bedeckt München

Tölzer Prügel:Fraas macht Schule

Immer wieder macht sich der Wolfratshauser CSU-Stadtrat seine eigenen Pläne

Glosse von Konstantin Kaip

Alfred Fraas hat es wieder einmal gemacht: Als sich im Januar die Kosten für die Sanierung und Erweiterung der Wolfratshauser Hammerschmiedschule in der Schätzung auf 60 Millionen Euro verdoppelten und der Stadtrat in Ratlosigkeit erstarrte, hat der christsoziale Kulturreferent, Software- und Holzbau-Ingenieur sowie Pyrotechniker kurzerhand selbst eine Schule geplant, die samt Lehrschwimmbecken, Dreifachturnhalle, Garage und Glaspyramidenaulamensa nicht einmal 30 Millionen kosten soll.

Fraas kann einfach nicht anders. Wie einst Angus MacGyver aus der gleichnamigen Fernsehserie, der sich mit einem Feuerzeug, Kühlspray und etwas Panzertape aus jeder noch so misslichen Lage befreien konnte, muss der bärtige Stadtrat ein Problem lösen, sobald er es sieht. Die Schule ist längst nicht sein erstes Projekt, das er kostenfrei und ungefragt liefert. Anders als sein 150-Millionen-Euro-Tunnel unter Farchet und seine Parkhaus-Brücke über der Loisach soll es jedoch nun geprüft werden. Das zumindest fordern die CSU und die Wolfratshauser Liste. Dass der Stadtrat mit dem größten Bauprojekt in Wolfratshausen eigentlich das renommierte Architektenkollektiv karlundp beauftragt hat, das mit zahlreichen Schulbauten zwischen Frankfurt, München und Bozen renommieren kann und die Schule in enger Absprache mit den Nutzern geplant hat, tut nichts zur Sache. Genauso wenig wie die 700 000 Euro, die man bereits für die seit Jahren laufenden Planungen ausgegeben hat. "Do it yourself" liegt voll im Trend. Warum sollte es nicht auch bei kommunalen Großprojekten Schule machen?

Eine Machbarkeitsstudie der Fraas-Schule wäre wohl das Mindeste an Anerkennung für seine Fleißarbeit. Andere Städte würden sich schließlich die Finger lecken nach einem Stadtrat wie ihm. Wäre Fraas in Hamburg, hätte die Hansestadt jetzt womöglich eine Elbphilharmonie, die samt Eislaufbahn im Untergeschoss statt der bezahlten 866 Millionen weniger als die ursprünglich anvisierten 77 Millionen Euro gekostet hätte. Und noch dazu gratis entworfen! Und hätte Fraas seine beherzte Eigeninitiative in der Hauptstadt eingebracht, wäre der neue Berliner Flughafen sicher längst in Betrieb.

© SZ vom 26.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite