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SZ-Adventskalender:Allein, alt und hoch verschuldet

Theresia F. wurde von ihrem eigenen Sohn ausgenutzt und hintergangen. Nun musste sie ihr Hab und Gut verkaufen.

Theresia F. (alle Namen geändert) hat für ihren Sohn Jens alles getan: ihn bei sich einziehen lassen, als er 2005 finanzielle Schwierigkeiten hatte, Verträge unterschrieben, für ihn gebürgt, als er eine eigenen Firma aufbauen wollte. Nun, sechs Jahre später, steht sie vor den Scherben ihrer Existenz: Ihr Sohn saß wegen Betrugs zwei Jahre im Gefängnis und brach den Kontakt zu ihr ab, Theresia F. blieb auf 20 000 Euro Schulden sitzen und musste Privatinsolvenz anmelden.

Pleitegeier kreisen - Privatinsolvenzen in Berlin

Theresia F. bürgte für ihren Sohn, nun musste sie Privatinsolvenz anmelden. Die Schulden stottert sie mit ihrer Rente ab.

(Foto: dpa)

Heute erinnert kein Foto, kein persönlicher Gegenstand mehr in der Wohnung an den 51-Jährigen, Theresia F. weiß noch nicht einmal, wo er wohnt. Zu enttäuscht, zu hintergangen fühlt sich die Seniorin: "Er hat mich belogen und betrogen. Ich habe keinen Sohn mehr."

2005 begann die "Lügengeschichte", wie Theresia F. sagt. Ihr Sohn zog bei ihr ein. Kurze Zeit später unterzeichnete sie den ersten Vertrag für ihn: für ein Handy. Es folgte die Firmengründung. "Da hat er mich ganz toll als Geschäftsführerin eingesetzt", sagt Theresia F. mit sarkastischem Unterton. Das gekaufte Auto lief auf ihren Namen, die Vertragspartner wendeten sich mit offenen Rechnungen und später Anwaltskosten an sie.

Jens F. konnte zu diesem Zeitpunkt keine Verträge unterschreiben: Er hatte einen Offenbarungseid leisten müssen. Das erfuhr seine Mutter aber erst später von der Justiz: "Ich habe vieles nicht gewusst. Jetzt bin ich diejenige, die den Kopf hinhalten muss." Als Theresia F. kürzlich einen neuen Telefonvertrag für 9,95 Euro monatlich abschließen wollte, wurde der ihr verwehrt - wegen ihrer Privatinsolvenz.

Ob sie es nicht verwunderte, dass sie für ihren erwachsenen Sohn, einen Versicherungskaufmann, Verträge unterschreiben sollte? "Ich wollte ihm keine Prügel zwischen die Beine werfen", sagt die Rentnerin. Sicherlich habe sie immer wieder nachgefragt. Doch sie bekam nur Lügen und Ausreden zu hören. Erst als ihr Sohn wegen Betrugs vor Gericht stand, erfuhr sie von den Ermittlern Einzelheiten: So hatte Jens F. andere Menschen um eine Viertel Million Euro betrogen.

Was er mit dem Geld gemacht hatte? "Er hatte kein Haus, keine Drogenprobleme. Ich kann mir nicht erklären, wo das Geld hingekommen ist." Seit fünf Jahren stottert sie die Schulden mit ihrer Rente ab. Zum Leben bleibt ihr nach Abzug der Miete weniger als der Hartz-IV-Mindestsatz. "Ab dem 20. bin ich jeden Monat pleite", sagt Theresia F. Ihren Schmuck hat sie verkauft, ihr Auto abgemeldet - ein großes Problem für die gehbehinderte Seniorin. "Ich bin jetzt 70 Jahre alt und will eigentlich noch ein paar Jahre leben und mich nicht ständig um seine Schweinereien kümmern", sagt Theresia F., und es klingt eher wie ein Flehen. Zu gerne würde sie einmal wieder ein Parfüm kaufen, shoppen oder einen Kaffee in einem Restaurant trinken - "einfach Sachen gönnen, die ich mir nicht mehr leisten kann."

Zwei Jahre dauert die Privatinsolvenz noch an. Wie es dann weitergeht, weiß Theresia F. nicht. Nur eine Sache, die weiß sie ganz genau: "Wenn mein Sohn heute kommen würde, würde ich den nicht mehr reinlassen. Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das Thema ist für mich erledigt."