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Tiere im Winter:Das Wild braucht Rücksicht

Wildfütterung Rotwild Reiseralm

Das Rotwild im Landkreis leidet derzeit unter der Schneelage. Das Landratsamt fordert daher, die Jagd einzustellen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Wegen der Schneelage verordnet das Landratsamt die Einstellung der Jagd. Wintersportler und Spaziergänger sollen Fütterungen großräumig meiden, Hundebesitzer ihre Tiere an die Leine nehmen.

Die extremen Schneefälle der vergangenen Wochen machen den Wildtieren im Landkreis zu schaffen. Deshalb ruft das Landratsamt alle Jäger dazu auf, die Jagd einzustellen und ihrer Fütterungspflicht nachzukommen. Auch Wanderer, Schneeschuhgeher, Langläufer und Tourenskifahrer werden dringend aufgefordert, nur die vorhandenen Wege, Loipen und Pisten zu benutzen und Bereiche um Wildfütterungen großräumig zu meiden. Hundebesitzer müssen bei Waldspaziergängen ihre Tiere an die Leine nehmen. "Hunde können sich auf dem verfestigten Schnee leicht fortbewegen", erklärt Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid. "Das schwerere Wild bricht aber ein und ist für die Hunde leichter zu greifen."

Der hohe und vereiste Schnee im Wald erschwert derzeit das Überleben von Reh- und Rotwild. Im Winter fahren die Tiere ihre Körperfunktionen zurück, um die harte Zeit zu überstehen. Sie reduzieren ihren Herzschlag um die Hälfte - von etwa 70 auf etwa 40 Schläge pro Minute. Ihre Reaktionsfähigkeit ist stark reduziert. Werden sie jedoch gestört und zur Flucht gezwungen, fahren sie den Stoffwechsel hoch. Das Resultat ist Stress. Die Tiere verbrauchen den im Sommer und Herbst angefutterten Winterspeck, müssen hungern oder äsen notgedrungen Knospen und Rinde ab und schaden dem Wald.

Die untere Jagdbehörde ruft deshalb alle Revierinhaber auf, den Jagdbetrieb einzustellen, auch wenn der Abschussplan noch nicht erfüllt ist. Zwar hat das Rehwild seit 16. Januar Schonzeit, das Gamswild schon seit Mitte Dezember. Rotwild dürfte laut Jagdgesetz aber noch bis Ende Januar bejagt werden. Bei der derzeitigen Wetterlage gehe jedoch das Wohl der Tiere vor. "Es ist ein grober Verstoß gegen den Tierschutz, wenn man jetzt bei dieser Schneelage auf Wildtiere schießt", erklärt Schmid.

Diese Überzeugung teilt auch Josef Hasslinger, Pressereferent des Kreisjagdverbands. "Waidgerechtigkeit geht vor", sagt er. Es sei "einfach unethisch", bei den derzeitigen Schneeverhältnissen auf ein Tier zu schießen. Die meisten Jäger im Landkreis hätten ohnehin ihre Abschusspläne schon vor dem Januar erfüllt. Die Bejagung des Rotwilds sollte laut dem Jagdberater des Landratsamts Vollrad von Poschinger bereits Ende Dezember eingestellt werden, "damit die Wildtiere ungestört zu den Fütterungen ziehen können". Das entspreche den Bedürfnissen der Tiere und vermindere die Schäden im Wald.

Das Landratsamt unterstreicht in diesem Zusammenhang die Leistung der Jäger für die Hege des Wilds. "Den Revieren und Jägern, die ordentliche Fütterungen betreiben, sind wir zum großen Dank verpflichtet", erklärt Schmid. Das sei eine "Herkulesarbeit". Im Staatswald und vielen Privatwäldern würden die Fütterungen vorbildlich betrieben.

Problematisch ist es, wenn Kirrungen, also Stellen, wo das Wild mit geringen Futtermengen zur Jagd angelockt wird, zu lange betrieben werden. Bei der aktuell hohen Schneelage könne es dann nicht mehr zur Fütterung ziehen, erklärt der Leiter der Hochwildhegegemeinschaft Isarwinkel, Anton Krinner: "Die an Kirrungen gewöhnten und verbleibenden Wildtiere werden im Wald große Schäden anrichten, bevor ein Teil von ihnen verendet. Die Kirrungen können nicht mehr beschickt werden, weil die Schneelage diese für Menschen unerreichbar macht." Jagdberater Poschinger ruft Revierinhaber auf, noch sicher erreichbare Kirrungen als Notzeitfütterungen fortzuführen.

In den derzeit unzugänglichen Bergrevieren soll nun die Bundeswehr bei der Wildfütterung helfen. Der Bayerische Jagdverband (BJV) fordert in einem Dringlichkeitsantrag, dass die Soldaten Heuballen in abgeschnittene Höhenlagen transportieren, wenn nötig auch luftgestützt per Hubschrauber. Die Lage der Wildtiere sei "sehr ernst zu nehmen", erklärt BJV-Vizepräsident Thomas Schreder. Daher habe man um Unterstützung durch die Luftwaffe gebeten.