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Südliches Isartal:Antrag auf neues Naturschutzgebiet

Die Grünen wollen für die Auenlandschaft und die Hangwälder nördlich der Dürnsteiner Brücke einen besseren Schutz. Sie verweisen auf viele Vogel- und Fischarten sowie Orchideen. Nicht alle Beteiligten reagieren optimistisch.

Benjamin Engel

Das südliche Isartal und die angrenzenden Hangwälder zwischen Großhesseloher Brücke und Kloster Schäftlarn sollen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Das fordern die Kreistags-Grünen im Landkreis München. Der Landkreis München soll dies bei der Regierung von Oberbayern beantragen. In ihren Sitzungen diese Woche sollen nun die Gemeinderäte von Baierbrunn, Schäftlarn und Straßlach dazu Stellung nehmen. "Alle Voraussetzungen für ein Naturschutzgebiet sind dort erfüllt", sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Kreisrat Toni Hofreiter.

Floßfahrten Flößer Isarkanal Schäftlarn

Die Floßfahrten führen, auch wenn es bei Schäftlarn durch den Isarkanal geht, durch eine einzigartige Flusslandschaft, die bisher durch die europäische FFH-Richtlinie geschützt ist. Den Grünen reicht das nicht.

(Foto: Manfred Neubauer)

Etwas kritischer beurteilt Schäftlarns Bürgermeister Matthias Ruhdorfer die Situation. "Die Überschwemmungsgebiete, in denen sich die Isar ausbreiten kann, sollen sehr naturnah sein", sagt Ruhdorfer. Ob sich aber die kulturlandschaftlich genutzten Bereiche wie Wiesen und Wälder für ein Naturschutzgebiet eignen, bezweifelt er. Die Kläranlage der Gemeinde im Bereich von Kloster Schäftlarn hält er in dem Zusammenhang für ein Problem. "Wir wollen uns da nichts verbauen", sagt er.

Im betreffenden Bereich ist das Isartal bereits heute als Landschaftsschutz- und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet ausgewiesen. Damit unterliegt es einem sogenannten Verschlechterungsverbot, das heißt, der jetzige Zustand muss mindestens gehalten werden. Mit dem Status als Naturschutzgebiet lassen sich zulässige Nutzungen und Eingriffe nach Ansicht der Grünen zielgenauer und ortsbezogener regeln. "Bestimmte Gebiete, etwa für Umgehungsstraßen, können aus einem FFH-Gebiet unter bestimmten Voraussetzungen wieder herausgenommen werden", sagt Susanna Tausendfreund, Landtagsabgeordnete der Grünen und Kreisrätin im Landkreis München. Ein solches Vorgehen wäre bei einem Naturschutzgebiet deutlich erschwert. Das trifft auch auf den diskutierten Autobahn-Südring an München vorbei zu, wie sie sagt.

Über den Antrag wird der Kreistag vermutlich erst Anfang 2013 entscheiden, sagt Nicole Steinbach vom Landratsamt München. Zuvor sollen sich alle betroffenen Isartal-Gemeinden - außer Schäftlarn sind dies Pullach, Straßlach, Grünwald und Baierbrunn - dazu äußern. In Grünwald war der Antrag bereits Thema. Laut Steinbach hat sich die Gemeinde in einem so frühen Stadium nicht äußern wollen. Am heutigen Dienstag berät der Gemeinderat von Baierbrunn über den Antrag, am Mittwoch beraten die Gemeinderäte von Schäftlarn und Straßlach. Pullach will sich laut Steinbach erst im Herbst damit beschäftigen.

Laut Tausendfreund fordern die Grünen schon seit rund 20 Jahren, diesen Bereich als Naturschutzgebiet auszuweisen. Warum das Isartal südlich der Dürnsteiner Brücke Naturschutzgebiet ist und das Gebiet nördlich davon nicht, kann der promovierte Biologe Hofreiter nicht nachvollziehen. Schließlich ist das Isartal im Landkreis München abschnittsweise renaturiert und ein wertvoller Naturraum mit bedeutenden Biotopstrukturen, wie Hofreiter sagt. An Stellen, an denen der Fluss frei fließen kann, entstehen Sandbänke und Weichholzauen. Vogelarten wie der Gänsesäger bevölkern den Flusslauf und mehrere Fischarten finden dort einen Lebensraum. Auch viele Orchideenarten sind in diesem Bereich zu finden. "Fachlich gibt es keinen Grund, warum dieses Gebiet weniger Schutz verdienen soll als das südlich der Brücke", sagt Hofreiter. Eine Ansicht, die auch Tausendfreund nur voll und ganz unterstützen kann. "Wenn das Isartal in diesem Bereich nicht Naturschutzgebiet sein soll, was dann?"

Vor zwei Jahren hatte der Umweltausschuss des Kreistags bereits über den Antrag beraten. Auch eine Ausweisung des nördlichen Isartals im Landkreis München hatten die Kreistags-Grünen gleichzeitig beantragt. Damals sei jedoch beschlossen worden, die Anträge zurückstellen, sagt Nicole Steinbach vom Landratsamt. Ihren Angaben nach wollte sich der Kreistag des Landkreises München zunächst auf die vielen Landschaftsschutzgebietsverordnungen konzentrieren, die er ebenfalls zu bearbeiten hatte.

Doch jetzt sei beschlossen worden, nicht länger zu warten und den Antrag auf Ausweisung als Naturschutzgebiet für das Isartal in dem Bereich wieder auf die Tagesordnung zu setzen. "Um die Entscheidung vorzubereiten, wollen die Mitglieder des Umweltausschusses die Meinung der betroffenen Gemeinden hören", sagt Steinbach.

© SZ vom 24.07.2012
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