Stichwahlen  in Bad Tölz-WolfratshausenDie CSU macht keinen Stich

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In Wolfratshausen setzte die CSU beim Frühstück auf den Prominentenbonus: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (Mitte) mit Landratskandidat Thomas Holz (li.) und dem Wolfratshauser Bürgermeisterkandidaten Günther Eibl.
In Wolfratshausen setzte die CSU beim Frühstück auf den Prominentenbonus: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (Mitte) mit Landratskandidat Thomas Holz (li.) und dem Wolfratshauser Bürgermeisterkandidaten Günther Eibl. Harry Wolfsbauer

In den Zweier-Duellen um den Landratsposten sowie die Bürgermeisterämter im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen unterliegen alle Kandidaten der CSU. Niedrige Wahlbeteiligung und eine Anti-Stimmung scheinen  Erklärungsansätze.

Von Benjamin Engel, Bad Tölz-Wolfratshausen

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Für die Christsozialen (CSU) ist der Ausgang der Stichwahlen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und Penzberg bitter. Alle ihre Kandidaten scheiterten. Thomas Holz musste sich im Wettstreit um den Landratsposten klar gegen Ludwig Schmid (Freie Wähler) geschlagen geben. In Wolfratshausen und Münsing gab es deutliche Niederlagen für Günther Eibl und Manuel Seltier. In Geretsried wurde Amtsinhaber Michael Müller genauso abgewählt wie Stefan Korpan in Penzberg.

Landratskandidat Thomas Holz auf der Orterer Alm bei Kochel am See.
Landratskandidat Thomas Holz auf der Orterer Alm bei Kochel am See. Manfred Neubauer

Mit einer detaillierten Analyse tut sich Landratskandidat Holz am Montag nach dem Wahlabend schwer. „Ich bin natürlich enttäuscht“, sagt der einstige langjährige Kochler Bürgermeister und heutige Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Für ihn ist eine Landratswahl in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. Seine Partei müsse nun genau analysieren, welchen Anteil er selbst als Person trage und welche anderen Faktoren es gebe.

Bei Stichwahlen besteht für Holz aber generell ein Malus gegen seine Partei nach dem Motto „Hauptsache gegen die CSU“.  Das zeige sich auch darin, dass für seine Christsozialen viele Landratsposten selbst bei profilierten Amtsinhabern verloren gegangen seien. Gleichzeitig kritisiert Holz seine eigene Parteispitze. Unverständlich sei für ihn, dass CSU-Generalsekretär Martin Huber nach der ersten Runde der Kommunalwahlen am 8. März von einem sehr guten Ergebnis gesprochen habe.

Seine Partei müsse sich ehrlicher machen, so Landratskandidat Holz

„Die Partei muss sich da ehrlich machen und auch sagen, es war schlecht“, so der 50-jährige Kochler. Am Wahlstand habe er sich fragen lassen müssen, warum die CSU so überheblich auftrete. Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben.

Allerdings kam Holz landkreisweit nur auf 39,1 Prozent der Stimmen. Allein in Icking sowie Reichersbeuern und damit in zwei von 21 Kommunen lag er vorn. In seiner Heimatgemeinde Kochel am See reichte es nur für 31,2 Prozent. „Als Bürgermeister habe ich nicht jeden Wunsch erfüllen können“, so Holz. „Wer lange in politischer Verantwortung steht, tritt schon einmal jemandem auf die Füße.“ Das sei der große Unterschied zu seinem Kontrahenten Schmid, der Kreisrat sei, aber bislang kein weiteres politisches Amt bekleidet habe. Zum Wahlergebnis gratuliere er ihm.

Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller am Stichwahlabend.
Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller am Stichwahlabend. Manfred Neubauer

In Geretsried steht Michael Müller seit zwölf Jahren als Bürgermeister an der Spitze der Rathausverwaltung. „Ich kann auf eine gute Amtszeit zurückblicken“, sagt der mit knapp mit 48,2 Prozent abgewählte Rathauschef. „Geretsried steht gut da.“ In seine Amtsperiode fällt unter anderem die Neukonzeption und -bebauung des zentralen Karl-Lederer-Platzes. Als Sprecher einer Bürgerinitiative, die sich gegen eine zu hohe Bebauung richtete, agierte Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste), gegen den Müller jetzt bei der Stichwahl unterlag.

Für Geretsried Bürgermeister hat sich die niedrige Wahlbeteiligung negativ ausgewirkt

Dass dies einer der Faktoren für die Wahlniederlage gewesen sein könnte, verneint der amtierende CSU-Rathauschef Müller. Das Ergebnis hänge nicht von solchen Einzelthemen ab. Eher macht Müller die geringe Wahlbeteiligung von nur 45,1 Prozent - um die sieben Prozentpunkte niedriger als in der ersten Runde - mitverantwortlich. Für den Amtsinhaber sei eine Stichwahl nie förderlich, so Müller. „Viele denken, der wird es ja eh.“ Zum Sieg hätten ihm 300 Stimmen gefehlt - und das bei um die 11 000 Geretsriedern, die gar nicht zur Wahl gegangen seien. „Ich hadere jetzt aber nicht mit dem Ergebnis“, so Müller. „Es ist, wie es ist.“

Im Vorfeld der Wahl in Münsing und Wolfratshausen hatte die CSU bei Veranstaltungen auf den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Zugpferd im Wahlkampf gesetzt. Doch selbst dieser Prominenzbonus half nicht. In der Flößerstadt verlor der Zweite Bürgermeister Günther Eibl zum zweiten Mal nach 2020 gegen Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen). Am Montag war er nicht telefonisch zu erreichen.

Der Münsinger Seltier vermisst in der CSU Kompromissbereitschaft

Der Münsinger CSU-Bürgermeisterkandidat Manuel Seltier lebt seit dem Jahr 2011 in der Kommune.
Der Münsinger CSU-Bürgermeisterkandidat Manuel Seltier lebt seit dem Jahr 2011 in der Kommune. Harry Wolfsbauer

In Münsing zieht sich Rathauschef Michael Grasl (Freie Wähler) nach 21 Jahren zurück. Mit nur 27,6 Prozent unterlag Manuel Seltier, der für die CSU antrat, aber kein Parteimitglied ist, gegen Hubert Bernwieser (Wählergruppe Münsing) in der Stichwahl. Das deutliche Ergebnis erklärt er sich vor allem mit dem Heimatbonus seines Konkurrenten, der in Münsing aufgewachsen sei und sich in vielen Vereinen engagiere. „Als Polizeibeamter und auf der Liste der CSU bin ich für viele Wähler der Grünen unwählbar.“ Bei der CSU vermisst Seltier aber auch manchmal Kompromissbereitschaft, die Fähigkeit, auch andere Meinungen gelten zu lassen.

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