WolfratshausenKompromiss für die Tagesklinik

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Für die an der Königsdorfer Straße geplante Psychiatrie lässt der Stadtrat eine Abweichung von der Stellplatzsatzung zu.

Von Susanne Hauck, Wolfratshausen

Die von den Kliniken des Bezirks Oberbayern (KBO) auf dem Grundstück des ehemaligen Forstamts geplante psychiatrische Tagesklinik für Erwachsene und Jugendliche ist ein Vorzeigeprojekt für die Stadt und wird händeringend gebraucht. Das hat der Wolfratshauser Bauausschuss am Mittwoch wieder und wieder bekräftigt. 250 Patienten im Jahr können nach Angaben der KBO dann teilstationär behandelt werden, und 5000 ambulant. Doch trotzdem tat sich der Ausschuss schwer damit, den Weg frei zu machen für eine Änderung des Bebauungsplans, der für den Neubau an der Königsdorfer Straße 17 notwendig ist.

Das Projekt der KBO hat eine lange Vorgeschichte - obwohl der Bedarf groß ist und es in Wolfratshausen kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt. Erst war es schwierig, ein Grundstück für die Tagesklinik zu finden. Nun drohte erneut Stillstand, weil die Stellplätze für die Autos und die Erhaltung alter Bäume auf dem Areal schier nicht unter einen Hut zu bringen waren.

Für ein Gebäude dieser Größe sind laut Satzung 27 Stellplätze notwendig. Sie sollten nach bisheriger Planung in einer Tiefgarage verschwinden. Dafür müssten aber viele alte Bäume weichen. Nun legten die KBO mit ihren Architekten ganz neue Pläne vor. Wegen des großen Raumbedarfs der Klinik müssen im Untergeschoss noch Technikräume und Aktenarchiv untergebracht werden, was aber zur Folge hat, dass wegen der strengen Auflagen des Staatlichen Bauamts Weilheim nur noch zehn Stellplätze in der Tiefgarage Platz finden. Da dann das eigentliche Ziel, die Autos unterirdisch zu verräumen und gleichzeitig mehr Bäume zu erhalten, nicht erreicht wird, wollte die KBO auf den Bau einer Tiefgarage verzichten. Stattdessen soll es nun einen Patientengarten und einen schönen Eingangsbereich geben. Damit hatten die Stadträte im Ausschuss kein Problem. Für Verärgerung sorgte aber die auf zehn reduzierte Anzahl an Stellplätzen, die im Plan zudem nur oberirdisch angesiedelt sind. Alle Fraktionen kündigten an, ihre Zustimmung zu verweigern.

"Zehn Stellplätze habe ich und 27 brauche ich, das gefällt mir nicht", sagte Richard Kugler (Wolfratshauser Liste). Josef Praller (BVW) befürchtete ein Verkehrschaos. Und Gerlinde Berchtold (SPD) wies darauf hin, dass es da ja auch noch die Autos von rund zehn Mitarbeitern und zwei Lehrkräften gebe, sowie die der Eltern, die ihre Kinder zur Klinik bringen. Daraufhin rechnete Katharina Kopiecny, Geschäftsführerin der KBO Lech-Mangfall-Klinik, vor, dass die satzungsmäßig geforderten 27 Stellplätze nie und nimmer gebraucht würden, da die jugendlichen Patienten in Sammeltaxis gebracht würden und die Erwachsenen ohnehin wegen Medikamenteneinnahme meist nicht Auto fahren dürften. Von den Mitarbeitern komme ein Großteil aus er nahen Umgebung, viele mit dem Rad.

Richtig überzeugen konnte sie damit nicht. Nach einer verfahrenen Debatte beorderte der Zweite Bürgermeister Günther Eibl (CSU), der die Sitzung leitete, die Stadträte deshalb ins Bürgermeisterzimmer. Nach zehnminütiger Beratungspause machte er dann einen Kompromissvorschlag: Demnach wird auf einer Tiefgarage mit zehn Plätzen bestanden. Bei fünf weiteren Stellplätzen sei die Stadt bereit, diese oberirdisch zuzulassen, die restlichen zwölf könnten abgelöst werden. Dafür wird auf die Erhaltung der Bäume im Westen des Areals verzichtet. "Alle wollen die Klinik, deshalb müssten sich beide Parteien aufeinander zubewegen", erklärte Eibl. Dem Kompromiss stimmten die Stadträte im Bauausschuss mit großer Mehrheit zu - nur Kugler und Hans Schmidt (Grüne) blieben beim Nein.

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