SZ-Adventskalender Nichts geht ohne Opiate

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Olaf Sch. braucht nach vielen Schicksalsschlägen Unterstützung

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Wie sehr doch so manch flüchtiger Eindruck täuschen kann: "Ich weiß, dass ich auf den ersten Blick wirke wie ein Bär", sagt Olaf Sch. (Name geändert), "aber es gibt eben diesen Unterschied zwischen dem, was man sieht und was dahinter steckt." In der Tat nimmt man den Mittfünfziger zunächst als sehr großen und sehr kräftigen, fast schon bulligen Mann wahr, als jemanden, den so schnell nichts aus der Bahn werfen kann. "Ich höre das immer wieder, ich sei ein Schrank, der kann doch zupacken", erzählt er. Was das Auge aber nicht sieht: Mehrere tückische Erkrankungen zerfressen ihm nach und nach die Gelenke, inzwischen hat Olaf Sch. zahlreiche Operationen hinter sich und diverse künstliche Teile im Körper. Ohne Schmerzmittel geht bei ihm nichts mehr: "Ich muss in der Früh als allererstes Opiate nehmen, damit ich überhaupt aus dem Bett kommen kann", erzählt er. Vor allem jeder Wetterumschwung und die Kälte des Winters setzten ihm zu: "Ich muss dann erst einmal anspringen, wie ein altes Dieselross, um mich irgendwann bewegen zu können."

Doch der Reihe nach: Als junger Mann beginnt Olaf Sch., als Möbelpacker und -schrauber zu arbeiten. Die Arbeit macht ihm Freude, als kräftigen Kerl kann ihn zunächst nichts aufhalten. Doch eine Hepatitis-Erkrankung bremst ihn Anfang der 1990er Jahre aus: Der junge Mann muss über Jahre behandelt werden, bis der Erreger schließlich nicht mehr nachzuweisen ist. Doch die Freude über die erfolgreiche Behandlung währt nicht lange: Wenige Jahre später stellen die Mediziner Krebs bei ihm fest. "Die Chemo war eine heftige Geschichte", fasst er sich kurz. Als auch hier nach vielen Monaten der Therapie keine Tumormarker mehr nachweisbar sind, hofft Olaf Sch., die größten Schicksalsschläge überwunden zu haben. "Sieben Jahre war daraufhin die magische Zahl - wenn ich solange krebsfrei bleiben würde, hätte ich es endgültig geschafft, haben mir die Ärzte gesagt." Doch ausgerechnet eine Woche vor Ablauf der Frist fanden Ärzte wieder einen Tumor. Die Behandlung beginnt von vorne. Dieses Mal schafft er es, die folgenden Jahre krebsfrei zu bleiben. In seinen alten Beruf aber findet er nicht wieder zurück: Nachdem es auch noch in der Partnerschaft Probleme gibt, wird Olaf Sch. "einige Jahre obdachlos", wie er erzählt. Nur mühsam schafft er es, wieder in ein geregeltes Leben zurückzufinden. Doch dann beginnen die Schmerzen in den Gelenken: "Ich habe Arthrose entwickelt, und zusätzlich auch noch Gicht". Was letztlich der Auslöser dafür ist, dass sich die Gelenke auflösen, ist auch den Medizinern nicht ganz klar: "Es kann eine Spätfolge der Hepatitis sein, oder aber mit dem Krebs zusammenhängen, vielleicht auch mit der Arthrose oder der Gicht", erzählt Olaf Sch. Fest steht nur, dass er inzwischen beide Hüften ersetzen lassen musste, ebenso eine Schulter. Das zweite Schultergelenk müsse in Kürze operiert werden.

Seit rund zehn Jahren ist er nun schon nicht mehr in der Lage, Vollzeit zu arbeiten. "Ich gelte als unvermittelbar", sagt er leise. Sein größter Wunsch? "Natürlich ist das Gesundheit, aber die kriege ich nicht mehr", ist sich Olaf Sch. klar. Helfen würde aber auch eine neue Matratze, denn der schmerzgeplagte Mann hat seine alte, dünne Rollmatratze bereits so durchgelegen, dass sich der Lattenrost abzeichnet. "Und ein paar Winterschuhe wären schön", fügt er noch leise an. Denn die Grundsicherung lasse ihm gerade einmal 220 Euro im Monat. "Große Sprünge sind da einfach nicht drin."