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Die Alleinerziehende Miriam D. hat einen kranken Sohn. Medikamente und Hilfsmittel kosten viel Geld

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Aussprechen mag es Miriam D. (Name geändert) nicht, doch in ihren Augen, ihrer Mimik ist es deutlich abzulesen: Was, wenn auch noch die Hoffnung schwindet? Rund zwei Jahre sind vergangen, seit ihre schlimmsten Befürchtungen in einer Diagnose mündeten: Ihr Sohn hat Krebs, eine besonders aggressive Form obendrein. Und als wäre das nicht schlimm genug, lässt ihn eine Operation, die ihm eigentlich den Tumor entfernen sollte, schwer verletzt zurück.

Mit einem spitzen Instrument, das zur Kontrolle des Gewebes diente, aber offenbar falsch angewinkelt wurde, wurde er verletzt. Weil die Familie unerkannt bleiben möchte, müssen manche Details im Dunklen bleiben.

Nur so viel: Die Blutungen und Verletzungen waren so stark, dass aus der eigentlich zweistündigen Operationen eine fast zehnstündige Not-OP wurde, während draußen die Mutter um das Leben des Buben bangen musste.

"Vor wenigen Jahren erst habe ich meine Mutter durch Krebs verloren, vor fünf Jahren meinen Vater", erzählt Miriam D. Sie habe lange gebraucht, um diese Verluste zu verarbeiten. Während der Pflege ihrer Eltern sei sie selbständig gewesen und hätte damit die kleine Familie - der Vater ihres Sohnes zahlt keinen Unterhalt und will keinen Kontakt - über Wasser gehalten. Vor drei Jahren habe sie aber versucht, in ein Angestelltenverhältnis zu kommen, "weil es einfach etwas sicherer ist", sagt sie. Miriam D. erhält einen Jahresvertrag mit Option auf Verlängerung. Doch zwei Monate vor dem entscheidenden Ablaufdatum gerät sie beim Pendeln zur Arbeit mit ihrem Fuß in die Lücke zwischen Bahntür und Bahnsteig. Sie kann ihn gerade noch herausziehen, bevor die Bahn losfährt, verdreht sich dabei allerdings das Kniegelenk und liegt damit wochenlang flach. "Der Krankheitsausfall war dann das Aus für meine Vertragsverlängerung", sagt sie. Als sie sich gerade wieder aufgerappelt hatte und erneut auf Arbeitssuche geht, bemerkt sie, wie ihr Sohn immer blässer und lustloser wird. "Zuerst denkt man sich, vielleicht verschleppt er einen Virus, aber als er selber sagte, irgendwas stimme nicht, wird man schon hellhörig", erzählt sie. Miriam D. geht mit ihm zum Arzt, wo ein großes Blutbild angefertigt wird. Doch erst nach zahlreichen weiteren Untersuchungen steht ein schlimmer Verdacht im Raum, den es in einer Spezialklinik abzuklären gilt. Mutter und Sohn reisen mit dem Zug dorthin und nehmen noch am selben Abend die Rückfahrt auf sich.

Gerade wieder zuhause angekommen, klingelt das Telefon: "Sofort umdrehen, ihr Sohn hat einen bösartigen Tumor, der rasant wächst, und muss umgehend operiert werden", erinnert sie sich. Beiden zittern die Knie, können keinen klaren Gedanken mehr fassen. "Er hat dann eigentlich nur verweigert und getrotzt, er wollte das alles nicht, er wollte sich auch nicht operieren lassen", erzählt sie. Doch als er kurze Zeit später unter großen Schmerzen leidet, denkt er um.

Nach der folgenreichen Operation ist der Junge zwar tumorfrei, aber stark eingeschränkt, was seiner Genesung entgegen steht. Viele Alltäglichkeiten bereiten ihm Schmerzen und Mühe. "Er ist stark abgemagert, und wir kämpfen jeden Tag darum, dass er genug Kalorien zu sich nimmt", erzählt Miriam D. Das funktioniere vor allem über sogenannte hochkalorische Getränke, die allerdings die Kasse nicht komplett übernehme. "Die Eigenanteile von solchen Mitteln gehen sehr ins Geld", weiß sie. Und auch die Vorauszahlungen für Medikamente belasten das magere Budget der Alleinerziehenden. Dass neben den Medikamenten und den Hilfsmitteln für ihren Sohn kaum mehr etwas übrig bleibt, zeigt sich unerwartet deutlich während des Interviews: Das Sitzmöbel der Mutter bricht zusammen, das Holz der gebrauchten Gartenstühle, die als Wohnzimmermöbel dienen, ist morsch. Aus Mangel an Ersatz sitzen Mutter und Sohn fortan auf dem Boden, der Gast lehnt an der Wand.

"Ich bin wirklich nicht faul", betont Miriam B. am Ende noch einmal. "Ich würde sehr gerne arbeiten und selbst für alles sorgen. Eigentlich ein ganz normales Leben führen. Aber ich muss einfach im Moment für meinen Sohn da sein und das braucht meine ganze Kraft", erklärt sie, warum sie derzeit Leistungen bezieht, die ihr weniger als 400 Euro zum Leben lassen. "Wir fühlen uns wie in einer permanenten Ausnahmesituation, und es ist ein Spagat zwischen Krankheit und Leben, den wir eben irgendwie schaffen müssen, täglich aufs Neue", sagt sie. Und da sei jeder Funke Hoffnung ein Licht am Ende des Tunnels, fügt sie noch an.