Icking"Infrastruktur verkraftet kein großes Wachstum"

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Bürgermeisterin Margit Menrad stellt sich in diesem Jahr einer neuen Wahl. Im SZ-Interview spricht über künftige Herausforderungen - und schließt Windräder in der Gemeinde nicht aus.

Isabel Meixner

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Die Ickinger Bürger wählen am 1. Juli 2012 ihren Bürgermeister auf acht Jahre - oder ihre Bürgermeisterin. 2006 trat Margit Menrad, bis dahin Bauamtsleiterin im Rathaus, die Nachfolge von Hubert Guggenmos an, der an Krebs gestorben war. Im SZ-Interview spricht sie über künftige Herausforderungen, mögliche Kritik an ihrem Führungsstil und Windräder in der Gemeinde.

Noch kein Gedanke an Wahlkampf: "Für mich läuft die normale Arbeit weiter, und wir werden sehen, was da noch kommt."
Noch kein Gedanke an Wahlkampf: "Für mich läuft die normale Arbeit weiter, und wir werden sehen, was da noch kommt." Hartmut Pöstges

Verschwenden Sie schon Gedanken an den Wahlkampf?

Nicht wirklich. Für mich läuft die normale Arbeit weiter, und wir werden sehen, was da noch kommt.

Früher waren Sie in der Verwaltung tätig, jetzt stehen Sie als Bürgermeisterin im Rampenlicht. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen?

Die Umstellung war größer, als ich gedacht habe - obwohl ich im Nebenzimmer von Herrn Guggenmos saß und vieles mitgekriegt habe. Die Bandbreite in der Kommunalpolitik ist unwahrscheinlich groß, von Kinderbetreuung über Baurecht, Mobilfunk, Friedhof, Wasserrecht bis zum Straßenausbau. Am Montag nach meiner Wahl etwa hatte ich ein Gespräch mit der Mittagsbetreuung, die damals ehrenamtlich in der Grundschule angeboten wurde. Die Kinder waren in Kellerräumen untergebracht und es war viel zu eng. Das Haus der Kinder zu bauen war die folgerichtige Idee, die der Gemeinderat dankenswerterweise mitgetragen hat.

Was hat sich außer dem Haus der Kinder in Icking seit 2006 noch geändert?

An Großprojekten hat uns der Kreisverkehr jahrelang beschäftigt, bis wir endlich die Finanzierung geklärt hatten. Die Gemeinde hätte das alleine nicht gestemmt. Dann die Rathausrenovierung, die wir nun abgeschlossen haben. Jetzt geht es weiter mit der Rathausplatz-Gestaltung und der B 11. Das wird uns in den nächsten Jahren noch beschäftigen.

Im Gemeinderat treffen unterschiedliche Mentalitäten aufeinander, die Doktoren und die Alteingesessenen. Ist es schwierig, dieses Gremium zu bändigen?

Nein, dieser Gemeinderat ist sehr sachlich bei der Arbeit. Die Sitzungen laufen sehr diszipliniert ab. Wir haben sechs Gruppierungen, und allen geht es um Icking. Natürlich gibt es unterschiedliche Auffassungen, was das Beste für Icking wäre, aber das wird sachlich ausdiskutiert und nie nach Parteien.

Wenn Sie sich in die Rolle des größten Quertreibers im Gemeinderat hineindenken: Was würden Sie an sich kritisieren?

(überlegt) Vielleicht sind die Gemeinderatssitzungen "zu gut vorbereitet", sodass manche meinen, sie dürften gar nicht mehr darüber diskutieren. Das ist aber nicht meine Absicht. Ich will die Sitzungen ausführlich vorbereiten, damit die Gemeinderäte wissen, was sie erwartet, und sich vorbereiten können. Damit möchte ich aber keine Diskussion abwürgen. Ich fand es etwa schade, dass es beim Flächennutzungsplan zur Ortsentwicklung von Icking im Gemeinderat relativ wenige Wortmeldungen gab; in der Klausur haben wir einen ganzen Tag darüber geredet.

Befürchten Sie, dass der Ton in den Gemeinderatssitzungen in den nächsten Monaten schärfer wird?

Das ist wohl allgemein üblich, hab' ich mir sagen lassen. Mir fehlt noch die Erfahrung. Schauen wir, wie es weitergeht.

Derzeit sieht es nicht danach aus, dass die anderen Parteien Bürgermeisterkandidaten aufstellen. Sehen Sie das als Bestätigung Ihrer Politik?

Wenn sie keinen Gegenkandidaten aufstellen, weil sie mit mir zufrieden sind, dann kann ich das als Bestätigung sehen und es freut mich. Wenn sie keinen Gegenkandidaten mangels Alternative aufstellen, dann wäre das ein Armutszeugnis. Aber das glaube ich nicht.

