SZ-Serie "Heimatwerkstatt":Urlaub im Glas

Lesezeit: 3 min

Craft Limo

Ein Prosit auf den Geschmack: Aissatou Dramé und Michael Stadler kreieren sogenannte Craft Lemonades, in kleiner Stückzahl gefertigte Getränke mit nicht alltäglichen Zutaten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Tölzerin Aissatou Dramé und der Pindinger Fruchtsaftmeister Michael Stadler produzieren Limonaden mit außergewöhnlichen Geschmäckern. Rosmarin, Enzian und andere wilde Zutaten stammen aus der Region

Von Nils Hannes Klotz, Bad Tölz

Ein erfrischender, leicht bitterer Geschmack mit einer Note von Wacholder: Gin Tonic ist ein angesagter Longdrink in den deutschen Bars. Die Tölzerin Aissatou Dramé hat diesen Trend zum Anlass genommen, eigene Limonaden zu entwickeln, die sich gut zum Mixen für diverse Getränkevariationen nutzen lassen.

Fünf verschiedene "Craft Lemonades" mit den außergewöhnlichen und charakteristischen Aromen von Gurke, Salbei, Rosmarin, Enzian und Preiselbeere produziert die Firma M.A.T. derzeit. Die drei Buchstaben im Firmennamen stehen für die Initialen der Gründer Michael Stadler, Aissatou Dramé und Thomas Bacher, der inzwischen wieder ausgetreten ist. Gleichzeitig seien sie aber auch an das englische Wort "mad" angelehnt, was im Deutschen so viel wie verrückt oder wahnsinnig bedeutet, so Dramé. Feststeht: Die Limonaden sollen auffallen. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, warum die Etiketten der kleinen Limoflaschen von dem Kopf eines grimmig dreinschauenden, bayerischen Berggorillas geziert werden. "Viel ist auch Psychologie", sagt Dramé, die bis vor eineinhalb Jahren die Gastronomie des Bio-Landhotels Moarwirt in Hechenberg führte. Schon damals sei ihr die Idee von eigenen Limonaden gekommen. Diese habe sie für die Gäste des Moarwirts von dem Pidinger Brauer und Fruchtsaftmeister Michael Stadler produzieren lassen. Stadler führt seine Kelterei und Brennerei bereits in dritter Generation. 1924 gründete sein Großvater den Betrieb. Nachdem Dramé den Moarwirt 2017 verließ, habe sie sich dann mit Stadler zusammengesetzt und die Idee der Erfrischungsgetränke weiterentwickelt. Noch im selben Jahr gründeten sie die eigene Firma.

Die Getränke bestehen aus wenigen, einfachen Zutaten. So setzt sich die "Craft Lemonade" mit der Geschmacksrichtung "Salbei" lediglich aus Wasser, Auszügen der frischen und getrockneten Salbeipflanze, Zucker und Zitronensaft zusammen. Er verwende Zitronensaft und keine kristalline Zitronensäure, betont Stadler. Die chemisch produzierte kristalline Zitronensäure, die ihm zufolge mit Schimmelpilzen hergestellt werde, stehe nämlich im Verdacht, Alzheimer auszulösen, sagt der Fruchtsaftmeister.

Das Bio-Siegel hätten die "Craft Lemonades" zwar nicht, er verzichte aber auf chemische Zusätze und lege Wert auf einen nachvollziehbaren Weg der Rohwaren. Abgesehen von den Preiselbeeren kämen die Zutaten aus der Region. Die Getränke seien Naturprodukte. Daher gebe es auch natürliche Farb- und Geschmacksschwankungen.

Die Reaktionen auf die Limonaden seien sehr unterschiedlich, sagt Dramé. "Enzian spaltet die Gemüter." Der trockene und bittere Geschmack der adstringierend wirkendenden Enzianlimonade sei als Pendant zum Tonic Water gedacht. "Enzian ist für den Gin geboren." Die Rosmarinlimonade, Dramés persönlicher Favorit, verbinde man hingegen mit Urlaubsgefühlen und Italien. Die fünf Limonaden seien vielseitig einsetzbar und ließen sich zum Beispiel mit Gin, Wodka oder Prosecco kombinieren, so die Tölzerin. Sehr beliebt sei der "Green Gorilla". Für den Cocktail nehme man ein Weinglas mit Eis, eine Limette und einen Salbeizweig. Hinzu gebe man zwei Zentiliter Gin, einen Deziliter Prosecco und eine halbe Flasche "Craft Lemonade Salbei".

Während sich Stadler um die Produktion der Limonaden kümmert, verantwortet

Dramé den Vertrieb. Seit Frühjahr 2018 habe M.A.T. einen Exklusivvertrag mit dem Münchener Getränkegroßhändler Pachmayr. Dieser beliefere um die 4000 Betriebe - vorwiegend die Gastronomie, sagt Dramé. Normalerweise kämpfe man Jahre, um bei einem Getränkehändler mit einem solch großen Kundenstamm aufgenommen zu werden. Sie selbst gehe zweimal in der Woche "Klinken putzen" und stelle bei verschiedenen Gastronomen ihre "Craft Lemonades" vor, sagt sie. Sofern Pachmayr der Lieferant ist, versuche sie, die Betriebe von ihren Getränken zu überzeugen. Bei ungefähr 50 Prozent der potenziellen Abnehmer habe sie Erfolg. Auch online werden die Tölzer Eigenkreationen angeboten. Ein eigener Online-Shop existiere aber noch nicht.

Der Jahresumsatz von M.A.T. liege noch unter einer Millionen Euro, so Stadler. Aber er ist dennoch zufrieden: Auf dem übersättigten Getränkemarkt habe sich das Produkt bewiesen. Bis mit den Erfrischungsgetränken aber schwarze Zahlen geschrieben werden können, dauere es aber noch um die drei bis vier Jahre, schätzen Stadler und Dramé. Bevor sie weitere Geschmäcker entwickeln werden, wollen sie die fünf Sorten erst einmal auf dem Markt etablieren.

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