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Städtische Kulturförderung:"Eine Ohrfeige für alle Künstler"

"Andere reden, wir machen": Stefan Eckardt (links) und Harry Rosenkind im Wolfratshauser "Merkurdrome".

(Foto: Hartmut Pöstges)

Um das Kulturleben in Wolfratshausen wieder anzukurbeln, hat Stefan Eckardt ein vierwöchiges Non-Profit-Festival organisiert. Die Stadt verweigert ihm einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro.

Von Stephanie Schwaderer

Seinen aktuellen Gemütszustand beschreibt Stefan Eckardt am Mittwochmorgen mit zwei Worten: "Maximal frustriert." Der Wolfratshauser Medienunternehmer und Betreiber des "Merkurdrome" hat in den vergangenen Wochen ein Non-Profit-Festival aus dem Boden gestampft, das in seinen Augen "ein großer Erfolg" war. Musiker aus der Umgebung wie die Bonny Tones, aber auch überregional bekannte Formationen wie die Ludwig Seuss Band oder Massel Tov nahmen dankbar das Angebot an, auf einer professionellen Bühne und gegen eine kleine Gage aufzutreten. Die Stadt Wolfratshausen jedoch habe das Ereignis mit Gleichgültigkeit gestraft, sagt Eckardt. "Das ist ein Armutszeugnis für die Kulturförderung der Stadt, eine Ohrfeige nicht nur für unser ehrenamtliches Engagement, sondern für alle Künstler und Bürger."

Seine Idee sei es gewesen, dem kulturellen Lockdown ein Ende zu setzen, erklärt Eckardt. "Denn auch in Corona-Zeiten kann man Künstler und Kulturleben fördern - in einem kleineren Rahmen, unter freiem Himmel und selbstverständlich unter Einhaltung höchster Sicherheits- und Hygiene-Auflagen." Diesen Beweis zu liefern sei Pionierarbeit gewesen. Zusammen mit dem Münchner Musiker und Manager Harry Rosenkind, der sich ebenfalls ehrenamtlich für das "Back-on-Stage-Festival" engagierte, stellte er innerhalb von drei Wochen eine vierwöchige Konzertreihe und ein Kinderprogramm auf die Beine. Allen Künstlern, aber auch Technikern und Tonmeistern, habe er aus eigener Tasche eine Gage bezahlt, sagt Eckardt. "Diese Leute brauchen Auftritte, sie brauchen Hoffnung und zumindest ein kleines Honorar. Viele stehen vor dem Aus."

Die Wolfratshauser Stadtverwaltung, insbesondere das Kulturamt, habe dieses Engagement indes "nicht nur wenig gefördert, sondern geradezu blockiert", sagt Eckhardt. Er hat in den vergangenen Wochen mehrere Brandbriefe an alle Stadträte, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Stadtmanager Stefan Werner und Kulturamtsleiterin Marlene Schretzenmaier geschrieben. Neben vereinzelten positiven Reaktionen habe das einzige Entgegenkommen der Stadt in ein paar Sachleistungen bestanden. "Ich durfte mir 20 Gartenstühle und einige Bühnenelemente ausleihen, ein paar Plakate und zwei Brückenbanner anbringen." Seine eindringliche Bitte, die Stadt möge das Festival auf ihren sozialen Plattformen bewerben, wurde ihm jedoch ausgeschlagen. Die Begründung: Um Corona-Infektionen zu verhindern, werde die Stadt bis auf Weiteres keine eigenen Veranstaltungen anbieten und "deswegen auch keine andere Veranstaltungen bewerben".

Auch sein Antrag auf 4000 Euro Förderung lief ins Leere. Eckardt hatte der Stadt zuletzt eine "Frist" gesetzt, die am Dienstag endete. "Ich habe weder eine Zu- noch eine Absage bekommen", sagt er am Mittwochmorgen. Diese "Borniertheit" mache ihn fassungslos.

Bürgermeister Heilinglechner erklärt auf Anfrage der SZ, er lasse sich kein Ultimatum setzen. "Das ist für mich keine Umgangsform." Außerdem habe er Eckardt schon am Freitag wissen lassen, dass er diesen Zuschuss nicht gewähren wolle. Eckardt sei "ein Kultur-Veranstalter wie alle anderen auch". Und alle anderen hätten ihre Anträge ordnungsgemäß im vergangenen Jahr eingebracht. Für Eckardt wolle er da keine Ausnahme machen. "Ich will keinen Präzedenzfall schaffen."

Dass der Unternehmer, der sich mehrfach medienwirksam für die Stadt eingesetzt und mit Kinovorstellungen an der Floßlände die Vorarbeit zum Flussfestival geleistet hat, in einer Ausnahmesituation aktiv geworden ist, will Heilinglechner nicht gelten lassen. "Jeder Kulturschaffende sagt: Was ich mache, ist beispiellos." Um Eckardt "einen Gefallen" zu tun, erwäge er, in der Septembersitzung des Kulturausschusses darüber abstimmen zu lassen, ob die Stadt ein etwaiges Herbst-Festival im "Merkurdrome" fördern solle.

Inwieweit sich die Entscheidungsträger ein Bild von der Förderwürdigkeit des Events gemacht haben, ist fraglich. Laut Eckardt hat außer der Dritten Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) und Stadtmanager Werner "keiner der städtischen Herrschaften eine Veranstaltung besucht".

© SZ vom 30.07.2020

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