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Straßenname bleibt - aber nur mit Mahnmal:Tölz entzieht Hindenburg Ehrenbürgerrecht

Mit einer Stimme Mehrheit nimmt der Stadtrat eine Entscheidung aus dem Jahr 1926 zurück, doch eine Straße bleibt nach dem Reichspräsidenten benannt. Dort soll ein begehbares Mahnmal über den Wegbereiter der Nazis informieren

Paul von Hindenburg ist nicht länger Tölzer Ehrenbürger. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschied der Stadtrat am Dienstagabend, dem Generalfeldmarschall und ehemaligen Reichspräsidenten das Ehrenbürgerrecht abzuerkennen, das ihm zum 1. September 1926 anlässlich seines Besuchs in Bad Tölz verliehen worden war - "in dankbarer Würdigung seiner großen Verdienste als Führer des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg und als Präsident des Deutschen Reiches sowie zur bleibenden Erinnerung an seinen Aufenthalt im Isarwinkel", wie es damals hieß.

Nach teils hitziger Diskussion folgten nun 13 von 25 Stadträten dem Vorschlag der Verwaltung, diese "Wertschätzung" nicht mehr zuzulassen, da die neuere Geschichtsforschung Hindenburg zu den maßgeblichen Wegbereitern der Nazis zählt. Nichts geändert wird dagegen am Namen der Hindenburgstraße. Das will Bürgermeister Josef Janker (CSU) so, daher stellte er diese Frage im Rat gar nicht zur Diskussion. Stattdessen soll es ein begehbares Mahnmal geben, dessen Gestaltung noch nicht festgelegt ist.

Zunächst ging es im Stadtrat also um die Aberkennung des Ehrenbürgerrechts. Der Wunsch von Franz Mayer-Schwendner (Grüne) kurz vor der Abstimmung, alle Räte mögen dafür votieren, verhallte ungehört. Stattdessen musste Bürgermeister Josef Janker (CSU) dreimal nachzählen, ehe das Ergebnis klar war. 13 zu 12. "Einfache Mehrheit genügt", sagte er erleichtert. Hätte sich auch nur einer im Gremium anders entschieden, wäre Hindenburg Tölzer Ehrenbürger geblieben. Unter den drei Bürgermeistern wollte nur Janker die Aberkennung, seine Stellvertreter Andreas Wiedemann (Freie Wähler) und Ludwig Bauer (CSU) dagegen nicht.

Wiedemann nahm in seinem Wortbeitrag wie etliche andere den Stadtrat, der Hindenburg 1926 ehrte, in Schutz. "Auch die Vorväter haben sich Gedanken gemacht", verteidigte er. Im Nachhinein sei man immer schlauer. Sein Fraktionskollege Ralph Munkert hielt die Diskussion nach eigenen Worten gar für akademisch und ein bisschen dem Zeitgeist geschuldet. Fraktionssprecher Wolfgang Buchner sprach von Populismus und befürchtete, dass als nächstes vielleicht "Richard Wagner oder wer auch immer" dran sei. "Es war damals eine demokratische Entscheidung", rechtfertigte er den alten Beschluss. Auch Anton Mayer (CSU) wollte sich nicht "anmaßen", den Stadtratsbeschluss von damals mehr als 80 Jahre später zu revidieren. Anders sah es Bürgermeister Janker: "Manche Entscheidungen muss man revidieren, vielleicht geht es uns auch einmal so." Maria Girmann (Grüne) sagte, sie sei sogar "froh, wenn Dinge korrigiert werden."

Auch Josef Steigenberger (CSU) zeigte Verständnis für die einstige Entscheidung, wollte aber nicht an ihr festhalten und argumentierte mit einem aktuellen Beispiel: "Wer gedopt ist, dem wird auch etwas aberkannt." Willi Streicher (SPD) ging konform mit seinem Ortsverein, der Hindenburg sowohl die Ehrenbürgerschaft aberkennen als auch die Straße umbenennen will. Neue gesicherte Erkenntnisse rechtfertigen seiner Meinung nach diese Haltung.

Dem Vorschlag Jankers, in der Hindenburgstraße ein begehbares Mahnmal zu gestalten, folgte der Stadtrat in der Abstimmung zwar geschlossen. Dennoch meinten einige im Gremium, dass eine Hinweistafel völlig ausreichend sei. Margot Kirste (Freie Wähler) würde das Geld für das Mahnmal lieber dafür verwenden, in Schulen das Thema aufzuarbeiten, statt einen "Hype" draus zu machen und ein Expertenteam zu engagieren. Auch Andreas Wiedemann genügte eine Tafel. "Die Bezeichnung begehbares Mahnmal ist übertrieben", sagte er.

Wie es nun weitergehen wird, ist zunächst Sache des Bürgermeisters. Laut Stadtratsbeschluss kann Janker im Rahmen der Geschäftsordnung über die Mittel für ein Expertengremium entscheiden. Unter dem Gesichtspunkt "Wider das Vergessen"spreche alles dafür, den Straßennamen zu belassen und ein Mahnmal zu errichten.