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Tierschutz in Wolfratshausen:Ein Paradies für verletzte Eichhörnchen

Immer wenn ein Eichhörnchen aufgefunden wird, bekommen die Hartmanns eine Nachricht in der WhatsApp-Gruppe - und nehmen das Tier auf.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Familie Hartmann betreibt seit gut drei Jahren eine Auswilderungsstation für die kleinen Baumbewohner in ihrem Garten in Waldram

Von Miriam Kinzl

Die winzige gelbe Hängematte in ungefähr drei Metern Höhe ist leicht ausgebeult. Dort oben herrscht Ruhe - ganz im Gegensatz zum regen Treiben im restlichen Gehege. Ein bereits ausgewildertes Eichhörnchen hat seinen Weg zurück in den rund um die Uhr geöffneten Bereich der Voliere gefunden. Ob es dem kleinen Rückkehrer gut geht, will Peter Hartmann überprüfen. Als er die Tür des Geheges öffnet, flitzt das Eichhörnchen über einen dicken Ast behände zurück in die Natur. Fehlalarm also. Der kleine Waldbewohner ist fit und - nach der Mittagspause im alten Zuhause - bereit für den großen Wald. Ein wahres Miniatur-Hochseilparadies findet sich am Ende der Föhrenwaldstraße in Waldram, mitten auf dem Grundstück der Familie Hartmann. Seit gut drei Jahren tobt darin die flinke Eichhörnchenbande.

Auf Brücken aus alten Feuerwehrschläuchen rasen dieser Tage sieben braune und schwarze Hörnchen von Ast zu Ast. Bis zu zehn der kleinen Baumbewohner können die Hartmanns gleichzeitig aufnehmen. "Immer wenn ein Eichhörnchen aufgefunden wird, kriegen wir eine Nachricht in der WhatsApp-Gruppe", erklärt der 13-jährige Noah Hartmann. "Wenn das Hörnchen in der Nähe ist und wir Platz haben, fahren wir da hin und holen es ab." Gemeinsam mit seinen Eltern kümmert er sich um die verletzten oder verstoßenen Eichhörnchen, bis sie mit gut drei Monaten bereit für die Auswilderung sind. "Natürlich ist es manchmal traurig, die dann freizulassen. Besonders bei den Zutraulichen. Aber das sind Wildtiere, die wollen auch raus", weiß der 13-Jährige. Eine Tierärztin hatte auf dem Hintergrund eines Fotos den Garten der Hartmanns gesehen, der direkt am Wald liegt - perfekt geeignet als Eichhörnchen-Auswilderungsstation, worauf sie die Hartmanns damals hinwies. "Nachdem unsere Katze dann gestorben war, haben wir uns gedacht, wir machen etwas Sinnvolles mit den vier Baumstämmen", meint Corinna Hartmann.

Peter, Noah und Corinna Hartmann besitzen das ideale Gelände für die Auffangstation.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Je höher, desto besser"

Normalerweise stelle der Eichhörnchenschutzverein Metallgehege für die Auswilderungsstationen zur Verfügung, aber die seien längst nicht so hoch. Aber "hoch, hoch, hoch, je höher desto besser", sagt Corinna Hartmann, das gefalle den Eichhörnchen. "Morgens ist ruckzuck eine Stunde weg", erzählt Peter Hartmann lachend. Zu der täglichen Fütterung komme die regelmäßige Säuberung des Geheges zwischen den vier dicken Baumstämmen. 30 Kilogramm Nüsse und zehn Kilogramm Futter verspeisen die Hörnchen der Hartmanns im Monat. Mehrere 100 Euro koste das jedes Mal. "Eigentlich stellt der Eichhörnchenschutzverein das Futter zur Verfügung, aber wir kaufen es selber und sehen das als unsere Spende an den Verein", sagt Corinna Hartmann. Dennoch: "Nuss-Spenden sind immer willkommen", erklärt ihr Mann. Häufig kämen Spaziergänger an dem Gehege vorbei und zeigten Interesse an den flinken Nagern, aber "Eichhörnchen sind Wildtiere und dürfen nicht zur Schau gestellt werden", betont Corinna Hartmann.

Es gebe keine "bösen" Eichhörnchen, die einheimische Arten vertrieben, sagt sie und klärt einen Mythos auf: Eichhörnchen aller Fellfarben mit weißem Bauch seien eindeutig europäische Tiere. Auch wenn ihre Pflege durchaus zeitaufwendig und kostspielig sei: "Bei uns kriegen die Eichhörnchen eine zweite Chance. Wir haben Spaß dabei." Darin ist sich Familie Hartmann einig.

Wer den Eichhörnchenschutzverein oder die Waldramer Voliere unterstützen will, kann spenden und sich unter www.eichhoernchen-schutz.de, per E-Mail an info@eichhoernchen-schutz.de oder telefonisch unter 0176 - 55 37 68 64 informieren, was zu tun ist, wenn man ein hilfsbedürftiges Eichhörnchen findet

© SZ vom 09.09.2020

Ganz hoch rauf und klettern - das lieben die Tiere.

(Foto: Hartmut Pöstges)

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