Wissen Sie noch, was im Jahr 2003 war?

Im Bezug auf was?

Generell. Damals war beispielsweise Gerhard Schröder noch Bundeskanzler und Johannes Rau Bundespräsident.

Nein, das beziehe ich nicht auf konkrete Jahre. Da müsste ich erst zurückrechnen, wann welche Bundestagswahl war.

2003 ist acht Jahre her. Der nächste Ickinger Bürgermeister soll auf acht Jahre gewählt werden. Ist das noch demokratisch?

Unabhängig von der Amtszeit ist es eine demokratische Wahl. Trotzdem würde ich nie dafür plädieren, die Amtszeit eines Bürgermeisters generell auf acht Jahre festzulegen. Wir sind in Icking durch den Tod von Hubert Guggenmos aus dem Takt gekommen, und das Ziel ist nun, Bürgermeister- und Kommunalwahl wieder zu vereinheitlichen.

Wie sieht Icking im Jahr 2020 aus?

Dann sind wir - so der Gemeinderat will - moderat gewachsen. Ich hoffe, dass weiterhin junge Familien zuziehen. Wir tun einiges dafür, und auch das Gymnasium vor Ort und der S-Bahn-Anschluss sind wichtig.

Welche Themen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Kinderbetreuung wird uns weiter beschäftigen. Eine Krippe zu bauen ist nicht das Problem, sondern das Betreuungspersonal zu finden. Erzieherinnen sind momentan mit das gesuchteste Personal in Deutschland. Der andere Eckpunkt sind die Senioren. Derzeit bin ich mit unserem Seniorenbeauftragten im Gespräch, ob eine Senioren-WG eine Möglichkeit wäre für Leute, die nicht mehr alleine wohnen können, aber nicht in ein Altersheim gehen möchten. Ein weiteres wichtiges Thema ist, eine Nahversorgung im Ortskern zu haben, dass wir die Läden im Rathaus und den Supermarkt erhalten können und nicht gezwungen sind, im Außenbereich eine Discounter-Landschaft zu errichten.

Ein weiteres Thema ist die Energie.

Da bin ich sehr gespannt, was auf uns zukommt. Wir müssen sehen, wie wir die regenerativen Energien stärken können. Ich finde es sehr positiv, wie sich die Dächer in Icking entwickelt haben. Es wäre schön, wenn wir entlang der Autobahn eine Fläche fänden für ein Solarfeld. Auch in Sachen Windkraft müssen wir weiterschauen.

Werden Sie 2020 von Ihrem Büro aus auf Windräder schauen?

Ich denke nicht, dass wir am Isarhochufer auf Windräder schauen werden, aber im Gemeindegebiet kann ich mir das durchaus vorstellen.

Akzeptiert eine Bürgermeisterin Menrad Windräder im Gemeindegebiet?

Ich kann mir das durchaus vorstellen. Ich muss sagen, dass mich ein Windrad nicht schreckt. Für mich ist es eher ein beruhigender Anblick, weil ich dann sagen kann, dass ich meinen Kindern keinen Atommüll hinterlasse. Die Windkraft gehört zur Energiewende.

Sprechen wir über das Thema Wachstum: Die Gemeinde hat strenge Kriterien beim Hausbau. Ein Grundstück für ein Einfamilienhaus muss 900 Quadratmeter groß sein, für ein Doppelhaus 1200 Quadratmeter. Will die Gemeinde nur Reiche anziehen ?

Nein. Wir sehen es eher unter dem Aspekt, die ländliche Bebauung zu erhalten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Quadratmeterpreis in dem Moment steigt, in dem die Grundstücksgröße beispielsweise auf 600 Quadratmeter reduziert wird. Wir müssen bedenken, was wir für ein Straßennetz haben: Die Straßen sind nicht übermäßig breit, es fehlen oftmals Gehwege. Wenn noch mehr Autos auf den Straßen stehen, noch mehr Kinder zur Schule gehen, wäre das Bedürfnis nach Gehwegen noch größer. Die Infrastruktur in Icking ist nicht so ausgelegt, dass sie ein großes Wachstum verkraftet.

Einige Bürger haben sich zuletzt ein Ortszentrum am Sparkassen-Platz gewünscht. Wird das nach dem Rathaus-Umbau die neue Ickinger Großbaustelle?

Ein Großprojekt kann es nicht werden, weil wir dort baulich sehr eingeschränkt sind. Man kann den Platz aber sicher ansprechender gestalten. Bürgermeister Guggenmos hatte überlegt, ob man das Rathaus dorthin verlegt und ein Zentrum schafft. Das hätte aber den ganzen Verkehr in das Wohngebiet geleitet. Von daher bin ich sicher, dass das Rathaus an der B 11 gut aufgehoben ist.

© SZ vom 02.01.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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