Die Gemeinde Schäftlarn ist wegen des Ausbaus des Gewerbegebiets Schorn verärgert. Weil die Schäftlarner befürchten, dass noch mehr Verkehr auf die ohnehin überlastete Ortsdurchfahrt von Hohenschäftlarn geleitet wird, überlegt man nun rechtliche Schritte. Schorn liegt unmittelbar jenseits der Gemeindegrenze und gehört zur Stadt Starnberg.

Einen Hebel hat Schäftlarn in der Erschließung. Die Anbindung des Areals an die Garmischer Autobahn erfolgt nach derzeitiger Planung über die "Milchstraße", eine Ortsverbindungsstraße, die fast ausschließlich auf Schäftlarner Flur liegt und zum Autobahnanschluss Schäftlarn führt. Ihren Namen hat sie vom früher in Schorn ansässigen Milchwerk.
Eine Möglichkeit für Schäftlarn, den Starnbergern den Ausbau des Gewerbegebiets zu vereiteln, könnte das Herabstufen der "Milchstraße" zu einem Feld- und Waldweg sein. Das würde nach Meinung von Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) und Bauamtsleiter Stefan Jocher die Starnberger wohl in die Bredouille bringen. Die Straße gehört der Gemeinde Schäftlarn.
Starnberg aber trägt die Baulast, könnte sie also verbreitern, wie es auch nötig werden wird, wenn das Gewerbegebiet wächst. Ob ein Ausbau auch dann noch möglich ist, wenn die Milchstraße offiziell ein Feldweg ist, soll nun von Juristen geprüft werden.
Auch die Fachbehörden sehen die Erschließung kritisch, wie Anfang April in einer Sitzung des Starnberger Bauausschusses deutlich wurde. Mindestens in der geplanten dritten Ausbaustufe des Gewerbegebiets, die fast bis Oberdill reichen würde, müsste eine Anbindung auch nach Norden zur Autobahn geschaffen werden, hieß es. Diese Ansicht teilt auch Starnbergs Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger.
Die Anbindung könnte über Oberdill erfolgen, wo es schon eine inoffizielle Auffahrt für die Autobahnpolizei gibt, oder beim Starnberger Dreieck. Beides stößt bei der Autobahndirektion nicht auf große Gegenliebe. "Es ist relativ schwierig, eine zusätzliche Anschlussstelle zu bauen", sagt Nadine Lewandowski, Pressesprecherin der Autobahndirektion Südbayern. Denn diese müssten "eine hohe Fernverkehrswirksamkeit" haben. Entscheiden müsse darüber aber der Bund.
Am 4. Mai hat Ruhdorfer seinem Starnberger Kollegen Pfaffinger einen Brief geschrieben. Darin heißt es, die Stadt Starnberg gewinne ein finanziell ertragreiches Gewerbegebiet, "und die Gemeinde Schäftlarn trägt die Verkehrslast mit allen negativen Auswirkungen. Das kann nicht sein!" Ruhdorfer fordert Starnberg deshalb auf, "jegliche Mehrbelastungen beim Verkehr für die Ortsdurchfahrt von Hohenschäftlarn zu vermeiden."
Pfaffinger sieht die Sache gelassen. "Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass Schäftlarn sich da auf die Hinterbeine stellt", sagt er auf Anfrage. Eine Umwidmung der "Milchstraße" zum Feldweg hätte schon Auswirkungen auf die Planungen. "Aber ich bezweifle, dass das möglich wäre."
Starnberg werde nun aber auch seine Rechtsposition klären. Laut Pfaffinger müsste dort, wo die "Milchstraße" auf den Autobahnzubringer mündet, ein Kreisverkehr errichtet werden. Der läge auf Schäftlarner Flur. "Wir wollen weiter im Gespräch bleiben", sagt Starnbergs Bürgermeister.
Grundsätzlich finden die Behörden das Gewerbegebiet gut platziert, in dem sich auch die Verpackungsfirma Brenner ansiedeln wird. Sie war bisher in Hohenschäftlarn beheimatet; durch den Umzug verliert die Gemeinde einen potenten Gewerbesteuerzahler.