Süddeutsche Zeitung

Tölzer Anlaufstelle für psychisch Erkrankte:Die Versorgung geht weiter

Seit Beginn des Jahres gibt es in der "Schnecke" ein medizinisches Zentrum zur ambulanten Betreuung psychisch Erkrankter. Eine erste Bilanz.

Als sich Arnold Torhorst nach einem Abnehmer für seine psychiatrische Praxis umsah, stellte sich das als schwieriger heraus als gedacht. 32 Jahre lang führte er seine Tölzer Praxis. "Als die Kliniken des Bezirks Oberbayern Interesse zeigten, habe ich mich nach der langen Suche nach einem Abnehmer sehr gefreut", sagt der mittlerweile 72-jährige gebürtige Kölner.

Zum 1. Januar dieses Jahres eröffneten die Kliniken des Bezirks Oberbayern (KBO) in der Tölzer "Schnecke" das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als Tochterunternehmen. Sowohl Patienten als auch Mitarbeiter wurden übernommen, worüber Michael Landgreb, Leiter der Versorgungsklinik, sehr froh ist. Er betont die Wichtigkeit dieser Einrichtung: "Die ambulante Versorgung im psychiatrischen Bereich ist durchweg dürftig. Nicht nur in unserem Landkreis. Es gibt viel zu wenige Tageskliniken wie diese eine ist."

Die Idee hinter dem Versorgungszentrum sei es, stationäre Einrichtungen zu entlasten und Betroffenen eine ambulante Anlaufstelle zu geben, in der sie langfristig betreut werden können, erklärt Gerald Niedermeier. Der 64-Jährige ist Geschäftsführer des Bezirksunternehmens KBO. Der Bedarf sei enorm hoch und nach wie vor könnten sie ihn nicht komplett decken. Irmela Hauber, Psychiaterin und Psychotherapeutin, beschreibt die Situation so: "Es sind nicht unbedingt mehr Fälle geworden, aber die Akzeptanz gegenüber psychischen Krankheiten ist im Vergleich zu früher gestiegen. Das ist natürlich erst einmal eine erfreuliche Veränderung." Jedoch führe das auch zu steigenden Patientenzahlen. Hauber kennt Arnold Torhorst schon lange und arbeitete schon vor der Übernahme seiner Praxis durch die KBO mit ihm zusammen. Nun ist sie für die ärztliche Leitung im MVZ zuständig.

Seit neun Monaten beherbergt die "Schnecke" nun also das Versorgungszentrum. Nach wie vor stelle die schwierige Personallage ein Problem dar, bilanziert Leiter Landgreb. "Fachärzte der Psychiatrie und Psychiater werden händeringend gesucht". Zwar konnten sie nun eine neue Kollegin für sich gewinnen, dennoch wird es auch in Zukunft eine Herausforderung bleiben, ausreichend fachliche Ärzte zu finden, sagt er.

Abgesehen davon, zieht Torhorst jedoch eine positive Bilanz. "Es freut mich, dass sich Ärzte und Angestellte so schnell auf die neue Situation umgestellt haben. Und natürlich war es mir das Wichtigste, dass die Versorgung der Patienten nach wie vor gewährleistet ist. Und das ist uns gelungen."

Schon seit langem ist ein weiteres Zentrum für psychiatrische Versorgung in Wolfratshausen geplant, sagt Gerald Niedermaier und gibt damit einen Ausblick in die Zukunft. Er hofft damit dem Bedarf, der auch im nördlichen Landkreis besteht, nachkommen zu können.

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Quelle:
SZ vom 18.09.2019
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