Landkreis Bad Tölz-WolfratshausenImmer mehr Privatleute gründen Stiftungen

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Die Kreisklinik in Wolfratshausen gehört zu den Einrichtungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, die von der Anne-und-Manfred-Hahn-Littlefair Stiftung begünstigt werden.
Die Kreisklinik in Wolfratshausen gehört zu den Einrichtungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, die von der Anne-und-Manfred-Hahn-Littlefair Stiftung begünstigt werden. Hartmut Pöstges
  • Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gründen immer mehr Privatleute Stiftungen, um regionale Projekte in Kultur, Soziales und Gesundheit zu unterstützen.
  • Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen betreute im vergangenen Jahr acht neue Stiftungsgründungen, bereits ab 25.000 Euro Mindestsumme ist eine Gründung möglich.
  • Manfred Hahn gründete nach einem lebensbedrohlichen Wespenstich eine Stiftung zur Unterstützung der Kreisklinik Wolfratshausen, der Caritas und örtlicher Musikschulen.
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Immer mehr Privatleute im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen entscheiden sich für die Gründung einer Stiftung, um Projekte und Einrichtungen in den Bereichen Kultur, Soziales, Gesundheit oder Natur zu unterstützen.

Von Alexandra Vecchiato, Geretsried

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„Ich möchte der Region, wo ich erfolgreich tätig war, etwas zurückgeben“, sagt Manfred Hahn. Der 82 Jahre alte Geretsrieder hat in seinem und dem Namen seiner verstorbenen Frau Anne, geborene Littlefair, deshalb eine Stiftung gegründet. Sie soll das Gesundheitswesen, karitative und kulturelle Zwecke sowie gesellschaftlich relevante Themen in der Region fördern, schützen und erhalten. Mit diesem Schritt ist Hahn nicht alleine. Im vergangenen Jahr betreute die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen allein acht neue Stiftungsgründungen im Landkreis.

Der Fokus der Anne-und-Manfred-Hahn-Littlefair-Stiftung liegt auf der Unterstützung der Kreisklinik in Wolfratshausen, der Caritas und den örtlichen Musikschulen. Er habe ein erfülltes Leben gehabt, sagt Hahn, auch wenn die Anfänge nicht leicht gewesen seien. In den 1960er-Jahren habe er mit nichts angefangen. Umgerechnet 70 Euro Sold in der Tasche – das war alles. Das Ehepaar Hahn gründete die Werbeagentur Studio Hahn, die seit 1968 zunächst in Wolfratshausen ansässig war. 2008 zogen sie nach Geretsried, wo sie ihre Agentur unter dem Namen Hahn-Littlefair-Communication GmbH neu gründeten. Nach Jahren erfolgreicher Selbständigkeit verkauften die Hahns ihre Agentur 2011. Kultur und gesellschaftliches Engagement zu fördern, sei ihm eine Herzensangelegenheit im Ruhestand gewesen, erzählt er.

Manfred Hahn, Gründer der Anne-und-Manfred-Hahn-Littlefair-Stiftung, und Thomas Kinzel, Wealth-Manager bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen.
Manfred Hahn, Gründer der Anne-und-Manfred-Hahn-Littlefair-Stiftung, und Thomas Kinzel, Wealth-Manager bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Alexandra Vecchiato

Ein einschneidendes persönliches Erlebnis habe ihm vor Augen geführt, wie „unheimlich wichtig“ zudem eine wohnortnahe medizinische Versorgung sei, so der Geretsrieder. Nach einem anaphylaktischen Schock wegen eines Wespenstichs habe er am eigenen Leibe erfahren, wie wichtig kurze Wege sein können. „Ich war, als es passierte, zum Glück nicht alleine. Ich wurde gleich in die Notaufnahme nach Wolfratshausen gebracht.“ Einige Tage habe er dort „intensiv“ versorgt werden müssen. Er wolle sich nicht ausmalen, was hätte passieren können, wenn die Kreisklinik nicht so nahe gewesen wäre, so Hahn. Als die Entscheidung fiel, eine Stiftung zu gründen, stand fest, dass er das Krankenhaus finanziell unterstützen wollte.

Doch wie gründet man eine Stiftung? „Juristisch ist das sehr aufwendig“, erklärt der 82-Jährige. Gerade das Steuerrecht ist sehr komplex. Um Fehler zu vermeiden, suchte sich Hahn Hilfe bei der Stiftungsgemeinschaft der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, eine sogenannte nicht selbständige Stiftung oder Treuhandstiftung. Sie ist vereinfacht gesagt ein Zusammenschluss vieler Stiftungen unter einem Dach. Das Stiftungskapital wird gemeinsam verwaltet und angelegt. Die Verwaltung der Stiftungen wird von der DT Deutsche Stiftungstreuhand AG mit Sitz in Fürth zentral übernommen.

Mindestsumme 25 000 Euro

Betreut wird Hahn vom Stiftungsbeauftragten Thomas Kinzel. „Das Thema Stiftungsgründung nimmt an Dynamik an. Die Nachfrage steigt“, berichtet Kinzel. Immer mehr Privatpersonen wollen auf diese Weise ihr Vermögen sicher und gut angelegt wissen. Im vergangenen Jahr half das Geldinstitut bei der Gründung von acht neuen Stiftungen: vier noch zu Lebzeiten der Stifter, die anderen postmortal. Bei der ersten Variante können die Stifter aktiv mitgestalten, etwa bei der Namensgebung. Sie können die Stiftungsarbeit kennenlernen und etwaige Anpassungen selbst vornehmen. Ansonsten können Zweck und Höhe des Stiftungskapitals auch testamentarisch geregelt werden.

Bereits mit kleineren Beträgen könne eine Namensstiftung zu Lebzeiten eingerichtet werden, erklärt Kinzel. Als Mindestsumme werden 25 000 Euro empfohlen. Die jährlichen Erträge werden an gemeinnützige Organisationen ausgeschüttet. Andere Stiftungsformen erfordern meist höhere Beträge, mindestens 50 000 bis 100 000 Euro. Experten empfehlen sogar mindestens 500 000 Euro. Spenden sind jederzeit möglich, um das Kapital aufzustocken.

In Fürth säßen die „absoluten Spezialisten“, sagt Kinzel. Die Stifter selbst müssten zur Gründung lediglich eine Unterschrift leisten – und den Rest den Experten überlassen. In eine steuerbegünstigte Stiftung eingebrachtes Vermögen ist von der Erbschaft- und Schenkungsteuer befreit. Eingebracht werden kann nicht nur Geld, sondern auch Wertpapiere, Immobilen und mehr. Ob eine Stiftung dauerhaft wirkt oder nur für einen gewissen Zeitraum gegründet wird, hängt unter anderem vom vorhandenen Stiftungsvermögen und ihrem Zweck ab. Mindestens zehn Jahre muss eine Stiftung bestehen.

„Mir erschien es die vernünftigste Lösung, das Finanzielle zu regeln, bevor man stirbt“, betont Manfred Hahn. Es sei eine große Befriedigung, seine Angelegenheiten in Ordnung zu haben – „und sich nicht ständig damit beschäftigen und belasten zu müssen“. Nun könne das Leben beginnen, sagt der 82-Jährige mit einem Lächeln. „Und ich habe Zeit fürs Fitnessstudio.“

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