SZ-Serie: "Aus erster Hand" Wo der Gemüsegenuss aufblüht

Renate Hansmair (rechts) und Gärtnerin Claudia Brettel kultivieren in der Schlossgärtnerei Weidenkam Gemüse und Blumen nach ökologisch verantwortbaren Kriterien, ganz nach dem Motto "Pflanzen stärken, anstatt Schädlinge zu bekämpfen"

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Renate Hansmair und Tom Braun nutzen die idyllischen und idealen Bedingungen in der Schlossgärtnerei Weidenkam, um Pflanzen ökologisch anzubauen. Die Kunden schätzen das Erlebnis, die duftende Ware direkt im Schatten des Jugendstilpalais zu kaufen.

Von Paul Schäufele

Wer nicht weiß, dass am Ende der einspurigen, durch dichtes Gehölz führenden Straße das Jugendstilanwesen Weidenkam steht, wird diesen Weg kaum auf sich nehmen. Und nicht jeder, der dieses am Ostufer des Starnberger Sees gelegene Schloss aus der Nähe betrachten will, wird bemerken, dass unterhalb des Parks Blumenbeete in allen Farben spielen, Gemüsegärten bearbeitet werden und Gewächshäuser zarten Pflanzen ein Zuhause bieten. Man muss schon wissen, dass es die Schlossgärtnerei Weidenkam gibt.

Doch in den Jahrzehnten ihres Bestehens hat sich herumgesprochen, dass hier Pflanzen und Gemüse angebaut werden mit einem konstant hohen Anspruch. Und das seit weit über fünfzig Jahren. Das Ehepaar Wendt hatte damals die im Stadium der Auflösung befindliche Gärtnerei übernommen und nach ökologischen Kriterien umgestaltet. Zweck war die Versorgung der auf dem Schloss stattfindenden Veranstaltungen. Doch bald entwickelte sich mehr daraus, die Nachfrage nach dem vom Bio-Anbauverband "Demeter" zertifizierten Gemüse war groß, sodass die Wendts ihre Produkte von der Gärtnerei aus verkauften oder an Depots lieferten. Im Jahr 2000 schließlich übergaben sie die Leitung an Katja Severin; sie kümmerte sich um den Betrieb, bis 2004 Tom Braun und Renate Hansmair, seit 1997 Bio-Gärtner auf dem Hofgut Letten, sich für die Anlage begeistern konnten. "Eine Rolle hat natürlich auch die wunderschöne Lage gespielt", erinnert sich Renate Hansmair. Sie und ihr Mann Tom Braun fanden mit der Schlossgärtnerei, so wie sie vom Ehepaar Wendt angelegt worden war, ideale Bedingungen vor, um Gemüse und Pflanzen nach ihren Vorstellungen anbauen zu können. Sie führten die Arbeit nach den strengen Richtlinien von Demeter weiter, wie sie das zuvor schon in ihrer Gärtnerei "Beeren und Co." auf dem Hofgut Letten bei Bad Heilbrunn getan hatten - und weiterhin tun. Die Gärtnerei verfügt somit über zwei Betriebsstandorte, das Hofgut Letten und Schloss Weidenkam. Zusammen werden so auf einer Fläche von beinahe sieben Hektar Bio-Gemüse und Bio-Blumen - immer noch eine Seltenheit - angebaut.

Die Überzeugung, Pflanzen nach ökologisch verantwortbaren Kriterien zu kultivieren, hat sich bei dem Gärtner-Paar bereits während des Studiums der Landschafts- und Stadtplanung in Kassel herausgebildet. Etwas anderes sei dann gar nicht in Frage gekommen, sagt Hansmair. Sie fasst die Unternehmensphilosophie in einem Satz zusammen: "Wir wollen die Pflanzen stärken, anstatt Schädlinge zu bekämpfen." Dafür wird auf Mineraldünger verzichtet. Stattdessen sollen die "Bodenlebewesen aktiviert werden", erklärt die Gärtnerin. Auch die Mondphasen spielten eine Rolle, wenn es darum gehe, widerstandsfähige Pflanzen zu ziehen. Chemische Spritzmittel seien tabu, dafür würden vermehrt sogenannte Nützlinge eingesetzt: Florfliegen und Marienkäfer haben es auf Läuse abgesehen, so ließen sich Befälle ganz natürlich auflösen. Auch in der Auswahl des Sortiments spiegelt sich das wider: Gesät wird häufig sogenanntes "samenfestes Saatgut", also Pflanzsamen, die nicht genetisch zu maximalem Ertrag gezwungen wurden. Oft sind das alte Sorten, wie die "Berner Rosen"-Tomate. Sie hat eine weichere Schale als die Früchte der heute verbreiteten Sorten und einen fein-süßen Geschmack.

Die Schloßgärtnerei Weidenkam vermarktet seine selbst gezogenen Produkte jeden Freitag. Das Saatgut ist dort ein Schlüsselfaktor für Qualität und Geschmack der Produkte

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das wissen die Kunden zu schätzen. Gerade in den letzten Jahren ist die Sensibilität der Verbraucher für Nachhaltigkeit und ursprünglichere Anbaumethoden gestiegen. Auch die Wertschätzung für Geschmackserlebnisse, wie sie herkömmliches Gemüse aus dem Supermarkt nicht bietet, ist gewachsen. Die Kunden der Schlossgärtnerei zahlen dafür mehr, haben dafür aber auch die Garantie, ein ökologisch einwandfreies Produkt erworben zu haben. Das hat auch mit Vertrauen den Erzeugern gegenüber zu tun. Besonders deutlich werde das, wenn Meldungen über Schadstoffbelastungen die Runden machen, so Hansmair. "Als vor ein paar Jahren vor belasteten Gurken gewarnt wurde, schnellten bei uns die Absätze in die Höhe." Viele ihrer Stammkunden bauen auch selbst Gemüse an oder haben Blumen im Garten. Die Tipps von Renate Hansmair und Tom Braun gelten da viel.

In direkten Kontakt mit den Öko-Experten kommen Kunden unter anderem auf den Märkten in Starnberg und Wolfratshausen. Inzwischen beliefert die Gärtnerei auch Großhändler und die Isarland Ökokiste. So gelangt die Ware bis nach München. Doch die vielleicht schönste Art, das Bio-Gemüse zu kaufen, bietet sich beim Direktverkauf freitags in der Schlossgärtnerei: Tische und Stühle im Eingangsbereich; Einladung, sich an Selbstgebackenem zu bedienen; Blick aufs Schloss und der frisch-würzige Duft nach Kräutern und Blumen.

Oft kommen in der Schlossgärtnerei alte Sorten zum Einsatz, keine auf Ertrag getrimmten, veränderten Samen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)