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Wegen Wetterextreme in den Bergen:Millionen für die Hütte

Tölzer Hütte Schafreuter Vorkarwendel Sanierung Alpenverein Bad Tölz

Die Wetterextreme am Schafreuter setzen der fast 100 Jahre alten Tölzer Hütte zu: Das Gebäude muss umfassend saniert werden. Der talseitige Holzanbau ist marode. Er wird durch einen Neubau ersetzt. Die Zahl der Schlaf- und Sitzplätze bleibt aber gleich. Duschen gibt es auch künftig nicht.

(Foto: Alpenverein Bad Tölz/oh)

Die Tölzer Alpenvereinssektion muss ihr Schutzhaus am Schafreuter aufwendig sanieren. Zum Transport der Baumaterialien braucht es einen Hubschrauber. In diesem Sommer bleibt die Hütte geschlossen

Die Wetterkapriolen setzen der fast 100 Jahre alten Tölzer Hütte auf 1835 Metern Seehöhe im Vorkarwendel stark zu. Ein Holzanbau des Hauses an der Südseite des Schafreuter verfault. Es zieht durch Ritzen, Schnee weht in das Gebäude. Die Fundamente sind nach einem alten Hangrutsch zunehmend instabil. Daher muss die Tölzer Alpenvereinssektion ihre Hütte in diesem Sommer schließen und sanieren lassen. Das wird aufwendig und teuer: 1,5 Millionen Euro sollen die Sanierungsarbeiten kosten.

Karl Neumann-Henneberg Finanzierungsausschuss Sanierung Tölzer Hütte Alpenverein Bad Tölz

Karl Neumann-Henneberg leitet den Finanzierungsausschuss zur Sanierung der Tölzer Hütte.

(Foto: Benjamin Engel)

Das liegt daran, dass ein Helikopter zum Einsatz kommen wird. Denn die zur Hütte führende Materialseilbahn ist nur für Lasten bis maximal 350 Kilogramm ausgelegt. Schwerere Baumaterialien müssen eingeflogen werden - inklusive eines Baggers. Zudem treiben die Stahlpfähle, die zur Statiksicherung in den Boden gerammt werden müssen, die Kosten nach oben. "Das ist durchaus anspruchsvoll", sagt Karl Neumann-Henneberg.

Der Referent für Bergsport der Tölzer Sektion leitet den installierten Finanzierungsausschuss. Das Gremium soll Lösungen erarbeiten, damit der Verein finanziell nicht zu stark belastet wird. Nach Auskunft von Neumann-Henneberg bei einem Pressegespräch am Dienstag ist aber grundsätzlich gesichert, dass die Sektion die Sanierungskosten stemmen kann. Der Hauptverband des Alpenvereins gewährt ein Darlehen sowie eine Beihilfe von 20 Prozent, die nicht zurückgezahlt werden muss. Die Tölzer Sektion hat Rücklagen gebildet und ruft zu Spenden auf.

Max Nichtl Hüttenwart Tölzer Hütte Alpenverein Bad Tölz

Hüttenwart Max Nichtl.

(Foto: Benjamin Engel)

Trotz der Umbaumaßnahmen bleibt die Zahl der Schlafplätze (72 in Mehrbettzimmern und Lagern) sowie der Sitzplätze für Gäste gleich. Wer übernachtet, muss weiterhin auf Duschen verzichten. "Komfort ist uns ein Anliegen. Luxus ist aber weit weg, und das wollen wir auch nicht", schildert der Hüttenwart der Sektion, Max Nichtl.

Die Sanierungsarbeiten sollen Mitte Mai beginnen. Der südseitige Anbau mit der Gaststube aus den 1930er Jahren wird ersetzt. Die Küche entspricht teils nicht mehr den behördlichen Auflagen und wird saniert, der Anbau im Norden um einen Meter erweitert. Zudem soll ein Trockenraum für die nasse Kleidung der Bergwanderer in einer früheren Gaststube entstehen. Eine österreichische Spezialfirma übernimmt die Betonarbeiten. Aus dem Nachbarland stammt ebenso das beauftragte Helikopterunternehmen. Bei allen übrigen Arbeiten will die Sektion auf einheimische Handwerker setzen.

Während der Umbauphase übernachten die Arbeiter auf der Hütte. Das Hotel zur Post aus Hinterriss liefert das Essen, das mit der Materialseilbahn nach oben kommt. Für die Bewirtung suche die Sektion noch einen "Kümmerer", sagt Nichtl. Denn der bisherige Hüttenwirt hat zum Vorsaisonende gekündigt. Die Suche nach einem neuen Pächter läuft.

Der südseitige Anbau der Hütte ist laut Nichtl nicht mehr zu retten. "Die Holzständerkonstruktion ist von innen kaputt", sagt er. Zudem stehe der Anbau auf alten Bruchsteinwänden. Um das Fundament für den Neubau im Untergrund zu stabilisieren, würden hohle Stahlpfähle acht Meter tief bis in den Fels getrieben. Darin werde Beton eingespritzt. In die Hütte kommen die Gäste über eine neue Eingangstür durch einen Windfang. Damit müssten sie nicht mehr im Zug sitzen, schildert Nichtl.

Mehr Platz gibt es, weil die Theke weiter nach Norden gerückt wird. Die Küche wird erneuert. Manche Holzmöbel entsprechen laut Nichtl nicht mehr den aktuellen Hygienevorschriften. Die undichten Fenster an der Wetterseite der Hütte im Süden und Westen werden ebenso ausgetauscht wie an der Ostfassade. Zudem bekommt der westliche Anbau eine neue Isolierung.

Tölzer Hütte Bauarbeiten Karwendel Schafreuter 1923 Alpenverein Bad Tölz

Der Bau der Tölzer Hütte war beschwerlich: Zu Fuß und mit Hilfe von Maultieren musste das Baumaterial nach oben transportiert werden

(Foto: Alpenverein Bad Tölz/oh)

Für die Hüttensanierung hat die Sektion Bodengutachten beauftragt. Mit den österreichischen Behörden wurden die Helikopterflüge im Naturschutzgebiet Karwendel abgestimmt. Zum Bau der Hütte zwischen 1922 und 1924 brauchte es das noch nicht. Damals schleppten die Tölzer Sektionsmitglieder Baumaterialien zu Fuß. Zur Unterstützung gab es Maultiere.

Erst 2021 soll die Tölzer Hütte wieder öffnen. "Jetzt brauchen wir gutes Wetter", sagt Sektionsmitglied Wolfgang Buchner. Denn nur dann könnten die Arbeiten plangemäß vorangehen.

Spendenkonto "Sanierung der Tölzer Hütte", Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, IBAN: DE25700543060011111580 sowie Raiffeisenbank: DE70701695980001119354

© SZ vom 06.02.2020