SZ-Adventskalender Warten auf den Rollstuhl

Jochen G. ist nach einem Unfall schwer am Rücken verletzt

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

An jenen Tag, der sein Schicksal bestimmen sollte, kann sich Jochen G. (Name geändert) noch sehr genau erinnern, mit Datum und Uhrzeit sogar. Gerade einmal 17 Jahre alt war der heute Mitte 50-Jährige damals, als er seinen Eltern bei der Renovierung ihres Hauses half. Im obersten Stockwerk ging er über einige Balken und sah im letzten Moment, wie ein Nagel just an jener Stelle lag, auf die er gerade mit dem Fuß treten wollte. Instinktiv wich er aus, kam schief auf, verlor das Gleichgewicht - und fiel.

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Jochen G. stürzt drei Stockwerke tief. Er überlebt schwer verletzt, insbesondere sein Bein war komplett zertrümmert. Im Krankenhaus wurde er zwar eingehend untersucht, doch vor allem die Rettung seines Beines stand dabei im Fokus. Das gelang nach einem halben Jahr im Krankenhaus. Doch übersahen die Ärzte dabei, dass sich der damals 17-Jährige bei dem Sturz auch am Rücken verletzt hatte. Dass er fortan schneller erschöpft war als seine gleichaltrigen Kollegen nahmen zunächst weder er noch seine Familie wirklich ernst. Und dass er nach längerem Stehen, vor allem in seiner Lehrzeit und seinem handwerklichen Beruf später, immer stärkere Rückenschmerzen entwickelte, schob Jochen G. "auf die harte Arbeit, so wie das viele tun". Vor etwa zehn Jahren aber ging es einfach nicht mehr, sein Körper streikte: "Ich bin aufgewacht und meine Beine waren komplett taub", erinnert er sich. Für ihn beginnt eine "medizinische Odyssee", wie er es nennt. Bei einer Operation an den Bandscheiben erkennen die Ärzte, dass seine Nerven im Rückenmark "komplett verklebt sind und freigelegt werden müssen" - ein riskantes Unterfangen. Nach der Operation teilen ihm die Mediziner zudem mit, dass er nicht mehr arbeitsfähig sein wird. "Ich darf maximal noch drei Kilogramm heben, da geht schon jede Einkaufstüte drüber und wäre zu viel", sagt Jochen G.

Auch wenn die Operation erfolgreich war, so bleiben seine Nerven irreparabel geschädigt. Die Schmerzen sind geblieben. Inzwischen ist er auf Gehilfen angewiesen, um sich fortzubewegen. "Als nächstes wartet der Rollator, und irgendwann der Rollstuhl", weiß er. Den aber will er solange vermeiden wie möglich, obwohl seine Wirbelsäule, seine Nerven im Rücken so fragil sind, "dass eine falsche Bewegung ausreichen würde, damit ich querschnittsgelähmt bin". Aufgeben aber komme nicht infrage, betont er. "Ich will kämpfen, für jede Minute, in der es mir zumindest nicht schlechter geht." Doch große Sprünge sind mit seiner Frührente nicht möglich - die knapp 250 Euro, die ihm jeden Monat zum Leben bleiben, reichen gerade einmal für die Lebensmittel. Nun aber ist sein alter Computer kaputtgegangen, über den er kommunizieren und sich informieren konnte. "Wie ich mir einen Neuen anschaffen soll, weiß ich nicht", sagt er. "Aber es wäre ein Traum, wieder Anschluss an die Welt zu haben."