Strategien für die Stadt Leben und lernen

Ob ein Umbau des Altenheims Josefstift an der Bahnhofstraße in Bad Tölz möglich ist, soll eine Studie zeigen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Tölzer Stadtrat beschäftigt sich in seiner Klausursitzung mit den drängendsten Vorhaben. Im Vordergrund stehen bezahlbarer Wohnraum, der Umbau des Josefistifts und der Neubau von Schulen.

Von Klaus Schieder

Mehr bezahlbare Wohnungen, der Neubau zweier Grundschulen, die Zukunft des Altenheims Josefistift oder auch der Hochwasserschutz in Ellbach: Mit einer Reihe von Vorhaben, die in den nächsten Jahren anstehen, haben sich die Tölzer Stadträte in ihrer Klausur am Wochenende in Bad Reichenhall befasst. "Wir reden von einem Gesamtvolumen, das an die 150 Millionen Euro geht", sagt Stadtkämmerer Hermann Forster. All dies müsse nicht nur geplant und umgesetzt, sondern auch finanziert werden. Aus dem Haushalt, über Zuschüsse, durch Beteiligungen, mit Krediten. "Es ist dann die Aufgabe des neuen Stadtrats, diese Vorhaben zu priorisieren, denn alles auf einmal wird nicht gehen."

Nach dem Bau von 18 preiswerten Wohnungen an der Osterleite geht Bad Tölz noch heuer das nächste Projekt an, um günstige Domizile zu schaffen. Das sogenannte Holzener Haus an der Königsdorfer Straße, direkt gegenüber den ehemaligen Tennisplätzen, soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Geplant sind neun Wohnungen, die ähnlich gefördert werden wie an der Osterleite, wo der Quadratmeterpreis für die Miete zwischen 5,70 und 8,20 Euro liegt. Eine Sanierung des Holzener Hauses, das nicht unter Denkmalschutz steht, kommt Forster zufolge nicht in Frage. Zum einen deshalb, weil die Wohnungen mit bis zu 120 Quadratmetern zu groß für eine Förderung sind. Zum anderen auch, weil das Stauwasser der Isar schon jetzt Probleme in dem betagten Gebäudebereitet. Der Neubau soll 2020, vielleicht auch erst 2021 fertiggestellt sein. Bezahlbarer Wohnraum könnte überdies auf dem städtischen Grund an der Arzbacher Straße entstehen, im hinteren Bereich am Gabriel-von-Seidl-Weg. Ob man dort ausschließlich geförderte Wohnungen errichtet oder ob eine Mischform besser wäre, müsse sich die Arbeitsgruppe Wohnen des Stadtrats überlegen, sagt Forster.

Aufs Gleis gesetzt ist die Umgestaltung der Jahnschule mit der neuen Aula, dem neuen Trakt mit Turnhalle samt Klassenzimmern, Mittagsbetreuung und Probenraum für die Stadtkapelle, dem neuen Kindergarten für vier Gruppen. Kostenpunkt: fast neun Millionen Euro. Danach kommt der Neubau der Lettenholzschule. Kostenpunkt: noch unklar. Die Südschule wurde für acht Millionen Euro bereits saniert, erhielt vor drei Jahren eine Zweifachturnhalle und bekommt gerade neue Licht- und Akustikanlagen. Das sei für die Grund- und Mittelschule "ein Quantensprung", sagt Forster. Wenn die Bauarbeiten an den anderen beiden Schulen abgeschlossen sind, kommt auch die Südschule noch einmal an die Reihe: Der Pavillon mit drei Klassenzimmern und Mittagsbetreuung, der hinter der Turnhalle am Hang liegt, soll abgerissen werden. Mit etwa 25 Jahren sei das Provisorium "am Ende seiner Lebensdauer" angelangt, sagt der Kämmerer. "Es passt nicht in den Schulablauf hinein, liegt im letzten Eck und ist nicht einsehbar." Überlegt wird, dass Klassenräume und Mittagsbetreuung in das Haus mit der Mensa umziehen. In diesem Gebäude befinden sich allerdings auch Wohnungen. Für die Mieter benötige man erst einmal "bestimmte Wohnformen, wo sie unterkommen können", sagt Forster. Ohnehin sei noch nichts spruchreif. "Vor vier, fünf Jahren wird da nichts passieren."

Für das Alten- und Pflegeheim Josefistift hat die Stadt eine Studie bei der Gesellschaft für Soziales Planen (GSP) in Auftrag gegeben. Das Stuttgarter Büro untersucht, ob und wie ein Umbau im Bestand an der Bahnhofstraße möglich ist, nachdem das Heim nicht mehr den Vorgaben des seit 2011 geltenden AVPfleWoqG (Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes) entspricht. "Das Josefistift hat eine starke Verwurzelung am Standort", sagt der Kämmerer. Geprüft wird deshalb, ob ein neuer Trakt auf dem Parkplatz und die Umgestaltung der beiden Flügel des U-förmigen Heims sinnvoll ist. Die Expertise soll in einer der nächsten Stadtratssitzungen vorgestellt werden. Falls das Ergebnis negativ ausfällt, müssten alternative Standorte gesucht werden. Das dürfte schwierig werden. Auf dem schon ins Auge gefassten Areal neben der Stadtklinik möchte der Asklepios-Konzern selbst bauen. Das Gelände an der Hindenburgstraße, wo die Tölzer Jugendförderung angesiedelt ist, wäre zu klein. Nur fünf der 95 Heimbewohner könnten ohne Hilfe ins Freie gehen, sagt Forster. Deshalb benötige man eine Grünanlage ums Heim herum.

Ein Thema in der Klausur war auch der Hochwasserschutz im Ortsteil Ellbach, wo neben einer neuen Brücke ein Teilungsbauwerk notwendig ist, damit das Wasser bei Überschwemmungen nicht bloß über den Rehgraben abfließt. Außerdem müsse man "eine Rückhaltung weiter draußen" errichten, sagt Forster: "Das sind massive Eingriffe, das sind auch massive Kosten."

In der Klausur stellten die Stadträte überdies klar, dass sie für eine Kneippanlage im Kurpark sind, die der Verein Freundeskreis Badeteil mit Verweis auf den Denkmalschutz ablehnt. Dieser Einwand werde geklärt, sagt Forster. Inzwischen stehe fest, dass für das Wassertretbecken "kein einziger Baum gefällt wird". Und schließlich diskutierten die Stadträte am Königsee über Richtlinien für einen Kulturfonds. Damit will man einen Rahmen für Zuschüsse oder Ausfallbürgschaften bei größeren Kulturevents schaffen. Über das Geld befindet der Stadtrat dann im Einzelfall. Heuer sind dafür 50 000 Euro im Haushalt eingepreist, künftig sollen es zwischen 100 000 und 200 000 Euro sein.