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Tölzer Prügel:Bürgermeister und Denkmal-Rambo

Mit dem Abriss des Verstärkeramts schafft der Kochler Bürgermeister Thomas Holz vollendete Tatsachen. Das mag rechtlich zulässig sein. Aber transparentes Handeln geht anders

Glosse von Florian Zick

Es ist schon eine besonders ausgefuchste Form der Hinterzimmerpolitik - was da passiert ist, hat sich schließlich bei hellem Tag und in aller Öffentlichkeit abgespielt. Doch selbst Mitglieder des örtlichen Gemeinderats rieben sich am Samstag verwundert die Augen. Im eigentlich denkmalgeschützten Verstärkeramt in Kochel am See klafften plötzlich drei riesige Löcher. Während viele noch darauf warteten, dass der mittlerweile beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof gelandete Rechtsstreit um das Baudenkmal geklärt wird, hat die von der Gemeinde beauftragte Baufirma nun dort schon einmal Fakten geschaffen.

Bürgermeister Thomas Holz (CSU) ist selbst Jurist, im Kochler Rathaus dürfte es zudem nicht an juristischem Beistand mangeln. Man kann sich also sicher sein, dass die Gemeinde weiß, was sie tut, wenn sie sich darauf bezieht, dass sich die Klage vor dem Verfassungsgerichtshof der Form nach nicht gegen den Abriss selbst richtet, sondern nur gegen den Bebauungsplan. Abseits juristischer Winkelzüge versteht man aber natürlich, dass es Architekt Heiko Folkerts nicht darum geht, den geplanten Bauhof zu verhindern - er will das Verstärkeramt retten. Und wenn man auf dem Gelände nichts bauen darf, muss man zuvor auch nichts platt machen, so sein Gedankengang.

Tja Folkerts, Pech gehabt, sagt Bürgermeister Holz dazu - oder um ihn wörtlich zu zitieren: "Da hat er das falsche Rechtsmittel erwischt." Nun kommt das Verstärkeramt jedenfalls weg - und rechtlich ist dagegen offenbar nichts einzuwenden. Dass er nun aber dasteht wie der Denkmal-Rambo, das hat sich Holz selbst zuzuschreiben. Denn ein so umstrittenes Projekt wie den Abriss des einstigen Behördensitzes, das kann man nicht einfach übers Knie brechen. Zwar behauptet Holz, er habe selbst nicht gewusst, wann der Abriss genau startet - schon am Wochenende oder vielleicht erst am Montag. Aber so spontan kann eine Baufirma gar keine Zeit haben, dass es nicht noch dafür reichen würde, die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Einer wie Holz, dem durchaus auch höhere politische Ambitionen nachgesagt werden, muss das einfach wissen.

Dass selbst CSU-Gemeinderäte Holz am Samstag angerufen haben sollen, begeistert vom Abrissbeginn, aber genauso überrascht - das spricht Bände. Auch sie waren nicht eingeweiht in das nähere Vorgehen. Transparentes Handeln geht sicher anders.

© SZ vom 09.11.2020

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