SZ-Serie: Tierisch kalt Auch drinnen wird gescharrt

Damit Hühner sich im Stall wohl fühlen, brauchen sie Platz und Beschäftigung. Wenn Schnee liegt, verlieren die Tiere draußen schnell die Orientierung. Farida Heuck-Yoo kennt die Bedürfnisse ihres Federviehs.

Von Anja Brandstäter

Wenn es viel geschneit hat, herrscht im Hühnerstall der Familie Heuck-Yoo reger Betrieb. Acht Hühner unterschiedlicher Rassen und zwei Hähne, die normalerweise im Hof frei herum laufen, müssen dann drinnen bleiben. Denn wenn eine durchgehende Schneedecke liegt, finden sich die schlecht sehenden Vögel nicht zurecht: "Sie verlieren die Orientierung und finden ihren Stall nicht mehr", erklärt Farida Heuck-Yoo, die Besitzerin der Hühner. Sie hat Erfahrung mit dem Federvieh - seit drei Generationen werden auf ihrem Hof in Bairawies neben anderen Nutztieren auch Hühner gehalten. Deren Haltung ist zwar nicht sehr arbeitsintensiv. Dennoch sollte man ein paar Dinge tunlichst beachten. Zum Beispiel darf man nie vergessen, die Hühnerklappe, durch welche die Vögel in den Stall gelangen, am Abend zu schließen, denn Füchse und Marder können sich durch kleinste Öffnungen quetschen und ein Blutbad anrichten.

Auch im Stall kann man relativ leicht dafür sorgen, dass es dem Federvieh gut geht. Farida Heuck-Yoo hat den großen, hellen Stall durchgehend mit Sand ausgestreut, damit die Hühner scharren und ein Sandbad nehmen können. Das entspricht ihren angeborenen Bedürfnissen und dient dem Schutz vor Parasiten. Im Winter bekommen die Hühner zusätzlich Heu auf den Sand gestreut. Dadurch können sie mehr scharren und haben Beschäftigung. Beim Scharren und Picken setzen sie ihr wichtigstes Tastorgan ein, ihren Schnabel. Der ist mit einem dichten Nervengeflecht durchzogen, mit dem die Hühner Temperatur, Härte oder Essbarkeit von Gegenständen erkennen. Beim Futter sind die Allesfresser anspruchslos: Küchenreste aller Art, wie zum Beispiel Kartoffelschalen, Gemüseabfälle, übrig gebliebene Nudeln oder Brot verschmähen sie nicht. Da die Küchenabfälle der vierköpfigen Familie in der Regel jedoch nicht reichen, füttert Farida Heuck-Yoo eine Hühnerfutter-Fertigmischung aus dem landwirtschaftlichen Großhandel zu.

Heu und Sand am Boden, eine Wärmequelle, damit das Wasser nicht einfriert - so überstehen Hahn und Hennen die kalte Jahreszeit gut.

(Foto: Manfred Neubauer)

Zur Fütterungszeit wird die Hühnerhaltering schon aufgeregt erwartet. Die Tiere fangen an laut zu gackern und machen ihre Rangordnung klar. Dabei wird schnell deutlich: Der alte Hahn ist nicht nur am größten, er hat auch an der Futterschüssel Vorrang. Im Gegenzug beschützt er seine Hühnerschar und wirkt befriedend, wenn Streit unter den Hennen ausbricht. Ein junger Hahn, der erst im Sommer geschlüpft ist, sitzt mit großem Abstand auf einer Stange und beobachtet das Geschehen. Er weiß: Erst wenn alle Hennen fertig sind, kommt er dran.

Wenn es sehr kalt ist, brennt eine Rotlicht-Lampe über der Wasserschüssel. Sie spendet Wärme und verhindert das Einfrieren des Trinkwassers. Die elektrische Beleuchtung beeinflusst auch die Legeleistung der Hennen positiv und bewirkt, dass auch im Winter das ein oder andere Ei abfällt. Normalerweise legen Hühner in der kalten Jahreszeit nicht. So auch im Stall von Farida Heuck-Yoo: "Bei Kälte legen sie sehr wenig, das hat auch mit ihren Kalkreserven zu tun. Wir geben ihnen aus diesem Grund immer die Eierschalen zum Fressen." Außerdem, so die Besitzerin der Hühner, sei es ein Ammenmärchen, dass die Vögel jeden Tag ein Ei legten. Während der vier- bis sechswöchigen Mauser, der Zeit, in der Vögel ihr Federkleid erneuern, legten sie ebenfalls nicht.

Farida Heuck-Yoo kennt sich aus mit der Hühnerhaltung, denn die Tiere gibt es schon seit Generationen auf dem Hof in Bairawies. Ihre Hennen gehören unterschiedlichen Sorten an. Sie legen weiße, braune und sogar grüne Eier.

(Foto: Manfred Neubauer)

Habe eine Henne jedoch gelegt, sei es nicht schwierig an die Eier zu gelangen. Sitze sie im Nest, lasse sie sich problemlos zur Seite schieben und sich die Eier wegnehmen. Manchmal gackere sie dabei etwas, plustere sich vielleicht auf, sei aber nie aggressiv, erklärt Heuck-Yoo. Meist lasse sich an der Henne schon erraten, welche Farbe das Ei habe. Denn die unterschiedlichen Rassen legen unterschiedlich farbige Eier. Neben Hennen, die weiße und braune Eiern legen, gibt es im Stall von Farida Heuck-Yoo "Grünleger". "Die grünlichen Eier enthalten wenig Cholesterin", sagt die Hühnerhalterin. Ein ausgesprochen schönes Gefieder hat der sogenannte "Sperber", ähnlich wie beim Namensgeber ist das Federkleid auffallend gebändert. Daneben sitzt ein so genannter "Zwerg". Das sehr kleine Huhn legt auch kleine Eier, ist aber dafür sehr legefreudig.

Hühner pflegen einen geregelten Tagesablauf. Normalerweise kommen sie morgens aus dem Stall und gehen, sobald es dunkel wird, von alleine wieder zurück. Zum Eierlegen begeben sie sich über Stangen in die dort vorhandenen Nistplätze, die mit Heu gefüllt sind. Zum Schlafen bevorzugen sie jedoch möglichst hoch gelegene Plätze auf Sitzstangen. Im Stall von Farida Heuck-Yoo gibt es davon ausreichend, was Rangordnungskämpfe um den besten Schlafplatz vermeidet.

Der große Hahn steht in der Rangordnung ganz oben und darf als erster fressen. Dafür passt er auf seine Hennen gut auf.

(Foto: Manfred Neubauer)

Noch bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten auf Bauernhöfen Hühner wesentlich näher beim Menschen, als das heutzutage üblich ist. Das Federvieh war, insbesondere im Winter, in der Stube untergebracht. Denn das war der einzige warme, rauchfreie Raum im Haus. Die Vögel liefen aber nicht frei im Haus herum, sondern wurden in Käfigen zum Beispiel unter der Ofenbank gehalten. Anschaulich ist die frühere Hühnerhaltung beispielsweise auf der Glentleiten zu erleben: Im Zehentmaier-Hof, der ursprünglich aus Sauerlach stammt, ist der Hühnerstall unterhalb des Tellerbords und so gebaut, dass man auf ihm Platz nehmen konnte.