SZ-AdventskalenderHilfe für ein traumatisiertes Kind

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Gudrun L. hat ihre Enkelin bei sich aufgenommen, kann das Leben aber kaum finanzieren. Dazu kommt noch ein Streit mit dem Jugendamt.

Von Isabel Meixner

Das Zusammenleben mit ihrer Enkelin Conny ist anstrengend. Das gibt Gudrun L. (Name geändert) zu. Die Fünfjährige ist traumatisiert, seit ihr alkoholkranker Stiefvater sie in den dunklen Keller gesperrt, ihr Gewalt angedroht und sie im Suff angeschrien hat. Seit eineinhalb Jahren wohnt Conny bei ihrer 49-jährigen Oma, und jedesmal, wenn sie auf neue und auf viele Menschen trifft, bekommt die Fünfjährige Wutausbrüche. "Conny ist sehr schwierig", sagt Gudrun L., doch sie möchte sich weiter um ihre Enkelin kümmern. Wenn sie denn darf: Das Jugendamt will Conny in ein Heim einweisen, weil es nicht glaubt, dass die arbeitslose Bäckereiverkäuferin und Mutter eines zwölfjährigen Mädchens sich gut genug um das Kind kümmern kann.

Bei dem Gedanken bricht Gudrun L. in Tränen aus: "Conny braucht eine Bezugsperson." Die Kleine habe Angst vor Fremden. Neulich war sie mit ihr im Gottesdienst, und die Kirche war wegen der Adventszeit besonders voll. "Das hat sie nicht ausgehalten." Conny sei nach draußen gelaufen und habe geschrien. Auch Christkindlmärkte und andere Menschenansammlungen vermeidet L. Mit einem Rechtsanwalt kämpft sie nun um die Kleine. Wie sie die Rechnung anschließend bezahlen soll, weiß sie nicht.

Seit Oktober ist sie arbeitslos, Arbeitslosengeld hat sie bis jetzt nicht gekriegt. Ihr Chef habe den befristeten Vertrag nicht verlängert - im beiderseitigen Interesse, wie die 49-Jährige sagt. Er sei cholerisch gewesen und habe ihr vorgeworfen, Brot für sich zur Seite gelegt zu haben. "Und das stimmte nicht", beteuert L. Auch fühlte sie sich unverstanden, wenn sie wegen ihrer kranken Tochter fehlte oder an Wochenenden nicht arbeiten konnte, weil sie keine Betreuung für die Kinder hatte.

Bisher hat sie sich, ihre Tochter und ihre Enkelin von ihrem Urlaubsgeld durchgebracht. Zwischenzeitlich hat sie sich auch 1500 Euro von ihrem Arzt geliehen. Nun sind alle Rücklagen aufgebraucht. "Ich hoffe, dass bis Weihnachten das Geld da ist. Dann ist der Alltag abgedeckt", sagt sie. Aber auch nicht mehr. Die Anwaltskosten stünden noch offen. Der SZ-Adventskalender möchte der alleinerziehenden Mutter helfen. "Das Schlimmste ist, dass ich keine Zeit für mich habe." Und für ihre Tochter. Einen Babysitter akzeptiere Conny nicht, selbst wenn gute Freunde auf sie aufpassen, könne sie die drei Nächte darauf nicht mehr schlafen, sagt Gudrun L.

Neulich habe Conny Angst gehabt, dass der Nikolaus nicht kommt. Im Kindergarten wurde ihr erzählt, dass der nur liebe Kinder besuche. "Sie glauben gar nicht, wie erleichtert Conny war, als am Morgen ein Säckchen vor ihrer Tür stand", erzählt Gudrun L. Sie hofft, dass sie auch nächstes Jahr Nikolaus für ihre Enkelin spielen kann. Und dass sie den Kampf um das Kind gewinnt.

© SZ vom 20.12.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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