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Stadtratsbeschluss:Wolfratshauser sollen aufs Rad umsteigen

Weniger Gaspedal, mehr Treten: Der Stadtrat will den Anteil der Fahrten mit dem Rad steigern.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Bewohner setzen sich für jeden zweiten Weg ins Auto, jede vierte Fahrt ist nicht einmal einen Kilometer lang.

Die Trend in Wolfratshausen geht bereits zur radlfreundlichen Stadt - und es gibt noch viel Potenzial, den Autoverkehr zu reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt die Haushaltsbefragung zum Verkehrsverhalten der Wolfratshauser, die die Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr im Auftrag der Stadt im vergangenen September durchgeführt hat. Die Ergebnisse hat Planer Robert Ulzhöfer am Dienstag im Stadtrat präsentiert. Im Zuge der Präsentation hat der Stadtrat Entwicklungsziele beschlossen: So soll bis 2025 der Anteil des Radverkehrs in der Stadt von 34 auf 37 Prozent und der Anteil des umweltfreundlichen Verkehrs von rund 60 auf 67 steigen. Die wichtigsten Erkenntnisse der Befragung:

Zu viele kurze Autofahrten

Das Auto ist das wichtigste Verkehrsmittel in Wolfratshausen. "Praktisch alle im Alter zwischen 21 und 75 haben einen Führerschein", sagte Ulzhöfer. Nur etwa acht Prozent der Haushalte haben kein Auto, 54 Prozent eines, 32 Prozent zwei. Zehn Prozent der Familien besitzen drei oder mehr Autos. Knapp die Hälfte aller angegebenen Wege wurde mit dem Auto zurückgelegt, 42 Prozent fuhren selbst, acht Prozent bei anderen mit. Bei Fahrten zu Zielen jenseits der Stadtgrenze liegt die Quote bei etwa 60 Prozent, innerhalb der Stadt nutzen etwa 40 Prozent das Auto. Weil gut ein Viertel aller Fahrten im Stadtverkehr mit einer Strecke von einem Kilometer und weniger zu Buche schlägt, sieht Ulzhöfer hier noch Entlastungspotenzial. "Mama-Taxis" könnten durch Aktionen wie "Zu Fuß zur Schule" reduziert werden. Das würde wiederum den Anteil der Fußwege erhöhen, der bei insgesamt 18 Prozent lag.

Gute Tendenz beim Radfahren

Das Fahrrad nutzten knapp 24 Prozent der Befragten, innerhalb des Stadtgebiets sogar 34 Prozent - vor allem in der Freizeit. Während ein Großteil der Fußgänger maximal 1500 Meter zurücklegt, sind mehr als 35 Prozent der Radfahrer bis zu 2,5 Kilometer unterwegs, knapp zwölf Prozent fahren sogar weiter. Wie Ulzhöfer erklärte, liegt der Anteil in der Befragung etwas höher als in Wirklichkeit, weil sich aktive Radler überdurchschnittlich an der Erhebung beteiligt hätten. Bei Zählungen im Juli und September war der Radweg an der Sauerlacher Straße parallel zu den Bahngleisen mit bis zu 1000 Radlern am Tag die wichtigste Verbindung. Auf Sebastianisteg und Johannisbrücke kreuzen etwa 1200 Radler am Tag die Loisach. Insgesamt sah der Planer "eine gute Tendenz" beim Radfahren in der Stadt. Die vorhandenen Wege seien für eine Stadt wie Wolfratshausen "durchschnittlich". Positiv beurteilte er die alternativen Radverbindungen abseits der Straßen an Loisach und den Bahngleisen. Kritisch und verbesserungswürdig seien jedoch die Querungen für Radfahrer an den Kreuzungen.

Kaum Bus- und Bahnfahrer

Der öffentliche Nahverkehr ist laut Studie "in Wolfratshausen das unwichtigste Thema". Bus und Bahn nutzten die Befragten insgesamt für etwa acht Prozent der Wege. Im Stadtverkehr liegt der Anteil bei weniger als zwei Prozent, bei weiteren Strecken etwa bei 18 Prozent. Etwa 16 Prozent der Berufstätigen besitzen eine Dauerkarte des MVV, bei den Schülern liegt die Quote bei 40 Prozent.

Einmal Geretsried und zurück

Die meisten Fahrten führen die Wolfratshauser nach Geretsried und zurück. Der Anteil lag bei knapp 30 Prozent. Planer Ulzhöfer sprach in diesem Zusammenhang von der "Metropole Wolfratsried". Nur etwa halb so viele Befragte fuhren indes nach München.

Die gefährlichsten Straßen

Wenig überraschend sind die Straßen, die die Befragten als die gefährlichsten einstuften: Königsdorfer, Sauerlacher und Schießstättstraße "kämpfen um den ersten Platz", wie Ulzhöfer sagte. Die meisten sahen ein Problem im fließenden Verkehr (mehr als 90 Prozent), etwa 65 Prozent bei Fußgängern und Radfahren. Weniger problematisch sind laut Umfrage die Parkplätze: Nur ein Fünftel der Teilnehmer kreuzte den ruhenden Verkehr an. Als verbesserungswürdig stufte Ulzhöfer die Situation der Radfahrer an der Sauerlacher Straße ein, räumte jedoch ein, dass es an der engen Staatsstraße wenig Möglichkeiten gebe. Er empfahl dem Stadtrat "dranzubleiben". Diesen Rat werde man befolgen, sagte Susanne Leonhard, die beim Bauamt für die Projektgruppe Radroutenkonzept zuständig ist. Die Stadt habe die Aufnahme in ein Modellprojekt für einen einseitigen Schutzstreifen östlich des Bahngleises beantragt.

So wurde gezählt

Für die so genannte Modal-Split-Erhebung wurden alle Wolfratshauser Haushalte angeschrieben. 1360 verwertbare Bögen haben die Planer zurückbekommen. Den Rücklauf von etwa 16 Prozent bezeichnete Ulzhöfer als "ein bisschen unterdurchschnittlich", üblich seien mindestens 20 Prozent. Für eine sichere Auswertung sei die Zahl mehr als ausreichend. Überdurchschnittlich hoch sei der Anteil derjenigen, die sich zu Problemen geäußert haben. Die Erhebung wurde wie üblich für einen einzigen Stichtag werktags durchgeführt. Die Teilnehmer haben sämtliche Wege am 22. September von 0 bis 24 Uhr notiert. Die Statistiken dienen der Stadt auch für künftige Planungen.