SZ-Adventskalender Knoten im Leben

Nach der Diagnose Krebs musste Elisabeth H. die Brust abgenommen werden. (Symbolbild)

(Foto: dpa)

Nach ihrer Brustkrebsbehandlung muss Elisabeth H. mit einer kleinen Rente auskommen, die nur für das Nötigste reicht.

Von Petra Schneider

Das vergangene Jahr war für Elisabeth H. (Name geändert) ein hartes Jahr. Beim Duschen ertastete sie drei Knoten in der linken Brust, bösartig, die Brust musste abgenommen werden. Ein Brustimplantat hat ihr Körper abgestoßen. Die Wunde eiterte, wollte nicht heilen. Nach der fünften Operation wurde das Implantat schließlich entfernt. "Meine Brust sieht hässlich aus", sagt H. "Das ist wie eine Verstümmelung".

Um sie zu kaschieren, trägt sie spezielle BHs mit einem Polster, die von der Krankenkasse nur zum Teil gezahlt werden. 25 Tage lang wurde sie bestrahlt, "das nimmt einen schon mit", sagt H. Man fühle sich müde und schlapp, könne gar nicht klar denken. Trotzdem habe sie Glück gehabt. Der Krebs hat nicht gestreut, weil H. die Knoten in ihrer Brust rechtzeitig entdeckt hatte.

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Diesen Moment werde sie nie vergessen, sagt sie: "Ich bin im Behandlungszimmer gestanden und habe laut Juhu geschrien." Keine Chemo, "darüber war ich so froh." Trotzdem muss sie Medikamente nehmen, damit bösartiges Gewebe, das möglicherweise in ihrem Körper lauert, in Schach gehalten wird: eine fünfjährige Hormontherapie, die schwere Nebenwirkungen hat.

H. hat im ersten Jahr der Therapie 20 Kilo zugenommen. Daran hätten weder Sport noch Diäten etwas geändert, erzählt sie. Das zusätzliche Gewicht belastet die Bandscheiben, ihr Immunsystem ist am Boden. Ständig habe sie Infekte, fiebrige Erkältungen, Bronchitis, berichtet H. Erst kürzlich sei sie drei Tage im Krankenhaus gewesen, weil das Antibiotikum nicht angeschlagen hat. Sie muss aufpassen, dass sie sich nicht wieder einen Infekt einfängt, aber das ist schwer, bei den momentanen Minusgraden. Vor allem aber, wenn man wie H. keine vernünftige Winterkleidung hat, weil ihr nach der Gewichtszunahme nichts mehr passt.

Dabei sei sie ein Bewegungsmensch und ein Frühaufsteher, sagt H. "Wenn ich aufwache, gehe ich auf Wanderschaft." Sie braucht das, damit ihr die Decke nicht auf den Kopf fällt und sie unter Leute kommt. Dann wandert sie los, mit einer Regenjacke, einem dünnen Pulli, einem Unterhemd, das viel zu kurz ist und abgetragenen Winterstiefeln. Im Schlafzimmer ihrer kleinen Wohnung gibt es keine Vorhänge. Sie hat Handtücher vor die Fenster gehängt, damit sie das Zimmer im Sommer, wenn es abends lang hell ist, abdunkeln kann.

H. ist eine patente Frau, die nicht jammert und immer wieder lacht. Ihr Leben lang hat sie gearbeitet, die Mutter bis zum Tod gepflegt und ihren Sohn alleine großgezogen. Dessen Vater ist Amerikaner, H. hat mit ihm acht Jahre in den USA gelebt - Jahre, die ihr nun bei der Rente fehlen. Die Beziehung scheiterte, H. ging nach Deutschland zurück, als ihr Sohn elf Monate alt war. Sie arbeitete als Verkäuferin in einer Metzgerei, dann in einer Bäckerei, bis diese pleite ging und sie ihren Job verlor. Die Umschulung zur Betreuungshelferin habe sie "mit einer Eins bestanden", anschließend in einem Pflegeheim gearbeitet. Ein Job, der ihr Spaß gemacht habe; mit den alten Leuten Mensch-Ärgere-dich-nicht spielen, spazieren gehen, reden oder einfach die Hand halten.

Als der Krebs kam, hat sie gekündigt, "weil ich nicht weiß, wie es bei mir weitergeht." Und weil sie nicht wollte, dass ihre Stelle nicht nachbesetzt werden kann - im Pflegeheim, wo jede Kraft gebraucht werde, wie sie sagt. Die kleine Rente, die sie seitdem bekommt, reicht ihr für das Nötigste. Aber neue Winterkleidung und Schuhe, zwei zusätzliche Spezial-BHs und Vorhänge sind einfach nicht drin. Das wäre ihr Weihnachtswunsch. "Und dass ich Heilig Abend ohne Bronchitis mit meinem Sohn feiern kann."

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