Tölzer PrügelNur ein Fake-Frieden

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Die Auseinandersetzung mit Corona hat stellenweise groteske Formen angenommen. Falsche Behauptungen über eine Tote aber sind schlicht verletzend und pietätlos

Kolumne Von Felicitas Amler

Gesprächsbereit sein, bloß niemanden diffamieren, den Dialog suchen, hundertmal betonen, es laufe doch alles friedlich ab. Impfgegner bitte nicht so nennen - es könnten ja lediglich Impfskeptiker sein. Oder einfach nur Menschen, die Fragen stellen ("Das wird man ja noch dürfen!"). Und auch wenn Rechtsextreme zuverlässig zu allen Demos von Wolfratshausen über Eurasburg bis Lenggries aufrufen: Nein! Die da mitlaufen, sind keinesfalls rechts. Da geht selbst die Polizei auf Zehenspitzen. Man solle nicht auf Kontakte zwischen Neonazis und harmlosen Spaziergängern schließen - die Rechtsextremen kopierten diese Demo-Ankündigungen schlicht aus dem Messengerdienst Telegram, hört man aus einer Inspektion. Die Auseinandersetzung mit den Corona-Protesten hat stellenweise groteske Formen angenommen. Und nun dies: Jemand benutzt den unerwarteten Tod einer relativ jungen Frau und Mutter zu Fake News über die Corona-Impfung.

Natürlich ist es nicht sicher, dass dieser Jemand Impfgegner ist. Jedenfalls ist es bislang nicht belegt. Aber mit aller gebotenen Vorsicht ließe es sich womöglich aus dem Zusammenhang so ablesen. "Am Freitag geboostert worden und am Samstag verstorben", mit dieser schlicht falschen Kausalität hat ein Unbekannter oder eine Unbekannte das Foto der genannten Toten versehen. Warum wohl? Vielleicht weil der Eindruck erweckt werden sollte, Corona-Impfungen könnten tödlich sein? Nun lässt sich, wie wir Medizin- und Wissenschaftsgläubigen nicht müde werden zu erklären, nachweisen, dass Impfen vor Corona-Infektionen mit dramatischen Verläufen schützen kann. ABER, so rufen die Namenlosen von der anderen Seite empört, die Presse verschweige die Impftoten. So geäußert etwa beim Montagsmarsch in Wolfratshausen von einem, der freilich gleich ganz friedlich nachschob: "Ich behaupte nie, dass es so ist, aber es fühlt sich für mich komisch an."

Wie es sich wohl für eine Familie anfühlt, das Bild einer verstorbenen Angehörigen, versehen mit einer gefakten Todesursache, im Internet zu entdecken? Komisch sicher nicht. Solche Auswüchse einer im Innersten längst nicht mehr friedlichen Auseinandersetzung über die Seuche unserer Zeit sind zutiefst verletzend und absolut pietätlos. Unter dem Foto stand noch ein scheinheiliges R.I.P. - requiescat in pace. Hier aber herrscht ein Fake-Frieden.

© SZ vom 07.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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