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Tölzer Prügel:Dürftiges Radlzeugnis

Eine 3,8 für Wolfratshausen und Geretsried, gar nur eine 4,2 für Bad Tölz - das sind die äußersten durchwachsenen Noten einer ADFC-Umfrage zum Radverkehr in den drei Städten des Landkreises. Für ein besseres Abschneiden braucht es gar nicht mal die großen Lösungen...

Von Florian Zick

Na gut, könnte man sagen: Eine Vier im Zeugnis, da hat man sich bei seinen Angstfächern früher in der Schule immer gefreut - immerhin keine Fünf. Aber hier geht es ja nicht etwa um Koordinatengeometrie oder um Logarithmusfunktionen. Es geht um die Verkehrswende, um die wichtigste Kurvendiskussion und Geradengleichung unseres Lebens also, wenn wir bei den mathematischen Begriffen bleiben wollen. Denn wie der Straßenraum in Zukunft aufgeteilt wird, ist bei der Frage ganz entscheidend, ob es uns gelingt, die Klimaerwärmung zu stoppen.

Jeweils eine 3,8 für Geretsried und Wolfratshausen und sogar nur eine 4,2 für Bad Tölz - das ist das äußerst durchwachsene Ergebnis einer ADFC-Umfrage zum Radverkehr in den Städten im Landkreis. Okay, Tölz mit seinem ständigen bergauf, bergab - da ist das Radfahren einfach nicht so bequem. Und das dicht bebaute Wolfratshausen - da lassen sich die Radlwege auch nicht überall reinquetschen. Aber alleine schon an der Pfaffenrieder Straße durchs Gewerbegebiet, da muss man als Radler ständig Angst haben, von Autos abgeräumt zu werden, die nach links und rechts auf die Parkplätze abbiegen. Raum für einen richtigen Fahrradweg wäre dort genug, vielleicht muss man dem Fußweg etwas abzwacken. Aber Spazierengehen im öden Gewerbegebiet, das macht ohnehin keiner.

Von der Ecke Blumenstraße und B 11 muss man gar nicht reden. Würde man diese Stelle alleine zugrunde legen, Geretsried wäre schwer versetzungsgefährdet. Es sind aber gar nicht mal die großen Lösungen, die es für eine bessere Note im Radl-Zeugnis braucht. Mehr Abstellflächen, eine Radlerstraße, in der man nebeneinanderfahren darf, oder vielleicht auch mal ein Straßenzug, in dem die grüne Welle aufs Radltempo ausgerichtet ist - das würde auch schon viele dazu bewegen, das Auto mal stehen zu lassen.

© SZ vom 12.04.2021
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