In vielen bayerischen Kommunen ist das Geld knapp geworden, mancherorts wird an freiwilligen Leistungen entschieden gespart. Nicht so in Starnberg: Mit knapp 139 000 Euro werden im Jahr 2026 insgesamt 23 Vereine und Institutionen gefördert, die sich der Kulturpflege im weitesten Sinne widmen. Bis auf zwei Ausnahmen bewilligte der Kulturausschuss in der Vorwoche ohne jegliche Abstriche alle eingereichten Zuschussanträge.
Schenkt man den Worten des Schriftstellers Max Frisch (1911-1991) Glauben, der mit Theaterstücken wie „Biedermann und die Brandstifter“ oder „Andorra“ ein breites Publikum erreichte, sind Muße und Wohlleben unerlässliche Voraussetzungen aller Kultur. In diesem Sinn hat Starnbergs Kulturausschuss wenige Wochen vor den Kommunalwahlen beste Voraussetzungen für die Kreisstadt geschaffen. Zur Erinnerung: Die Zuschüsse zur Förderung kultureller Vereine, Kunst, Tanz, Theater, Musik und Heimatpflege wurden in den Jahren 2022 und 2023 auf 90 000 Euro beschränkt. Diesmal wurden sogar Antragsteller berücksichtigt, die ihre Anträge verspätet eingereicht hatten.
Der größte Posten ging, wie in den Vorjahren, erneut an das Fünf-Seen-Filmfestival (FSFF), das für seine 20. Auflage mit 47 000 Euro – davon 9000 Euro für die Nutzung der Schlossberghalle – bedacht wird. Rechnet man die mit insgesamt 3000 Euro dotierten Förderpreise des Vereins „Weitwinkel“ für den Kurzfilm- und „Short-Plus“-Wettbewerb im Rahmen des FSFF hinzu, kommt man sogar auf insgesamt 50 000 Euro.
Die Stadträte Franz Sengl (Grüne), Johannes Glogger (WPS) und überraschenderweise auch Eva Pfister (BMS), die in ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin die Festivaleröffnung meist gemieden hatte, plädierten gar für eine Erhöhung der Förderung. Vehementer Widerspruch kam allein von Marc Fiedler (UWG), der auf die im Herbst 2024 getroffenen Vereinbarungen mit Deckelung auf 30 000 Euro (ohne Kosten für Nutzung der Schlossberghalle) verwies. In der Abstimmung unterlagen CSU und UWG allerdings.

Ebenfalls über fünfstellige Summen können sich die Starnberger Faschingsgesellschaft Perchalla (19 730 Euro) und die Veranstalter der „Starnberger Musiktage“ (13 930 Euro) freuen. Die Perchalla organisiert das Starnberger Faschingstreiben auf dem Kirchplatz sowie Veranstaltungen in der Schlossberghalle. Zudem wurden 5000 Euro als anteiliger Zuschuss für die Anschaffung neuer Kostüme gewährt, die insgesamt mehr als 20 000 Euro kosten sollen. Einzig Michael Mignoli (BLS) stimmte dagegen.
Der Firmensitz der renommierten „Starnberger Musiktage“ befindet sich zwar nicht in Starnberg, dennoch können sich die Organisatoren erneut über 10 000 Euro freuen; hinzu kommen 3930 Euro für die Nutzung der Schlossberghalle.

Faschingstreiben in Starnberg:„Ihr seid raus!“
Zwischen der Starnberger „Perchalla“ und den Schützen der FT 09 Starnberg tobt in aller Ernsthaftigkeit ein närrischer Disput, der sich bis zum Faschingsdienstag auch nicht mehr schlichten lässt.
Kein Diskussionsbedarf ergab sich bei den Zuschussanträgen für den Verein „Musica Starnberg“ (8500 Euro) für zwei Konzerte, den Kunstverein Starnberg (6100 Euro), die „Kunsträume am See“ (4000 Euro), die Stadtkapelle Starnberg und den Verein „Luma“ (jeweils 5000 Euro), der außerhalb des Starnberger Kultursommers sein Programm im Kulturcafé „Ganz am Ufer“ im Bucentaurpark mit Live-Musik und Kinderprogramm fortsetzen will.

Der Heimat- und Volkstrachtenverein erhält insgesamt 8420 Euro (inklusive einer Nutzung der Schlossberghalle) für Tanz- und Volksmusikveranstaltungen. Das beliebte Burghofsingen entfällt dieses Jahr jedoch. Eine Debatte ergab sich nur über die Kostenübernahme in Höhe von jährlich 2160 Euro für einen Bootsliegeplatz: Der werde jedoch dringend benötigt für das alle fünf Jahre stattfindende Fischerstechen, hieß es.
Nur bei zwei Anträgen wird der Rotstift angesetzt
Bis auf zwei Ausnahmen wurden alle übrigen Förderanträge mit weitaus bescheideneren Summen ohne Debatte genehmigt. Lediglich der Zuschuss in Höhe von 1500 Euro für ein geplantes Konzert des Münchner Ruder- und Segelclubs (MRSV) wurde um 300 Euro gekürzt. Und ein von der Montessori-Schule geplantes Bewegungs- und Tanzprojekt für Schüler der Mittelstufe (5000 Euro) wurde um 464,51 Euro gekürzt: Winfried Wobbe (UWG) hatte die hohen Personalkosten moniert.
In den 139 000 Euro für die Starnberger Kultur sind keine Kosten für Veranstaltungen unter städtischer Regie enthalten, etwa die „Nacht der langen Tafel“, die französische Woche, der Kultursommer oder Ausgaben der „Freunde von Dinard“. In der Amtszeit des amtierenden Bürgermeisters Patrick Janik (CSU, UWG) ist es die bislang höchste Summe. Petra Brüderl, Leiterin des Kulturbüros, verwies darauf, dass es nie zuvor so viele Antragsteller gegeben habe. Der Ausgabenrekord für die Starnberger Kulturschaffenden fällt jedoch weiterhin in die Amtszeit von Janiks Vorgängerin Eva John (jetzt Pfister): Für das Jahr 2020 bewilligte der Stadtrat kurz vor den Kommunalwahlen insgesamt 159 150 Euro.

