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Tag des offenen Denkmals in Dietramszell:Einblick ins Kloster

Schwester Kiliana führte die Besucher bis in die „Klausur“.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Salesianerinnen ermöglichen Besuchern neue Einsichten in ihr geschichtsträchtiges Domizil, das schon als "Aussterbekloster" und Mädcheninternat diente

Von Wolfgang Schäl

Mit einem solchen Ansturm hatten die Schwestern nicht gerechnet - mehr als 150 höchst interessierte Besucher drängten sich am Sonntagnachmittag dicht an dicht in den historischen Räumen des Dietramszeller Klosters, die bislang nur nach Voranmeldung besichtigt werden konnten und heuer erstmals im Rahmen des Tages des Offenen Denkmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Es war ein kostbares Geschenk der geistlichen Bewohnerinnen, denn sie gewährten Zutritt nicht nur in die repräsentativen Räumlichkeiten, sondern auch - eine große Ausnahme - in die "Klausur", mithin jenen privaten Trakt, der ansonsten strikt den Klosterfrauen vorbehalten ist. Schwester Kiliana und die erst seit wenigen Monaten amtierende, aus Kroatien stammende Oberin Emanuela Maria bereiteten den Gästen einen herzlichen Empfang. Sie warteten mit humorvoll gestalteten Informationen zur Ordens- und Baugeschichte auf, gewährten aber auch Einblicke in das Leben in ihrem Kloster, das wie viele andere in seinem Bestand bedroht ist.

Was sich hinter den beeindruckenden Mauern des Klosters Dietramszell verbirgt, konnten Interessierte beim Tag des Offenen Denkmals erfahren.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Einst lebten 64 Salesianerinnen in Dietramszell

Die Zahl der Frauen vom Orden der Heimsuchung Mariae, die in Bayern Salesianerinnen heißen, ist in Dietramszell von ursprünglich 64 auf mittlerweile sechs Schwestern zurückgegangen, die Perspektive ist nicht rosig. "Ich weiß nicht, ob wir das Kloster in fünf Jahren noch in unseren Händen haben", zeigte sich die Oberin bekümmert, es komme letztlich auf die Gesundheit der verbliebenen Schwestern an. "Er hat es in seiner Hand", sagte die Oberin mit himmelwärts gerichtetem Blick.

Dass es im Klosterleben in der hermetischen Abgeschiedenheit des täglichen Lebens nicht immer ohne Reibereien abgeht, deutete Kiliana mit einem Schmunzeln an: "Da braucht man mitunter starke Nerven." Dem Zusammenleben umso dienlicher ist deshalb die Regel der Salesianer, die zwar kein strenges Schweigen im Alltag, aber "Stille und Demut" und einen Verzicht auf nicht unbedingt notwendiges Sprechen verlangt.

Beim Rundgang durch die Räume des Klosters erlebten die Besucher ein reizvolles Ambiente mit kostbaren Intarsienmöbeln, filigran mit zartem Wessobrunner Stuck gestalteten Decken und wunderbaren, beim Betreten leicht knarzenden Eichenholzböden mit Einlegearbeiten aus Palisander. Besonders sehenswert sind das Refektorium im Erdgeschoss mit seinen kunstvollen Wappenmedaillons an der Decke, die ehemalige Bibliothek im Obergeschoss und die Kapelle Maria Einsiedel mit der Figur der Schwarzen Madonna.

Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1099 vom Benediktinerklosters Tegernsee aus. Süd- und Westteil wurden während der Säkularisation im Jahr 1803 von der Familie von Schilcher ersteigert, die übrigen Flügel dienten als Zentralkloster der Münchner Klarissinnen. 1831 übernahmen es die Salesianerinnen, die dort 160 Jahre lang eine Internatsschule für Mädchen betrieben. 1958 verkaufte die Familie Schilcher ihre Gebäudeflügel an den Orden.

Weil es immer schwieriger wurde, klösterliche Lehrkräfte zu finden und die Schülerzahlen kontinuierlich sanken, wurde der Unterricht 1992 aufgegeben. Ein Flügel ist seither an die Dietramszeller Montessorischule vermietet, auch der gemeindliche Kindergarten befindet sich heute dort.

Schwester Kiliana bedankt sich mit einem Gebet

Eine erste Kirche am heutigen Klosterplatz wurde1156 geweiht, fiel aber einem Brand zum Opfer und wurde bis 1190 wieder aufgebaut. 1636 vernichtete erneut ein Großfeuer die gesamte Ausstattung der Kirche und beschädigte auch die Gebäude so schwer, dass sich eine Restaurierung mehr als zehn Jahre hinzog. Den Bau in seiner jetzigen Form ließ Propst Dietram in den Jahren von 1729 bis 1745 errichten, nach 1803 war der Komplex vom Abbruch bedroht. 1636 fielen auch die Klostergebäude bei einem Brand in Schutt und Asche, der Wiederaufbau verzögerte sich über Jahrzehnte, bis schließlich Probst Petrus 1716 den Entschluss fasste, völlig neue Trakte in Tuffstein errichten zu lassen. Wegen ständiger Geldknappheit konnten die Arbeiten an dem Projekt erst 1798 abgeschlossen werden. Nach der Säkularisation 1803 dienten die Gebäude den Klarissinen als "Aussterbekloster", bis schließlich 1831 Salesianerinnen aus Indersdorf die Gebäude übernahmen und dort die Mädchenschule mit Internat gründeten.

Sie sei froh, versicherte Schwester Kiliana am Ende der Führung, dass so viele Besucher Interesse am klösterlichen Leben zeigten. Sie habe den Eindruck, dass mit der Anwesenheit so vieler Gäste "etwas gewachsen" sei, und dafür wolle sie "ein Dankeschön zurückgeben" in Form eines Gebetes für die Besucher. Für die freundliche Aufnahme bedankte sich ihrerseits Kreisheimatpflegerin Maria Mannes.

Rund 180 Besucher interessierten sich für die Führung.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
© SZ vom 11.09.2018
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