17 734 Einwohner hat die Stadt Penzberg. Neubaugebiete und Wohnprojekte lassen den Schluss zu, dass die oberbayerische Kleinstadt weiter wachsen wird. Das treibt so manche Penzbergerin und manchen Penzberger um, wie die Bürgerversammlung in der Stadthalle zeigte. Denn mehr Einwohner bedeuten ein Mehr an Wohnraum und Infrastruktur wie Kinderbetreuungsplätze. Für Letzteres braucht man Geld, das die Kommune in den kommenden Jahren kaum haben wird. Aber auch die konkreten wie geplanten privaten Bauvorhaben im Zentrum entlang der Bahnhofstraße werfen Fragen auf. Wiederholt wurde die Forderung laut nach einer Bürgerbeteiligung, wenn es um das Gesicht der Innenstadt in der Zukunft geht.

Ob und wann Penzberg aus dem Loch herauskommen werde, fragte Robert Herele. „Erlebe ich das noch?“ Der 68-Jährige zielte auf die angespannten Finanzen der Stadt. Ein Ausblick sei schwierig, erwiderte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) bei der Versammlung in der Stadthalle mit etwa 120 Anwesenden. Die nächsten fünf Jahre würden schwierig. Nur „gezielte Projekte“ könnten gestemmt werden. Herele hakte nach: Die 149 städtischen Wohnungen „An den Eichen“ seien fertig und müssten doch Mieteinnahmen bringen, also Geld in die Kasse spülen. Doch so einfach ist es nicht: Die Stadt investierte in das Projekt, einschließlich der Erschließungsarbeiten, 38 Millionen Euro. Der Bau der Wohnungen sollte komplett über Kredite finanziert werden. Doch die Rechtsaufsicht am Landratsamt Weilheim-Schongau ließ nicht zu, das Darlehen auf einmal aufzunehmen. Somit konnte sich die Stadt nicht für die gesamte Summe einen niedrigen Zinssatz sichern, was nun den Haushalt belastet.

Timo Böge thematisierte die Kinderbetreuung in der Stadt. In diesem Jahr schlugen Eltern Alarm, weil sie von September an keine Plätze für ihren Nachwuchs sicher hatten. Das Problem konnte gelöst werden, doch für die Eltern waren es nervenaufreibende Wochen. Wie denn die Stadt Vorsorge trage, wenn von 2026 an der Rechtsanspruch für eine Ganztagsbetreuung in Grundschulen bestehe, wollte er wissen. Was die Räume angehe, so sei man auf einem guten Weg, antwortete Bürgermeister Korpan. Das Zauberwort heißt „Doppelnutzung“. Auch verriet Korpan, dass von Januar 2025 an eine neue Mitarbeiterin für den Bereich „Kinderbetreuung“ im Rathaus gefunden werden konnte. Sie habe bei der Stadt München jahrelang Erfahrung gesammelt. Denn ausreichend geeignete Räume für die Gruppen vorzuhalten, sei das eine; das andere ist die Akquise von Fachpersonal. In dem Punkt tausche man sich mit den Trägern der Einrichtungen in der Stadt aus.
Das Hauptaugenmerk an diesem Abend lag allerdings auf der baulichen Entwicklung der Innenstadt. In den vergangenen Wochen sorgte eine Immobilien-Anzeige auf einem Online-Portal für Gesprächsstoff. Angeboten wurde der frühere Gasthof Bayerischer Hof mit dazugehörigem Biergarten und Wohnhaus an der Ecke Bahnhof-/Friedrich-Ebert-Straße. Alexandra Link-Lichius bat die anwesenden Stadträte darum, sich dieses innerstädtische Areal zu sichern – auch wenn die Haushaltslage prekär sei. Eine solche Entwicklungsfläche in Rathausnähe dürfe man keinem Investor überlassen, so Link-Lichius.

Der Erhalt des Bayerischen Hofs ist auch ein Ziel der Bürgerinitiative (BI) „Für den Erhalt der Menagehaus-Zeile“. Zwei BI-Vertreter nutzen die Bürgerversammlung für Stellungnahmen. Max Kapfer nannte Korpan einen „Meister im Aussparen heikler Themen“. Das Bürgerbegehren, für das Kapfer und seine Mitstreiter Unterschriften sammeln, sei keine Lappalie. Eigentum verpflichte, dies stehe so im Grundgesetz. Von „Einheitsgigantomanie“ sprach Günther Pfannkuch angesichts der Neubaupläne des Bauentwicklers Bayernwohnen an der Bahnhofstraße. Man müsse den Jungen vorleben, dass nicht alles Alte verschwinden müsse. So dürfe man nicht mit Menschen umgehen, aber auch nicht mit alten Gebäuden, so Pfannkuch.
Lieselotte Schlossbauer betonte, die Penzberger wollten „ihre Heimatstadt“ behalten und nicht gegen sechsstöckige Häuserschluchten eintauschen. Konrad Kürzinger ging es nicht in erster Linie um den Erhalt alter Bausubstanz, vielmehr forderte er die versprochene Bürgerbeteiligung ein. Von Rathaus-Seite war eine sogenannte Planwerkstatt vorgesehen. In diesem Prozess sollten die Penzbergerinnen und Penzberger kundtun dürfen, wie sie sich ihre Innenstadt in Zukunft wünschen. Aus Kostengründen wurde dieses Projekt gestoppt. Die Planwerkstatt hätte eine Antwort zur städtischen Identität liefern können, erwiderte Stadtbaumeister Justus Klement. Aber keinesfalls wäre ihr Ergebnis ein komplexes Konzept gewesen, das Bauherrn die Gestaltung bis ins kleinste Detail vorschreibt.
In der Stadtratssitzung am Dienstag, 26. November, soll eine Rechtsanwältin die Möglichkeiten der Mitbestimmung bei privaten Bauvorhaben erläutern. Konkret geht es um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Menagehaus-Zeile.

