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Telekommunikation:Supermasten für Icking

Mobilfunkbetreiber planen drei bis zu 50 Meter hohe 5G-Antennen

Von Susanne Hauck, Icking

Der umstrittene Mobilfunkstandard 5G hat Icking erreicht. Schneller als gedacht, denn dafür brauchte es nicht mal einen neuen Mast, wovon viele Bürger ausgegangen waren. Die Telekom ist vorgeprescht und hat einen bestehenden Standort mit der superschnellen Handytechnik aufgerüstet. Und dabei bleibt es nicht: In Icking sollen drei weitere 5G-Supermasten in einer Höhe von bis zu 50 Metern entstehen.

Mobilfunk ist in Icking schon lange ein Reizthema. So hatte die Gemeinde am Montag wegen des erwarteten großen Andrangs die Ratssitzung vorsorglich in die Grundschulaula verlegt und wegen der Corona-Regeln auf beschränkte Zulassung verwiesen. Doch das Interesse war mit kaum 20 Besuchern eher spärlich, vor allem fehlten die erklärten 5G-Gegner, warum auch immer.

Die Gemeinde ist mit zwei weiteren Suchkreisanfragen der Telekom konfrontiert, die die Bahnstrecke mit Telekommunikation versorgen will, außerdem hält Vodafone weiter an seinem geplanten Mast fest. Deshalb beschloss der Gemeinderat auf Vorschlag des unabhängigen Funktechnik-Sachverständigen Hans Ulrich, drei mögliche Standorte weiterzuverfolgen. Das sind das durch einen Teilflächennutzungsplan geregelte gemeindeeigene Grundstück am Sportplatz sowie eine Stelle an der S-Kurve der Bahnlinie zwischen Spatzen- und Schlederloh. Letztere soll ebenso im sogenannten Dialogverfahren mit der Telekom verhandelt werden wie der neu hinzugekommene Standort im nördlichen Waldgebiet von Icking. Der Beschluss fiel einstimmig.

Wie sehr sich die Gemeinde in der Zerreißprobe zwischen ihrem Versorgungsauftrag, Strahlenminimierung und Landschaftsschutz befindet, machte die geplante Dimension der Masten deutlich: Höhen von 40 Metern und - im Fall des nördlichen Waldstandorts - 50 Metern sorgten bei den Räten für Schnappatmung. "Fakt ist, das Ding sieht man", stellte Georg Linsinger (UBI) trocken fest, der mit dem originellen Vorschlag daherkam, die Masten in Tarnfarbe anzustreichen.

Mag die Masthöhe zwar das Ortsbild verschandeln, soll sie jedoch das gefürchtete Gesundheitsrisiko verringern. "Die Strahlen gehen über die Köpfe der fußballspielenden Kinder hinweg", verdeutlichte Ulrich am Beispiel Sportplatz. Die drei Standorte würden die Gemeinde von Irschenhausen bis Schlederloh "solide versorgen", gleichzeitig wären sie viel verträglicher als die bestehenden niedrigeren Antennen: "Sie bringen eine Entlastung von 70 Prozent." Der Gemeinde geht es darum, dass gerade die älteren Strahlenschleudern auf dem Dach der Tankstelle und am Bauhof nicht mit 5G aufgerüstet werden, sondern wegkommen, weil die Betreiber auf die neuen Masten umsteigen. Dafür sieht Ulrich gute Chancen.

© SZ vom 22.07.2020

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