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Starnberger See:Weiter kein Dampferverkehr in Ammerland

Auch 2020 werden dort keine Schiffe Halt machen. Nach dem Streit über den Anlegesteg hat die Gemeinde zwar nach Alternativstandorten gesucht. Doch alle bisher geprüften Vorschläge haben sich wieder zerschlagen

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und damit auch die Saison am Starnberger See. Nur noch knapp sechs Wochen sind die Schiffe im Linienverkehr auf dem Wasser unterwegs. Das ist so gewiss, wie dass es in Ammerland auch 2020 keinen Halt geben wird.

Die Bayerische Seenschifffahrt hatte den dortigen Steg sanieren wollen. Doch der Eigentümer des benachbarten "Hotel am See", dessen Grund die Fahrgäste überqueren müssen, wollte den Pachtvertrag nur noch für ein Jahr verlängern. Deshalb baute die Seenschifffahrt den Dampfersteg Anfang dieses Jahres ab. In Ammerland konnte bislang kein geeigneter Ersatzstandort gefunden werden. "Für nächstes Jahr fällt Ammerland aus", sagt der Geschäftsführer der Seenschifffahrt, Michael Grießer, auf Nachfrage.

Ungewohntes Bild: In Ammerland hat schon das ganze Jahr über kein Dampfer mehr angelegt - und wird es wohl auch nächstes Jahr nicht tun.

(Foto: Manfred Neubauer)

Als Alternative hatte die Gemeinde Münsing drei Standorte vorgeschlagen. Doch weder ein Steg beim Ammerlander Schloss noch an der örtlichen Wasserwachtstation oder südlich des bisherigen Platzes auf dem Grund des Hoteliers eignen sich. "Für unsere großen Schiffe ist es nicht möglich, dort anzulanden", sagt Grießer. Es gebe zu wenig Platz, private Bojenfelder behinderten die Zufahrt. Mit der Schlösser- und Seenverwaltung seien Gespräche geführt worden. Aus Sicht von Grießer wäre aber nach wie vor der bestehende Stegstandort am geeignetsten.

Hier gingen Schiffspassagiere früher an Land. Vom Dampfersteg ist inzwischen aber nichts mehr zu sehen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Für Bürgermeister Michael Grasl (FW) ist das Ergebnis ernüchternd. Aber letztlich ist ihm bewusst, wie schwierig die Suche nach einem alternativen Anlegeplatz ist. "Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass bestehende Bojenplätze und zahlreiche private Seegrundstücke mit Stegen und Gebäuden bei neuen Standorten auf Gegenwehr stoßen würden", teilt er mit. Grasl bedauert das.

Die Verbindung ans Nord- und Westufer des Starnberger Sees wäre für ihn wichtig. So einfach, wie sich manche das vorstellten, eine Alternative zu finden, sei es aber nicht. "Der Standort müsste öffentlich verfügbar sein und man müsste ein Mindestangebot an Stellplätzen schaffen können", teilt Münsings Bürgermeister mit. Einen Dampfersteg am Ammerlander Badeplatz weiter nördlich hält er für ungeeignet. Die Kommune habe das Areal nur gepachtet. Veränderungen müssten aufwendig abgestimmt werden. Ohnehin vertrage sich ein Steg nicht mit dem Familien-Badebetrieb.

Für neue Vorschläge sind der Bürgermeister und die Bayerische Seenschifffahrt offen. Deren Geschäftsführer Grießer weist darauf hin, dass es in der Kommune immerhin einen weiteren Dampfersteg in Ambach gebe. Zwei Anlegestellen für eine Gemeinde mit etwa 4300 Einwohnern wären ohnehin nicht gerade wenig.

Selbst wenn es schon eine Lösung für Ammerland geben würde, wäre die Zeit für einen Stegneubau knapp geworden. Denn für die Konstruktion setzt die Seenschifffahrt auf Nadelhölzer aus höher gelegenen Bergwäldern. Wie Grießer berichtet, müsste dieses rasch bestellt werden, um noch vor dem Frost an das Holz zu kommen. Ohne einen lang gültigen Pachtvertrag will er aber ohnehin keinen neuen Steg bauen. Denn die Konstruktion koste mehr als 100 000 Euro. Ohne Sicherheiten da einfach so loszulegen, wäre aus seiner Sicht ein "Schildbürgerstreich", sagt er.

© SZ vom 09.09.2019

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