Stadtpolitik:Mini-Häuser zur Gartenschau

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Stadtpolitik: Ein kleines Häuschen im Grünen. Wie auf dem Foto, das eine Tiny-House-Siedlung in Pasing zeigt, könnte es auf einem städtischen Grundstück in Penzberg aussehen.

Ein kleines Häuschen im Grünen. Wie auf dem Foto, das eine Tiny-House-Siedlung in Pasing zeigt, könnte es auf einem städtischen Grundstück in Penzberg aussehen.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Der Penzberger Bauausschuss ebnet den Weg für eine Tiny-House-Siedlung auf einem städtischen Grundstück neben dem Bahngleis.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Bislang ist es nur ein schmaler, grüner Streifen neben dem Bahngleis. Doch auf ihm könnte die erste Tiny-House-Siedlung in Penzberg entstehen. Zumindest soll dies in der Vorbereitung für die Landesgartenschau 2028 geprüft werden. Dafür hat der Bauausschuss mehrheitlich den Weg frei gemacht. Für die neue Interessengemeinschaft "Minimal Wohnen Penzberg", die sich in diesem Jahr gegründet hat, ist der Beschluss ein erster Erfolg. Das naturbelassene Grün, das der Stadt Penzberg gehört, ist Teil des Landesgartenschau-Konzepts, auf alle Fälle soll dort der sogenannte Bahnbogen durchführen. Das ist ein Geh- und Radweg, der vom Bahnhof in weitem Bogen an der Siedlung Westend vorbeiführt bis zum Breunetsrieder Weg.

Das bewaldete Grundstück erstreckt sich zwischen der bestehenden Bebauung an der Alpenstraße und der Bahntrasse Kochel-Tutzing. Um eine "richtungsweisende Entscheidung", was darauf passieren soll, bat das Stadtbauamt den Penzberger Bauausschuss. Dem Gremium lag der Bebauungsplan "Halbmond" vor, der um die Grundstücke westlich der Alpenstraße erweitert werden soll, um den Anwohnern dort das Bauen in zweiter Reihe zu ermöglichen. Ebenfalls Teil des Bebauungsplans ist nun das städtische Grundstück. Drei Optionen hatte die Verwaltung vorbereitet: Bauamt und Umweltabteilung favorisierten, das Grundstück von jeglicher Bebauung - bis auf den geplanten Geh- und Radweg - frei zu halten, um somit einen Biotopverbund bis hin zum Müllerholz zu schaffen; eine weitere Variante wäre die Bebauung mit normalen Häusern, die Stadtkämmerer Johann Blank das Liebste wäre. Die Mehrheit jedoch erwärmte sich dafür, dort Tiny Houses zuzulassen - aber in Verbindung mit den beiden Wettbewerben für die Landesgartenschau und das Bahnhofsareal.

John-Christian Eilert (Grüne), der der neuen Initiative angehört, warb für eine Tiny-House-Siedlung. Schon im Sommer 2021 hatte seine Fraktion vorgeschlagen, auf dem städtischen Grundstück Mini-Häuser zu erlauben. Vor der Sitzung hatte die Interessensgemeinschaft dem Stadtrat schriftlich mitgeteilt, dass man dort Tiny-Häuser errichten und gleichzeitig das Areal als Biotop erhalten könnte. Kleinstwohnformen, so heißt es in dem Schreiben, könnten "minimal invasiv unter der Erhaltung des Baumbestandes" gebaut werden. Die Gemeinschaft plädiert für Modulhäuser, die "höchste Nachhaltigkeitsstandards" erfüllten. Auch sei die Verdichtung des Bodens gering. Die Skizze mit 24 Tiny-Häusern, die im Rathaus vorlag, müsse nicht exakt so realisiert werden, sagte Eilert. Ihm sei wichtig, dass der Altbestand an Bäumen erhalten bleibe. Auch eine autofreie Siedlung könne er sich vorstellen. Eine Straße zur Erschließung sei nicht nötig. Die künftigen Bewohner müssten damit leben, etwa ihre Mülltonnen zur Leerung in Richtung Philippstraße zu tragen. Was die Landesgartenschau betreffe, so könnten die Mini-Häuser eine Bereicherung sein.

Stadtpolitik: Ganz ohne Versiegelung lasse sich eine Tiny-House-Siedlung nicht realisieren, sagt Stadtbaumeister Justus Klement.

Ganz ohne Versiegelung lasse sich eine Tiny-House-Siedlung nicht realisieren, sagt Stadtbaumeister Justus Klement.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ganz so rosig mochte dies Stadtbaumeister Justus Klement nicht sehen. Wie so oft in Penzberg seien die Bodenverhältnisse schwierig. Eine bis zu 2,70 Meter dicke Torfschicht mache eine Gründung mit Pfählen nötig, sagte Klement und ergänzte: "Auch Tiny Houses bedeuten eine Versiegelung."

Die SPD-Fraktion könne sowohl mit der Tiny-House-Option leben, sagte Hardi Lenk, als auch mit der, den Streifen freizuhalten. Allerdings stünde es der Stadt gut zu Gesicht, wenn man den "Tiny-Weg" gehe, räumte der Stadtrat ein. Wobei er eine Entscheidung für verfrüht hielt und lieber die beiden Wettbewerbe zur Landesgartenschau und zum Bahnhofsareal, das neu gestaltet werden soll, abgewartet hätte, wie er sagte. Martin Janner (Penzberg Miteinander) sprach sich für die Tiny-House-Option aus. Wenn die Erschließung gemeistert werde, stünde seine Fraktion einem "eigengestalteten Wohnen im Grünen" positiv gegenüber. Auch Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) sprach sich für die Mini-Häuser aus. Zumal offen ist, ob sie tatsächlich realisiert werden. Der Bauausschuss stimmte lediglich für eine Prüfung.

Nur Armin Jabs (Bürger für Penzberg) votierte in der Sitzung gegen die Tiny-House-Option. Vor allem möchte er zuerst die Ergebnisse der anstehenden Wettbewerbe abwarten, ehe entschieden wird, was auf dem Grundstück passiert. Seine Fraktion, so Jabs, würde gerne das Grün komplett erhalten sehen. Das wäre Klimaschutzmanager Carl-Christian Wippermann ebenfalls das Liebste. Denn jedwede Nutzung bedeute eine Störung für Fauna und Flora, sagte er - und führte als Beispiel die Lichter in den Häusern an, wenn es draußen dunkel ist.

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