Sylvensteinspeicher:Das Wasser ist knapp

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Sylvensteinspeicher: Dem Sylvensteinstausee kann man derzeit beim Schrumpfen zuschauen, jeden Tag sinkt der Wasserspiegel um weitere 16 Zentimeter.

Dem Sylvensteinstausee kann man derzeit beim Schrumpfen zuschauen, jeden Tag sinkt der Wasserspiegel um weitere 16 Zentimeter.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Reserve im Stausee ist seit Dienstag zur Hälfte aufgebraucht. Der Durchfluss in die Isar wird gedrosselt. Das hat Folgen für die Stromerzeugung und das Freizeitangebot.

Von Tobias Bug

Der Flößer ist am Apparat. Ob sie nicht wieder mehr Wasser durchlaufen lassen könnten, fragt er, der Pegel der Isar sinke und mache die Floßfahrt von Wolfratshausen nach München bald unmöglich. Leider nicht, antwortet Andrea Kröner. Seit Juni hat es keine nennenswerten Niederschläge gegeben, die den Sylvensteinspeicher hätten auffüllen können. Deshalb musste Kröners Arbeitgeber, das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, die Durchlaufmenge senken. Nur sieben Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen derzeit aus den Zuflüssen Isar, Dürrach und Walchen in den Speicher, der gebaut wurde, um Hochwasser in Bad Tölz, Wolfratshausen oder München zu verhindern - und, eben, um genug Wasser in die Isar einzuspeisen. Diese Aufgabe erfüllt er weiterhin. Doch angesichts der anhaltenden Trockenheit und Hitze muss das Wasserwirtschaftsamt den Durchlauf drosseln, um nicht komplett die 28 Millionen Kubikmeter Wasser zu verlieren, die im Speicher zum Zwecke der "Niedrigwasserauffüllung" bereitgehalten werden. Denn die Niedrigwasserreserve ist seit Dienstagfrüh zur Hälfte aufgebraucht.

Sylvensteinspeicher: Zwei Frauen stehen auf einer durch den Wassermangel freigelegten Insel im Sylvensteinstausee.

Zwei Frauen stehen auf einer durch den Wassermangel freigelegten Insel im Sylvensteinstausee.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Man kann der Reserve gewissermaßen zuschauen beim Schrumpfen, der See zieht sich von den Ufern zurück, braune Streifen entstehen ringsum. Das Sommerstauziel von 750 Metern Pegelhöhe über Normalnull ist längst unterschritten, aktuell notiert der Seespiegel bei 745,3 Metern, und jeden Tag sinkt er um weitere 16 Zentimeter. "Wenn es so bleibt wie jetzt, sind wir in vier Wochen leer", sagt Andrea Kröner, und meint damit die Niedrigwasserreserve. Denn ausgetrocknet ist der Sylvensteinspeicher dann nicht, bloß die vorgehaltene Menge für Trockenperioden. Dann allerdings "können wir nur noch so viel Wasser abgeben wie einfließt", sagt Kröner. Damit es nicht so weit kommt, drosseln sie schon seit Wochen den Ausfluss.

20 Kubikmeter pro Sekunde müssen an der Isar in Bad Tölz ankommen, so ist es festgeschrieben. Bleibt Regen aus, knallt die Sonne und unterschreitet der Pegel eine Grenze, "bin ich rechtlich nicht mehr daran gebunden", sagt Kröner. Dann gibt es einen Stufenplan. Seit Dienstag werden nur zwölf Kubikmeter pro Sekunde durchgelassen, in Bad Tölz kommen 15 an. Seitenbäche wie die Jachen steigern den Abfluss. Das Wasserwirtschaftsamt kann mit der Anlage genau regulieren, wie viel Wasser in die Isar fließt, und zwar "auf 100 Liter genau", erklärt Andrea Kröner. Sinkt der Wasserpegel, hat das Folgen: für die Stromerzeugung, für Flora, für Fauna, für Flößer.

Um mit der Stromerzeugung anzufangen: Beim Isarkraftwerk in Bad Tölz, das mit seiner Fallhöhe von knapp siebeneinhalb Metern bis zu zehn Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt, sind sie noch entspannt. Eine der zwei Turbinen ist gerade sowieso in der Wartung und wird noch bis Mitte Oktober repariert. "Aktuell ist das gar kein Problem, die Trockenheit hat keine Auswirkungen auf den Betrieb", sagt Michael Betzl von den Stadtwerken Bad Tölz. Die verbleibende Turbine läuft unter Volllast und erzeugt fleißig Strom. Mindestens 15 Kubikmeter pro Sekunde an Wasser braucht sie dafür. Gutes Timing, genau diese Menge kommt gerade in Tölz an. Sinkt der Seespiegel jedoch, theoretisch, um weitere zwei Meter, dann wird das Wasserwirtschaftsamt den Abfluss so regulieren, dass nur noch zwölf Kubikmeter pro Sekunde in Tölz angelangen. "Dann würde das Isarkraftwerk weniger Strom produzieren", sagt Betzl vom Kraftwerkbetreiber.

Sylvensteinspeicher: Michael Betzl von den Stadtwerken Bad Tölz.

Michael Betzl von den Stadtwerken Bad Tölz.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Auf Flora und Fauna hingegen hat der niedrige Wasserstand noch keine direkten Auswirkungen, sagt Kröner. "Die Wassertemperatur ist viel ausschlaggebender. Das warme Wasser setzt Fische und andere Tiere unter extremen Stress." Daran kann freilich auch der Sylvensteinspeicher wenig ändern, obwohl "wir versuchen, viel kühles alpines Wasser durchzulassen". Sie ist zuversichtlich, zumal es solch niedrige Wasserstände im Schnitt alle fünf Jahre gebe, zuletzt 2018. Gute Nachrichten: "Fürs Wochenende sind starke Niederschläge angekündigt. Es kommt eine Entspannungsphase." Für die kommenden drei Wochen prognostizierten ihre Vorhersagemodelle Niederschläge. Ob das Wasser da runterkomme, wo es gebraucht wird, um Isar, Dürrach, Walchen und Sylvensteinspeicher zu füllen, ist unklar. Klar ist: Wenn der Regen den Seespiegel wieder steigen lässt, muss das Wasserwirtschaftsamt die Anlage wieder weiter öffnen, damit mehr Wasser fließt. Den Flößer würd's freuen.

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