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SZ-Podiumsdiskussion:"Die Energiewende aus Bioenergie ist Illusion"

Anreiz-Modelle für Stromsparen, Energieautarkie mit Hilfe von Holz, die Rolle der Wirtschaft - Das sagen Zuschauer zur Energiewende.

Isabel Meixner

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SZ  Podiumsdiskussion zum Thema Energiewende

Quelle: Hartmut Pöstges

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Anreiz-Modelle für Stromsparen, Energieautarkie mit Hilfe von Holz, die Rolle der Wirtschaft - Das sagen Zuschauer der SZ-Podiumsdiskussion zur Energiewende.

Die Redner auf der Bühne:

Cornelia Irmer (Bürgermeisterin Geretsried)

Bezirksheimatpfleger Stefan Hirsch

Wolfgang Seiler, Vorsitzender der Bürgerstiftung Energiewende

Wolfgang Schölkopf vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung

EWO-Zustifter Justus Schütze:

"Die Energiewende aus 'Bioenergie' ist mittlerweile als Illusion anerkannt, zum Beispiel auch von Greenpeace. Wie lange will die Energiewende Oberland uns noch weismachen, wir sollten unseren heimischen Wald im Namen der Energieautarkie verheizen? Wir haben in Deutschland derzeit einen Wärmeverbrauch von 1400 Terawatt-Stunden. Ich mache mir Sorgen, dass man bei den Leuten den Glauben erweckt, wir könnten unseren Energiebedarf nur mit Holz vor der Haustür decken. Das ist nicht der Fall, die Holzpreise etwa steigen. Ich habe Angst, dass wir hier vorschnell in eine Sackgasse rennen."

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SPD-Vorsitzender Manfred Menke:

"Die Aussage vom Bayerischen Städtetag ist, dass ohne kommunale Energieversorger die Energiewende nicht zu schaffen ist. Frau Irmer, was wünschen Sie sich vom Gesetzgeber und der Landespolitik, damit Kommunen mehr politischen Spielraum im Rahmen der Energiewende haben, zum Beispiel bei Förderprogrammen und Genehmigungsverfahren?"

Dazu Cornelia Irmer: "Ich erwarte mir vom Staat zweierlei Unterstützung: erstens finanziell und zweitens baurechtlich, dass die Kommunen bei der Bauleitplanung mehr Schritte vom Bauherrn einfordern können."

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Lehrerin Margot Motl:

"In Hamburg bekommen Schulen, die erfolgreich Energie einsparen, vom Sachaufwandsträger die Hälfte des eingesparten Geldes zur eigenen Verfügung rückerstattet. Am Gymnasium Geretsried hatten wir von 1997 bis 2002 ein erfolgreiches Energiesparprojekt laufen und dadurch 200 000 Euro sowie 1000 Tonnen an CO2 eingespart. Der Landkreis hat uns zwar zugesagt, dass die Schule einen Teil des Geldes erhält; das ist aber verwaltungstechnisch nicht möglich. Warum gibt es im Landkreis nicht so ein Anreiz-Modell? Schließlich wollen wir genau die Schüler beim Thema Energiewende erreichen."

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Grünen-Kreisrätin Lucia Schmidt:

"Der Aspekt Energiesparen ist auch für die Wirtschaft wichtig. Es ist möglich und nötig, von der Wirtschaft ein Umdenken zu fordern. Zum Beispiel ist in der Edelgasgewinnung viel Energie nötig. Millionen Menschen, Generationen vor uns haben ohne den Energiehunger gelebt, den wir heute an den Tag legen. Es geht doch nicht, dass wir Rohstoffe und Energie verbrauchen für Ideen, die auf dem Müll landen!"

Dazu Wolfgang Schölkopf: "Wir müssen unsere Ansprüche beim Ressourcenverbrauch einschränken. Wir müssen effizienter und besser werden."

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Förster Robert Nörr:

"Niemand erweckt die Illusion, wir könnten unseren Energiebedarf über Holz decken. Allerdings spielt die Biomasse - und insbesondere das Holz - häufig in den Diskussionen nur eine Nebenrolle. Warum? Vor allem Holz liefert mehr Energie, als es Windräder bei uns je leisten können. Es wächst natürlich nach, gestaltet die Landschaft, statt sie zu beeinträchtigen, und benötigt weder Dünger noch viel Energie, um zum Endkunden zu gelangen. Wer den Wald pflegen will, muss ihn nutzen. Mit Holz zu heizen boomt. Da haben wir ein ganz schönes Potential, aber wir können noch mehr."

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ÖDP-Chef Josef Maier:

"Die Europäische Union plant derzeit ein Projekt in Nordafrika, das Europa mit Solarstrom versorgen soll. Wir pumpen derzeit so viel Geld nach Griechenland. Deshalb wäre meine Frage: Ist es technisch machbar, Griechenland so an das Stromnetz anzubinden, dass das Projekt Nordafrika nach Griechenland verlegt wird? Auf diese Weise würde die Wertschöpfung indirekt zurück nach Deutschland fließen."

Dazu Wolfgang Seiler: "Technisch wäre das machbar. Wir wissen nicht, was in Nordafrika passiert. Ich halte es für gefährlich, da so viel Geld zu investieren."

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