Wer an der Schilddrüse erkrankt ist, muss oftmals herumfahren. An einem Ort wird er von einem Nuklearmediziner diagnostiziert, an einem anderen dann von einem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten operiert. In der Asklepios-Klinik in Bad Tölz ist beides nun unter einem Dach möglich. Während der Corona-Pandemie entstand dort ein neues Schilddrüsenzentrum, das eine interdisziplinäre Behandlung bietet.
Dafür arbeiten die am Krankenhaus ansässigen Fachärzte für Nuklearmedizin und Radiologie mit dem Team der HNO-Hauptabteilung und der Chirurgie an der Klinik zusammen. "Das ist ein gemeinsames Board, wo sie die Fälle der Patienten besprechen und sich persönlich über die weitere Behandlung abstimmen können", erklärt Felix Rauschek, Geschäftsführer des Tölzer Krankenhauses. Zudem finde ein enger Austausch mit den niedergelassenen Ärzten statt. Die Behandlung umfasst chronische Erkrankungen der Schilddrüse, sowie gutartige und bösartige Tumore des Organs. Die Gründung des Zentrums gehöre zur strategischen Entwicklung des Tölzer Krankenhauses, sagt Pressesprecher Christopher Horn. Schließlich halte man an der Klinik "die einzige HNO-Hauptabteilung im Oberland" vor.
Einen neuen Schwerpunkt setzt man in Tölz auch in der Chirurgie. Der Fokus richtet sich dabei auf Adipositas-Fälle, also auf extrem schwergewichtige Patienten. Für sie wurden eigens Zimmer umgebaut, damit sie zum Beispiel ins Bad kommen können. Die OP-Tische sind auf bis zu 260 Kilogramm Körpergewicht ausgelegt, ein Standardbett auf der Station auf 230 Kilogramm. Angeschafft wurden auch spezielle Rollstühle und Rollatoren. Die Investitionen hielten sich finanziell im Rahmen, "aber die OP-Tische sind sehr teuer", sagt Rauschek.
Um die schwergewichtigen Patienten kümmert sich ein Team aus Viszeralchirurgen, Kardiologen, Neurologen, Gastroenterologen, Diabetologen, Ernährungsmedizinern, Ernährungsberatern und Psychotherapeuten. Falls eine Operation medizinisch sinnvoll ist, bietet die Tölzer Klinik verschiedene Verfahren an - von der Schlauchmagenbildung über einen Magenbypass bis hin zu anderen komplexen Operationsverfahren. Ob es genügend Patienten gibt? Die Leute würden "immer dicker", sagt Horn. Die Entwicklung habe sich in der Corona-Pandemie noch verschärft, als Fitnessstudios geschlossen waren und die Leute sich - auch wegen Stress - ungesünder ernährten. "Das hat sich auch auf das Adipositas-Level ausgewirkt", sagt Horn.
Als "große Erfolgsgeschichte" bezeichnet der Klinik-Sprecher den Einsatz des "Da Vinci"-Roboters. Mehr als 1000 Operationen habe es damit in der Urologie schon gegeben, so Horn. Mit dem neuen Da-Vinci-X-System wurden seit März insgesamt 71 chirurgische Eingriffe vorgenommen, vorwiegend bei diversen Krebstumoren.
