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Stadtklinik:Keine kleinen Tölzer mehr

Dresden erwartet für 2016 Rekorde bei Geburten und Eheschließunge

Schließt die Geburtshilfe in der Asklepios-Klinik, wird es kaum noch in Tölz geborene Kinder geben - es sei denn, sie kommen zu Hause oder im Geburtshaus in der Mühlgasse zur Welt.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Landrat und Bürgermeister nennen das drohende Aus der Geburtenstation "schrecklich" und "fatal" - die Verantwortung dafür sehen sie in Berlin.

Von Klaus Schieder

Die drohende Schließung der Geburtshilfe an der Tölzer Stadtklinik verunsichert nicht bloß schwangere Frauen, Belegärzte und Hebammen. Sie schreckt auch die Kommunalpolitik auf. Emotional reagiert Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) auf das mögliche Aus der Abteilung im Sommer nächsten Jahres. Die Vorstellung, dass es künftig "keine Tölzer Madln und Buam" mehr gebe, "ist für mich schrecklich", erklärt Niedermaier, der im Beirat der Asklepios-Klinik sitzt. Dort ist auch Bürgermeister Josef Janker (CSU) vertreten, der sich ebenfalls alarmiert zeigt: "Das ist natürlich ein Drama." Kämen im Tölzer Krankenhaus keine Kinder mehr auf die Welt, "dann wäre das fatal, das wäre überhaupt nicht lustig".

Niedermaier hat zwei Töchter, die beide in Bad Tölz geboren wurden. Wenn die Geburtshilfe in etwa einem halben Jahr wirklich dichtgemacht wird, treffe ihn dies auch persönlich. "Das ist bitter, so bitter." Der Landrat kündigt an, alles dafür zu tun, um die Geburtshilfe langfristig im Landkreis zu halten. Allerdings verweist er auf grundlegende Probleme. Zum einen fehlten schlichtweg die Fachärzte, die auch Kommunalpolitiker nicht aus dem Hut zaubern könnten. Vor allem aber kritisiert er die Gesundheitspolitik des Bundes. "Dort will man keine kleinen Geburtshilfeabteilungen mehr", konstatiert Niedermaier. Notwendig seien Gesetze, die den Krankenhäusern auf dem Land die Chance geben, die Geburtshilfe anzubieten. Dafür werde er sich einsetzen, so der Landrat. Aber er könne auch "nur mitprotestieren".

Janker gibt die Schuld ebenfalls der Bundespolitik, die er als "nicht nachvollziehbar" apostrophiert. Verärgert meint er: "Es ist leider der Wille der großen Politik, dass alles getan wird, damit sich die kleinen Krankenhäuser in der Fläche kannibalisieren, um dann nur noch zentrale Kliniken zu schaffen." All dies geschieht nach Ansicht des Bürgermeisters unter dem "argumentativen Deckmantel der Qualitätssicherung". Janker hält das für Unsinn, schließlich müssten sich ja auch kleine Häuser entsprechenden Kontrollen unterwerfen.

Anders als Dr. Stephan Krone, der zusammen mit Dr. Florina Rummel das kleinen Belegarztteam in der Geburtshilfe bildet, glaubt er nicht daran, dass ein genaues Durchforsten des neuen Antikorruptionsgesetzes noch einen Ausweg weist. Mit diesem Regelwerk können Kliniken nicht mehr die hohe Haftpflichtversicherung der Belegärzte mittragen. Janker sieht in den Paragrafen kein noch so enges Schlupfloch: "Es geht nicht mehr, dass ein Krankenhaus dem Arzt die Versicherung bezahlt, damit er die Geburtshilfe macht, für die er sowieso bezahlt wird." Er äußert Verständnis dafür, wenn die Geschäftsführung der Tölzer Klinik davon die Finger lässt. Denn das Antikorruptionsgesetz sei hart, "da bist du sofort beim Staatsanwalt", sagt er.

Niedermaier und Janker rechnen damit, dass nun Rufe aus der Bevölkerung kommen, Landkreis und Stadt mögen die Geburtshilfe in Tölz retten. "Wir dürfen das nicht", sagt der Landrat. Außerdem habe Asklepios viel Geld in die Abteilung gesteckt, "das kann die öffentliche Hand nie leisten". Stadtrat Willi Streicher (SPD) fordert die Kommune zumindest auf, ein klares Bekenntnis abzugeben, "wie wichtig diese Station für Bad Tölz und das Umland ist". Der öffentliche Druck müsse verstärkt werden, sagt Streicher, der deshalb in einer E-Mail an den Bürgermeister appelliert hat, das Thema auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung am nächsten Dienstag zu setzen. Die Geburtshilfe zählt für Streicher zur Grundversorgung in der Region, "das liegt mir sehr am Herzen".

Janker weiß, dass ein Aus der Abteilung auch der Stadt auf die Füße fällt. "Letztlich liegt es an uns am Ort, wird es heißen, aber tatsächlich liegt es an den gesetzlichen Vorgaben, die uns Prügel zwischen die Beine schmeißen." Noch hat der Bürgermeister die Hoffnung nicht aufgeben. Man werde sich weiter um neue Belegärzte bemühen, vielleicht finde sich ja noch einer, sagt er.

© SZ vom 26.11.2016
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