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SZ-Serie: "Aus erster Hand":Schmankerl von glücklichen Tieren

Hofladen Jasberg Eichner

Immer wieder samstags stehen Kathi, Sepp, Barbara und Jossefa Eichner (von links) im jasberger Hofladen.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Der Hofladen der Eichners in Jasberg ist ein echter Familienbetrieb: Alle helfen mit. Für Fleisch und Wurst in Bioqualität stehen die Kunden dort gerne an.

Mit einem Biertisch in der Garage und einer fahrbaren Kühltheke hat alles angefangen. Vor 25 Jahren bot die Familie Eichner zunächst alle 14 Tage Produkte aus eigener Herstellung an. Die Kombination war perfekt: Josef Eichner ist Landwirt und versorgt 50 Milchkühe, sein Bruder Albert ist Metzger. Wurde ein Vieh geschlachtet, gab es Fleisch direkt vom Bauern. Bald hat es sich herumgesprochen, dass es in Jasberg Fleisch von glücklichen Tieren gibt.

Im Jahr 2000 investierten die Brüder und richteten einen Laden nach den neuesten Hygienevorschriften ein. Dahinter befindet sich die Metzgerei mit einer gefliesten Kühlkammer. Das war die Geburtsstunde des Jasberger Hofladens, der nur einmal die Woche, am Samstag, geöffnet hat. "Die Investition hat sich gelohnt, 2006 haben wir noch eine große Kühlung gebaut", sagt Josef Eichner.

Einmal die Woche herrscht Ausnahmezustand auf dem Jasberg: Barbara Eichner beginnt schon freitags mit dem Brotbacken. Um 24 Uhr setzt sie den Teig an, geht für zwei Stunden ins Bett und backt dann 45 Brotleibe für den Hofladen. Josef steht am Freitag um 4 Uhr auf. Zusammen mit seinem Bruder stellt er in der Metzgerei die Wurstwaren her. Auch am Samstag beginnt der Arbeitstag um 4 Uhr morgens mit der Fleischverarbeitung für den Verkauf. Um 8.30 Uhr öffnet der Laden.

Hinter der Theke steht Josef Eichner mit seiner 22- jährigen Tochter Kathi, seiner Schwägerin Josefa und deren 17-jähriger Tochter Annemarie. Bis 12.30 Uhr geht es dann im Jasberger Hofladen rund. Die Kunden kommen aus der Umgebung, aber auch aus Sauerlach, Grünwald und sogar aus München. Manchmal stehen sie bis vor die Tür an. "Der Laden ist schon Stress", gesteht Josef Eichner. Er ist seit den Morgenstunden auf den Beinen und kommt erst gegen 13 Uhr zur Ruhe. "Am Freitag braucht man sich nichts vornehmen".

Hofladen Jasberg Eichner

Auf dem Hof der Eichners leben nicht nur viele Tiere, es gedeihen auch prächtige Äpfel.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Neben ihren eigenen Wurst- und Fleischspezialitäten verkaufen die Eichners Eier ihrer eigenen Hühner, Brot, Apfelsaft, Kartoffeln vom Schwager und einige Produkte der Marke "Unser Land" wie zum Beispiel Nudeln, auch gibt es in Gläser eingelegte Gurken, Sellerie und Sauerkraut. "Mit der Zeit ist immer mehr dazugekommen" erzählt Barbara Eichner. "Den Käse beziehen wir von der Hofkäserei Stephanskirchen, Kaffee von der Marktrösterei aus Großeichenhausen und Wein aus Südtirol von Albine Becker aus Erlach." Eines Tages erschien der Imker Matthias Durst aus München bei der Familie Eichner. Er wollte seine Bienenstöcke auf deren Wiesen aufstellen. Eine Win-Win-Situation für alle, denn die vielen Obstbäume müssen dringend bestäubt werden. Auch seinen Honig bieten Eichners im Hofladen an.

Was sie am Samstag zusätzlich im Angebot haben, schreiben die Eichners mit Kreide auf die Tafel neben der Tür des Hofladens. Manchmal steht darauf Saibling, Lamm oder Wild. Diese Köstlichkeiten bekommen sie von Anbietern aus der Umgebung. Im Juni und Juli schlachten sie zum Beispiel ihre eigenen Hühner und bieten sie als Brathähnchen an. Barbara Eichner informiert ihre Kunden per Newsletter am Montag über ihr Angebot. Vorbestellungen werden gerne entgegen genommen.

Werbung für ihren Laden brauchen die Eichners nicht zu machen. "Nur beim Dorfherbst in Baiernrain haben wir einen Verkaufsstand mit Wurst und Brot und erreichen vielleicht zwanzig neue Kunden", erzählt Barbara Eichner. Hauptberuflich bleiben die Eichners Vollerwerbsbauern. Die Milch ihrer Kühe hat Bioqualität und wird an die Allgäu Milch Käse eG geliefert. Neben den 50 Milchkühen leben 60 Hühner, 70 Gänse, 30 Enten und derzeit auch noch eine Schar Truthähne auf dem Hof.

Über das Jahr verteilt vergnügen sich 20 Schweine, die meisten der Rasse Schwäbisch-Hällische, auf den Wiesen rund um den Bauernhof, bevor sie am Hof geschlachtet werden. Ihr Fleisch hat Bioqualität. Derzeit verbringen 39 Jungkühe den Sommer auf einer Alm in Bayrischzell.

Durch ihren Hofladen erwirtschaftet die Familie zusätzliche Einkünfte. An die strengen Kontrollen haben sich die Eichners schon längst gewöhnt. Einmal im Jahr kommt jemand vom Veterinäramt, und alle fünf Jahre prüft die Regierung von Oberbayern. Unangemeldet kommen die Kontrolleure auf den Hof. "Sie schauen beim Schlachten zu", sagt Eichner und fügt hinzu: "Sie wollen zum Beispiel wissen, wann man putzt und mit welchen Mitteln, alkalisch oder sauer." Auch die Schädlingsbekämpfung wird geprüft. "Wir müssen einen Lageplan vorzeigen, wo wir Mottenfallen und Mäusefallen aufgestellt haben." Wenn Albert Eichner Wurst herstellt, muss die Kerntemperatur gemessen und notiert werden, damit auch alle Keime abgetötet sind.

Hofladen Jasberg Eichner

Einmal wöchentlich hat der Laden auf dem Bauernhof geöffnet. Auf dem Weg dorthin kommen Kunden an glücklichen Kühen vorbei.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Die Familie Eichner führt wöchentlich Buch über die Temperatur im Gefrierraum, in der Wurstkühlung, der Schlachtkühlung und in der Abkühlanlage. Die Bürokratie, die bewältigt werden muss, ist enorm. Ferner benötigen alle Familienmitglieder, die im Laden arbeiten, ein Gesundheitszeugnis.

Früher konnte man im Jasberger Hofladen "Butter vom Stück" kaufen, bis ein Kontrolleur dies untersagte. Denn auch hier gilt: Für die Herstellung von Butter braucht man einen gefliesten Raum.

Der Hofladen kann nur funktionieren, wenn die ganze Familie mithilft, und die ist groß - die Eichners haben acht Kinder. Das jüngste ist 3 Jahre, das älteste 23. Die Stallarbeit erledigt inzwischen Eichners Sohn Seppi, der ebenfalls gelernter Landwirt ist. Die Großmutter passt auf die kleinen Kinder auf, backt Schmalznudeln oder füttert die Hühner. "Lehrreich ist der Laden schon", sagt Josef Eichner. "Das Verkaufen ist mehr als nur Geld einschieben. Die Sonderwünsche der Kunden muss man aushalten."