars, das zwei Kinder hat, eine Hauptrolle. Schließlich haben sich Michaela und Andreas Hager in der Küche eines Betriebs in Dießen am Ammersee kennengelernt. Damals war die Köchin 21 Jahre alt und wollte nur kurz jobben, bis es für eine Wintersaison ins Berner Oberland Richtung Schweiz ging. Ihr Kochkollege hatte es ihr aber angetan. Als Michaela Hager zurückkehrte, heirateten sie.
Beide sind regional verwurzelt. Während Andreas Hager aus Rott am Lech bei Landsberg in Oberbayern stammt, ist Michaela Hager in Ellbach bei Bad Tölz aufgewachsen, direkt im Isarwinkel. Zur Köchin ausbilden ließ sie sich dann in einer Privatklinik am Tegernsee. „Dort hatten wir die Zeit, um viel lernen“, sagt sie. Kurze Zeit war sie anschließend für einen Partyservice tätig, ehe sie ihren Mann in der Küche kennenlernte. „Für mich war Urlaub eigentlich völlig unnötig“, beschreibt sie ihre Arbeitseinstellung.
Ein gewisses Maß an disziplinierter Konzentriertheit dürfte Michaela Hager zugutekommen, wenn sie einmal im Monat im BR-Magazin „Wir in Bayern“ auftritt. Denn in der Sendung muss sie live kochen. Fehler kann keine Aufzeichnung korrigieren. Trotzdem spricht sie davon, wie viel Spaß ihr das mache. „Im Team sind so viele nette Kollegen.“ Und mit den eingeladenen Gästen wie Ärzten oder Gärtnern zu arbeiten, sei immer interessant.

Die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums ist Hager aber nicht zu Kopf gestiegen. Denn die Köchin wirkt stets ziemlich bodenständig. Genau das ist auch die Tölzer Schießstätte, die weiterhin als Vereinsgaststätte der Tölzer Feuerschützengesellschaft fungiert. Schickimicki-Getue und unnötiges Beiwerk sind in der Kiefersau am Buchberg also wenig zu finden.
Zu spüren ist dort allerdings Andreas und Michaela Hagers Liebe für Details. Die zeigt sich etwa auch an den mit roten Ranunkeln geschmückten, perfekt eingedeckten Tischen. Hohe Qualitätsansprüche gibt es also auch beim Ambiente, in dem sich die Stammgäste offenbar wohlfühlen.

