SZ-Adventskalender Wenn eine Spende zum Glück wird

Marica Däumling hat dank der SZ-Leser eine Opernaufführung in München besucht. Die Musiklehrerin lebt von 750 Euro im Monat und hat sich über den Ausflug sehr gefreut.

Von Ingrid Hügenell

Günther Neumann (v.l.), Petra Schlickenrieder, Günther Stingl, Monika Rapisarda, Hubert Stiegler und Jana Ratajczak helfen bei der Tafel Loisachtal.

(Foto: Manfred Neubauer)

Marica Däumling hat sich einen ganz besonderen Tag gemacht in München. Erst spazierte sie bei wunderbarem Sommerwetter durch die Münchner Fußgängerzone, abends ging es in die Oper, "La Cenerentola" von Gioachino Rossini. "Das war so schön", sagt die 68-jährige Musiklehrerin, die von 750 Euro im Monat in einfachsten Verhältnissen in Bad Tölz lebt und sich Extravaganzen wie einen Ausflug nach München sonst nicht leisten kann.

Deshalb hatte sie sich im vorigen Jahr vom Adventskalender der Süddeutschen Zeitung einen Opernbesuch gewünscht. Ihre kurze Geschichte erschien am 24. Dezember 2016 in der SZ, woraufhin sich ein Leser aus Kassel meldete. Er bot an, Marica Däumling die Opernkarte, das Zug-Ticket nach München und sogar einen Imbiss in der Pause zu spendieren. Am 10. Juni 2017 fuhr Däumling schon nachmittags in die Landeshauptstadt, wo sie in der Fußgängerzone prompt Musiker traf, die sie aus Bad Tölz kannte.

Und dann ging es ins Nationaltheater, für die musikbegeisterte Frau, die selbst Querflöte spielt, zum ersten Mal überhaupt. Die Inszenierung kommentiert Däumling durchaus kritisch: Die sei zu sehr auf lustig gemacht gewesen. Die Spende für den Pausenimbiss verwendete sie lieber für einen Schweinsbraten in einem Münchner Biergarten. Da ein weiterer großzügiger Leser speziell für Marica Däumlung spendete, die sich ehrenamtlich bei der Tafel und als Flüchtlingshelferin engagiert, konnte sie auch in Bad Tölz einen "Anatevka"-Aufführung genießen und sogar einen Busausflug auf die Insel Mainau unternehmen. "Ich hab' mir Sachen geleistet!", sagt sie glücklich. Besonders gefreut habe sie, dass beide Spender bei ihr anriefen und sie sich so persönlich bedanken konnte. "Ich bin wirklich begeistert, dass es so nette Menschen gibt", sagt sie. Und: "Ich muss mich nicht genieren, dass ich arm bin. Es gibt so viele Arme." Auch Thomas Schneider freut sich immer noch über die großzügigen Spenden der SZ-Leser. Der frühere Kämmerer von Benediktbeuern und Bichl ist einer der Initiatoren der Tafel für das Loisachtal. Erst seit Januar 2017 versorgt sie an einer Ausgabestelle in Kochel am See Menschen mit Essen. Der Adventskalender half bei der Anschaffung eines Kühlfahrzeugs, mit dem die Lebensmittel auch im Sommer sicher transportiert werden können. 34 Helfer sind bei dem Projekt dabei.

Sie versorgen derzeit etwa 30 Menschen mit Lebensmitteln, die vor allem von Supermärkten und Bäckereien gespendet werden. "Zum Teil nehmen die Essen für sieben weitere Leute mit", sagt Schneider, der sich wünscht, dass noch mehr Menschen ihre Scheu ablegen und zur Tafel kommen. Das Angebot müsse auch noch bekannter werden. Die Verteilung findet jeden Montag von 11.30 Uhr an im "Monaco-Keller" neben dem Kino in der Heimatbühne statt.

Auch der Betrieb Gaißach der Oberland Werkstätten, in denen Menschen mit Behinderung arbeiten, bekam ein neues Fahrzeug. Es wird gebraucht, um die behinderten Arbeitnehmer beispielsweise zu Außenarbeitsplätzen, Praktikumsstätten oder zu Veranstaltungen zu bringen, die der beruflichen Bildung und der Inklusion dienen. Das alte Fahrzeug war zu klein geworden, in dem neuen finden auch Rollstuhlfahrer besser Platz.

Unterstützt werden konnten zudem Menschen, auch Familien, die nicht genug Geld haben, um sich etwa eine neue Brille, Küchengeräte, eine Matratze oder Winterkleidung zu kaufen. Persönlich und in Briefen an den Adventskalender haben auch sie ihren Dank ausgedrückt.