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Streit um Nutzung:Kochler Verstärkeramt ist Baudenkmal

Das ehemalige Kochler Verstärkeramt ist ein Baudenkmal. Zu diesem Ergebnis kommt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Bürgermeister Holz will das nicht kommentieren.

Verstärkeramt Kochel

Prominenter Bau: das ehemalige Verstärkeramt in Kochel.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Kochel am See - Das ehemalige Kochler Verstärkeramt ist ein Baudenkmal. Zu diesem Ergebnis kommt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Wie es im Schreiben an die Gemeinde Kochel am See heißt, bildet das Gebäude "ein Dokument für die Modernisierung der Telefonkommunikation im Deutschland der 1920er Jahre, die Verstärker- und Selbst-Anschluss-Ämter durch den Ersatz der oberirdischen Fernleitungen durch Fernkabel und die Einführung der automatisierten Selbst-Anschluss-Verbindungen durch Nummerwählscheiben erforderlich machte". Insgesamt besitze die "Anlage aus ehemaligen Verstärker- und Selbst-Anschluss-Amt und Beamtenwohngebäude und dem zugehörigen Garagengebäude ein-schließlich der Einfriedungsmauer eine wichtige geschichtliche und künstlerische Bedeutung."

Begeistert ist Kochels Bürgermeister Thomas W. Holz (CSU) von dieser Entscheidung nicht, kommentieren will er sie aber auch nicht: "Das macht in der momentanen Situation keinen Sinn." Die Gemeinde wollte auf dem Areal des ehemaligen Verstärkeramts 21 barrierefreie Wohnungen im kommunalen Wohnungsbau, Räumlich-keiten für Vereine und Obdachlose sowie den gemeindlichen Bauhof errichten. Für diese Planungen hatte der Gemeinderat Kochel bereits einstimmig einen Bebauungsplan beschlossen. "Sehr oft haben mich in den vergangenen Wochen Bürger angesprochen und diese sinnvollen Pläne gelobt. Einige wollten sogar schon barrierefreie Wohnungen reservieren", berichtet der Bürgermeister.

Keinen Zweifel lässt er deswegen daran, dass die gemeindlichen Pläne dem Wohl der Allgemeinheit in besonderer Weise dienen: "Überall fehlt bezahlbarer Wohnraum und genau den wollen wir hier schaffen." Auch den Vorwurf, dass die Gemeinde nichts für Baudenkmäler übrig habe, weist er sehr entschieden zurück: "Das Verstärkeramt war bislang weder in offiziellen noch inoffiziellen Denkmallisten geführt, nur deswegen haben wir das Areal überhaupt gekauft und die Planungen vorangetrieben." Außerdem würde die Gemeinde mit Investitionen in höheren sechsstelligen Summen in die denkmalgeschützten Gebäude wie der Kochler Bahnhof und das ehemalige Schusterhaus beweisen, dass "uns erhaltenswerte Denkmäler wichtig sind."In Sachen Verstärkeramt erklärt der Rathauschef: "Wir werden jetzt erst einmal sehr gründlich prüfen, was diese Entscheidung für unser Vorhaben bedeutet."