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Stadtentwicklung:"Klare Kante" gegenüber der Jod-AG

Für das Gelände des ehemaligen Hotels Jodquellenhof und des früheren Erlebnisbads "Alpamare" hat der Tölzer Stadt jetzt den Bebauungsplan beschlossen, der ein neues Hotel vorsieht. Die Jodquellen AG lehnt dies mit Verweis auf sinkende Übernachtungszahlen nach wie vor ab.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Tölzer Stadtrat werden Stimmen laut, die sich eine Mediation mit den Inhabern des Alpamare-Geländes wünschen. Die Mehrheit lehnt dies ab und fordert strikt ein Hotel auf dem Areal

Auf dem Gelände des ehemaligen Spaßbads "Alpamare" und des Jodquellenhofs soll ein neues Hotel entstehen: Dies ist der Kern des Bebauungsplans "Sondergebiet Bäderviertel (Badeteil Mitte)", den der Tölzer Stadtrat am Dienstag mehrheitlich genehmigt hat. Dem Beschluss ging ein kurzes Zögern voraus. Einige Stadträte forderten, zuvor nochmals das Gespräch mit der Jodquellen AG zu suchen, die ein Hotel vehement ablehnt und auf ihrem Areal lieber Wohnblocks bauen möchte. Richard Hoch (Grüne) schlug einen Runden Tisch mit der Stadt, der Jod AG und einem Mediator vor, ehe der Bebauungsplan aufgestellt wird. Dem stimmten jedoch nur Peter Wiedemann, Martin Harrer und Peter von der Wippel (alle FWG) zu.

Die Positionen sind verhärtet: Die Stadt besteht auf einem Hotel, die Jodquellen AG auf Wohnbebauung, weil sie dem Tourismus in Bad Tölz keine große Zukunft gibt. In einem 20 Seiten starken Schreiben, das Tabellen und Statistiken umfasst, werden unter anderem rückläufige Übernachtungszahlen, eine übers Jahr zu geringe Bettenauslastung, sinkende Umsätze, konkurrierende Hotelprojekte aufgelistet.

Die Stadt schätzt die Situation ganz anders ein: Vor allem für Tagungsteilnehmer und große Hochzeitsgesellschaften fehlten Betten, gut geführte Häuser hätten einen Zuwachs an Übernachtungen, man fordere von der Jod AG ja kein Riesen-Hotel.

Die Pläne der Stadt hält auch Richard Hoch für "richtig und wichtig". Der andauernden Wohnbebauung im Kurviertel müsse man mit einer touristisch genutzten Fläche entgegenwirken, sagte er. Aber fünf vor zwölf sollte es noch einmal ein Gespräch mit der Jod AG geben, als Mediator habe er "einen anerkannten alten Tölzer Bürger" an der Hand. Die Stellungnahme des Eigentümers und die Antwort der Stadt empfand Peter Wiedemann als "sehr juristisch, nicht freundschaftlich". Auch er plädierte für ein Treffen, allerdings eher im kleinen Kreis. "Ich bitte Sie eindringlich, dass man diesen Weg geht und das Ganze nicht dem Gericht überlässt", rief er den Stadtratskollegen zu. Vielleicht kämen beide Seiten dabei noch auf eine andere Idee fürs Alpamare-Areal, meinte Peter von der Wippel: "Wir werden eine Konsenslösung nicht mit einer hundertprozentig touristischen Nutzung finden."

Den Vorschlag zur Güte lehnten alle anderen Stadträte ab. Die meisten nannten als Grund, dass Verhandlungen kaum zu einem Resultat führten, solange der Bebauungsplan nicht beschlossen sei. Es brauche eine "klare Kante", anders werde man bei der Jod AG erfahrungsgemäß keinen Erfolg haben, sagte Willi Streicher (SPD). Außerdem wies er darauf hin, dass die Zeit dränge, schließlich läuft die Veränderungssperre für das Gelände im nächsten Monat endgültig ab. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Josef Janker (CSU). Die Stadt brauche eine Position, bevor sie in Verhandlungen gehe, sagte er. Der Stadtrat habe eine zu 100 Prozent touristische Nutzung gewollt. Er selbst habe immer den Standpunkt vertreten, einer teilweisen Wohnnutzung zuzustimmen.

Eine absolute Funkstille zwischen Rathaus und Jodquellen AG herrscht Janker zufolge nicht. Anton Hoefter, Geschäftsführer der Jod AG, Kämmerer Hermann Forster und er selbst seien regelmäßig beieinander und redeten, sagte der Bürgermeister. Was ihm den Einwurf von Peter Wiedemann einbrachte: "Es geht nicht darum zu reden, sondern zu verhandeln." Nach Ansicht von Bauamtsleiter Christian Fürstberger bleibt auch nach dem Votum für den Bebauungsplan noch etwa ein Jahr Zeit, um mit der Jodquellen AG zu diskutieren. Denn so lange werde es dauern, bis sie juristisch alles für einen Gang vors Gericht geregelt hat. Man werde sehen, was sie überhaupt wolle - "nach allem, was man gehört hat, ist sie nicht ganz weg von einer touristischen Nutzung", ließ der Bauamtschef kurz durchblicken.

Einen jahrzehntelangen Stillstand wie im Zentrum von Bad Heilbrunn soll es nicht geben. Dies hatte die Jod AG bekundet, das will auch die Stadt nicht. Allerdings, meinte Kämmerer Forster, sei es in Heilbrunn erst zu einer Lösung mit Max Hoefter von der Kurfürstin GmbH gekommen, "als der Bebauungsplan der Gemeinde durch war". Eine Goodwilltour werde auch in Tölz nicht funktionieren. Durch das Ja des Stadtrats zum Bebauungsplan sage die Jod AG vielleicht, "auf dieser Basis will ich nicht, ich verkaufe das Ganze". Streicher forderte die Stadt nachdrücklich auf, "das Interesse zu bekunden, dass man das Gelände kaufen möchte".

Einen Kritikpunkt des Freundeskreises Badeteil griff Andrea Grundhuber (Grüne) auf. Der Verein befürchtet, dass mit einer festgesetzten Wandhöhe von 15 Metern für ein neues Hotel fünf Vollgeschosse auch bei anderen Bauten im Kurviertel möglich würden. Man sollte auf vier runtergehen, befand Grundhuber. Die Baumasse sei auf dem Areal künftig ohnehin halbiert, außerdem werde man mit dem Plan nicht Richtung Westen gehen, erwiderte Fürstberger. Die vom Freundeskreis geforderte Umweltprüfung für das 2,3 Hektar große Grundstück hält er nicht für geboten. Das gelte erst bei einer versiegelten Fläche von 20 000 Quadratmetern und mehr.

© SZ vom 18.05.2017

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